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RETTEN,
seinem Kommando. Er tat es mit viel Geschrei, so wie der Herr Blockführer es gerne sah. Zuweilen mußte er den Anschein er- wecken, daß er auch anders könnte. Also:„Niederlegen, Sprung auf, marsch marsch!” und so fort. Es war nicht so grimmig ge- meint. Aber es mußte sein. SS wünschte es so.
Dann:„Ihr müßt ein Bettbauen können!” Bauen war richtig gesagt. Grad und kantig, ein Kunstwerk. Er hatte recht, denn: Ein Doppelfimmel beherrschte die SS-Ueberwachung und durch sie die Häftlingsbürokratie: Der B ettenbau- und derRein- lichkeitsfimmel. In beiden handelte es sich nicht mehr um objektive Ordnungsliebe und Sauberkeit. Beides war zur Manie entartet, zur krankhaften Sucht, zu protzen, sich gegenseitig aus-
zustechen auf Kosten der von den Häftlingen so ersehnten Ruhe.
Beides auch Gelegenheiten, die Gefangenen zu quälen, ständig zu bewegen, sie auf keinen Fall zur Ruhe kommen zu lassen.
Den vollen Ernst begriffen wir, als wir von Hugos Block aus-
einanderdirigiert und auf die sogenannten„Freiblöcke” verteilt
waren. Damit erst erhielten wir unseren Platz und mit ihm, wenn
wir Glück hatten, die Zuweisung zu einem Arbeitskommando. Da-
mit verband sich das Anrecht auf„Brotzeit””— eine Schnitte Brot mit Zulage. Und Brot war Leben.
Damals konnte man noch hie und da Schnitte Brot kaufen, wenn man Geld dazu hatte. Die wenigsten Neulinge waren dazu in der Lage, da ihr im Gefängnis oder bei
in der Kantine eine
der Stellen nahmen sich schrecklich viel Zeit. Die Angehörige ten noch nicht, wo wir waren, und daß sie Geld schicken durften.
Erst nach'langen, bangen Wochen kamen die ersten verstörten
und verschüchterten Antworten der Angehörigen, und darnach erst
wieder nach Wochen das Geld. Manche bekamen von Kameraden
etwas vorgestreckt und konnten sich die erste kleine Zusatznah- rung gönnen, soweit die Kantine sie leistete. Und da sah es bald bös aus. Mit der paradiesischen Zeit, wo man ein Stück Brot und
eine Tasse schwarze Brühe kaufen konnte, war es schon Ende
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