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Sozialisten und
hieß, SS - mäßig verstanden: robust, bedenkenlos, fähig zum Dreinschlagen. Die SS - Lagerführung wußte, daß die Kandidaten zu großen Teilen links, auch äußerst links, standen Kommunisten. Aber sie waren eben in der Mehrzahl Langjährige und Reichsdeutsche. Das wurde erst 1941/42 anders. Natürlich irrte sich die Lagerführung auch hie und da bei dem einen oder anderen. So gab es in dieser ausgedehnten Lagerbürokratie solche und solche, Gefürchtete und Geschätzte, bloße Subjekte und Männer, Abenteurer mit gefährlichsten Neigungen und wirkliche Menschen. Ein falscher Mann als Lager- oder Blockältester setzte von sich aus wieder falsche in untergeordnete Stellen und breitete das Uebel weiter und weiter. Umgekehrt, ein charaktervoller Mann, aus Versehen, aus einer momentanen Laune, auf einen bestimmten Eindruck hin ernannt, konnte Gutes um sich sammeln. Ein Machtkampf, von der SS - Lagerführung mitunter raffiniert ausgenützt, tobte unter der Decke zwischen den Parteirichtungen, zu denen sich die langjährigen Häftlinge jeweils bekannten. Hie Kommunisten hie Sozialdemokraten! Wer macht das Rennen? Persönlicher Ehrgeiz, Eitelkeit und überspanntes Geltungsbedürfnis Einzelner führten zu nie abreißenden Intrigen. Zeitweise waren die Kommunisten in den Schlüsselstellungen, und manche von ihnen wußten davon Gebrauch machen. Die Sozialdemokraten parierten umsichtig, verschwiegen, und mit ihnen waren Einsicht, Mäßigung, Vernunft und Menschlichkeit. Wo sie das Heft in Händen hatten und so lange sie es hatten: in der Lagerschreibstube, im Arbeitseinsatz, in der Lagerbibliothek, auf Blöcken, haben sie sich bewährt, in der sachlichen Arbeit, wie meist auch in den menschlichen Qualitäten.
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Der interessanteste unter den kommunistischen Häftlingen war wohl Willi Bader, der 1943/44 Aeltester im Zugangsblock war, ein Transportarbeiter von Ludwigsburg. Er konnte von sich sagen, über seinem roten Winkel eine der ältesten Nummern des Lagers Dachau zu tragen, nämlich Nr. 9. Dieser Mann war die Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit selber. Von ihm wird der Ausspruch berichtet: ,, Ich frage mich jeden Abend, ob ich einem Kameraden
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