t
d
т
S
e
t
B
5
seiner Gattin für einige Stunden nach Wien . Tiefgläubiger Mensch, tat er ruhigen Gemüts draußen in der Plantage, in einem stillen Uebersetzungsbüro, seinen Dienst, der Verheißung gewiß, die ihm das kirchliche Abendgebet alltäglich zurief:„ Mit einem Schild umgibt dich Seine Treue. Du brauchst nicht fürchten nächtlich Grauen, nicht den Pfeil, der unter Tags daher schwirrt, und nicht das Unheil, das im Finstern schleicht". Er hat auch das Abenteuer der Verschleppung in die Tiroler Alpen überlebt, von dem wir an anderer Stelle berichten.
Ein junger Akademiker mit Namen Pfeiffer, praktischer Katholik und Mann der Zeitungswissenschaft, ein Leipziger, tauchte eine Zeitlang im Lager auf, wurde Revierschreiber und kam seltsamerweise in Verbindung mit einer angeblichen Kommunistenverschwörung auf Straftransport mit unbekanntem Ziel.
Die besonderen Lagerumstände, in Verbindung mit dem fast unkontrollierbaren Ausmaß an Macht und Selbstherrlichkeit, das den Blockältesten zufiel und manchem von ihnen Lebensgewohnheiten ermöglichte, die er kaum zu Hause gekannt hatte, führten immer wieder zu kleinen und größeren Skandalen, die wahre Abgründe sittlicher Entartung ahnen ließen. So der Skandal der Nackttänze, die sich ein Blockältester in den Weihnachtsfeiertagen 1943 mit jugendlichen Häftlingen leistete. Er wurde samt Anhang seiner Stelle enthoben. Das im Lager bekannte Laster, ein öffentliches Geheimnis, wucherte als solches weiter.
Diejenigen Blockältesten, die lieber ihre Degradierung und den Straftransport auf sich nahmen, als bei der Auspeitschung von Kameraden mitzuwirken, lebten geistig jedenfalls in reineren Regionen. Daß die SS dazu überging, die Lagerstrafe der Stockhiebe von Häftlingen an Häftlingen vollziehen zu lassen, entsprach deren Geistesverfassung und dem ihr eigenen Mangel an elementarem Anstandsgefühl. Daß Blockälteste sich darauf einließen, war peinlich, selbst wenn es unter Hemmungen und mit dem Willen zur Zurückhaltung geschah. Die SS stand daneben und hielt auf festen Schlag. Moralisch wertvoller blieb die kategorische Weige
5 Joos, Leben
65


