Dennoch, unter ihm und dem Kommandanten W. setzte eine Periode von ,, Kultureinrichtungen" ein: Anlage des Fußballspielplatzes, Konzerte der Lagermusik, Rezitationsabende, Freilichtspiele sogar. Nicht so, als ob die Lagerführung selber einen aktiven Willen, irgendwelches gestaltende Können, oder auch nur Verständnis und ernste Anteilnahme an einer Kulturpflege unter den Gefangenen gehabt oder bekundet hätte! Nein, darauf kam es auch gar nicht an. Wenn sie nur geschehen ließ. Das andere taten die Häftlinge schon von sich aus. Kräfte genug! Wie Dampf, im Kessel unter Druck gehalten! In dem Augenblick, da die Lagerführung den Weg zum Spiel, wenn auch zögernd, unter Hemmungen, Störungen und Rückschlägen, frei gab die Gründe, die sie dazu bewogen, haben wir nie klar erkennen können-, war auch schon alles da. Der niedergehaltene und auf gefährliche Abwege verdrängte natürliche Geltungstrieb von Hunderten von Lagerinsassen schaltete sich automatisch ein: wirkliche und vermeintliche Künstler, Musiker, Sänger, Schauspieler, Rezitatoren und Conférenciers, Taschenspieler, Imitatoren, Kettensprenger und was es im Tingel- Tangel und in der Vorortwirtschaft Amateurkünsten gibt.
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Für wenige Wochen ward sogar eine Art ,, Kulturbaracke" errichtet. Der Nachfolger von R. hatte weder Sinn noch Lust zu solchen ,, Spässen". Die Kulturbaracke erhielt eine andere Zweckbestimmung. Aber bald danach erstand an der Nord- Ost- Ecke des Lagers unter großem Kostenaufwand eine besser ausgestattete Barácke, deren Errichtung, wie es hieß, von oben besonders dringend gewünscht war: das Bordell. Hierauf verwandte die Lagerleitung nunmehr ihre ,, Kulturenergien" und ließ alles andere verderren. Ein Dutzend weiblicher Häftlinge, frühere Dirnen, wurden aus dem Frauenlager Ravensbrück nach Dachau geschafft und unter dem Vorgeben, nach sechsmonatigem Dienst nach Hause entlassen zu werden, verpflichtet. Es gereicht den politischen Häftlingen Dachaus aller Parteirichtungen zur Ehre, daß sie mit wenigen Ausnahmen in stillschweigender Verabredung ablehnten,
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