rung: ,, Ich schlage nicht." Dann eben Absetzung und Straftransport. ,, Tun Sie, was Sie für gut halten!" Ehre dem politischen Blockältesten Frey, dem Charakter mehr war, als das Amt!
Die Capos
Die Berufung von Arbeitsaufsehern aus den Reihen der Häftlinge war ein raffinierter Schachzug der SS - Lagerführung. Besser, Häftlinge selber trieben ihre Kameraden zur Höchstleistung an und schlugen sie. Manchem Capo machte dieses Amt keine Sorge. Er hatte ein bequemes Leben, zusätzliche Nahrung, warum also nicht. Einige erwiesen sich als willige Helfer bei dunkelsten Praktiken der SS. So der im Lager dieserhalb verschrieene Capo Knoll, der sich dessen rühmte, eine Reihe von Juden ,, fertiggemacht" zu haben.
Der kleine Schreinercapo der Isolierung 1941 war jedenfalls von anderem Holz. Gleich am ersten Tag setzte er mir auseinander: ,, Wir arbeiten hier gezwungen und grundsätzlich nur, wenn die SS in Sicht ist." Er kannte das verzweifelte Los derer von der Isolierung, dem Strafblock, der Häftlinge mit dem schwarzen Punkt, und wußte auch um die Korruptheit des Blockpersonals zu der Zeit, das uns mißhandelte und ausplünderte.
Der forsche Schwabe hätte seinem Kollegen, dem Capo von der Strohsackstopferei eine Lektion halten können. Dieser wenig biedere Sachse und ehemalige Dezernent des Sozialamtes einer sächsischen Großstadt, linksradikal, konnte sich nicht genug tun in der Leistungssteigerung. Waren 60 Strohsäcke verlangt, so drängte er auf 80. War es soweit, dann meinte er, man könne bequem 100 machen. Dabei waren wir in der verheerendsten Hungerperiode Dachaus, Sommer 1942. Jeden Tag fielen Kameraden zusammen. Er, der Capo, verschaffte sich durch Schwarzarbeit besondere Zusatznahrung und aß sie ohne Wimperzucken vor den Augen seiner hungrigen Mannschaft. Er duldete wenigstens, daß wir diejenigen, die sich nicht mehr aufrecht halten konnten, in der Holzwolle versteckten und schlafen ließen. Dennoch starben von 18 Mann 11.
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