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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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schmutzigsten Nebenarbeiten

Um des Brotes zur Verfügung. willen hat er angenommen und festgehalten. Er überstand wider Erwarten sogar einen Transport nach Natzweiler und nach Dachau zurück, um, wahrhaft tragisches Schicksal, zu Beginn 1945 vom Fleck fieber weggerafft zu werden.

Schwierigkeiten ergaben sich für die Unterbringung intellek­tueller Kreise aus nicht- deutschen Ländern durch die Unkenntnis der Sprache. Hier waren die dem deutschen Sprachgebiet benach­barten Oesterreicher, Polen und Tschechen im Vorteil, Franzosen , Serben, Italiener usw. entschieden im Nachteil. An diesem Man­gel scheiterten viele. Für Russen gab es überhaupt keinerlei

Möglichkeit.

Mit den Aerzten und Medizinstudierenden wußte man in Dachau lange nichts anzufangen. Als man sie endlich 1944 zum Krankendienst heranzog, weil es nicht mehr anders ging, ward ihr Eifer gedämpft und ging ihr Opfersinn ins Leere, da weder aus­reichend Medikamente noch sonstige medizinische Hilfsmittel zur Verfügung standen!

Blieben die eigentlichen Künstler. Malerische Genies waren nicht sichtbar, wenn auch da und dort versteckt für SS - Leute gemalt wurde. Und nicht nur für sie. Jeder Block- oder Stuben­älteste hatte den Ehrgeiz, in seiner Wohnecke ein, Original": eine Zeichnung, ein Aquarell, eine Landschaft oder ein Porträt in Oel vorzuweisen. Ein von der Worpsweder Schule berührter Maler X, grüner Winkel, malte nicht uninteressant für ein paar Brote, einen Würfel Margarine und etliche Wurstportionen, die der Käu­fer natürlich irgendwo ,, organisieren" mußte. Auch der Capo der Lagerbibliothek malte subtil und mit Hartnäckigkeit an Waldland­schaften und Seebildern. Der halbblinde Münchener, der grund­sätzlich nur Dialekt sprach und durch eine lärmend aufdringliche Fröhlichkeit auffiel, malte auf ungefähr. Er war Anstreicher von Beruf und hatte einige Malstunden genommen. Der erste Welt­krieg brachte ihn, noch halb Kind, wie soviele andere, durchein­ander, so daß ihn am Ende die Schausteller auf der Oktoberwiese

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