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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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Befreie mich, o Herr, von bösen Menschen.

Und von den Uebeltätern rette mich!

Wer gescheit war und nicht von Amts wegen mußte, tat gut da­ran, dem SS - Mann im Lager aus dem Weg zu gehen. Je höher, um so eher. Denn man konnte nie wissen. Im Augenblick scheinbar freundlich, fast leutselig, im nächsten Moment unver­mittelt von unglaublicher Roheit.

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Wir werden an anderer Stelle dieser Schrift kenntlich machen, wie wir uns den Geisteszustand des in der Ideologie des Natio­nalsozialismus aufgekommenen kämpferischen Menschentyps er­klären. Hier nur die Feststellung, daß uns in dem 100prozentigen SS- Mann der seelisch zerstörte Mensch begegnete: trieb­haft, nihilistisch, wurzellos, haltlos, in sich unwahr und unbe­rechenbar, den Einflüsterungen des Bösen anheim gegeben. Nur ein solcher Mensch konnte soweit abgetrieben werden vom ge­ordneten Denken, nur ein solcher so abseits und jenseits von moralischem Bedenken handeln.

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Was trieb den fanatisierten SS- Mann es gab natürlich dar­unter auch laue und halbe eigentlich an? Neben dem unerbitt­lichen Befehl und der Furcht vor Strafe, der ungeordnete und ungezügelte Trieb. Ob recht, gut, vernünftig, anständig, blieb. völlig außer Betracht. Entscheidend war nur, was jeweils zweck­mäßig, nützlich, möglich, ausführbar schien. Wir sagen: schien, denn für die tatsächliche Unterscheidung des Möglichen hatte die ganz und gar auf Suggestion eingestellte Propaganda Sinn und Organ weithin verwirrt und verdorben. Wurde diese Propaganda doch nicht müde, den von ihr Erfaßten unentwegt einzuhämmern, man könne selbst das Unmögliche möglich machen, ja, es gäbe überhaupt kein objektiv Unmögliches, sofern der Mensch nur

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