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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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en. ver

we

RETTEN,

seinem Kommando. Er tat es mit viel Geschrei, so wie der Herr Blockführer es gerne sah. Zuweilen mußte er den Anschein er- wecken, daß er auch anders könnte. Also:Niederlegen, Sprung auf, marsch marsch! und so fort. Es war nicht so grimmig ge- meint. Aber es mußte sein. SS wünschte es so.

Dann:Ihr müßt ein Bettbauen können! Bauen war richtig gesagt. Grad und kantig, ein Kunstwerk. Er hatte recht, denn: Ein Doppelfimmel beherrschte die SS-Ueberwachung und durch sie die Häftlingsbürokratie: Der B ettenbau- und derRein- lichkeitsfimmel. In beiden handelte es sich nicht mehr um objektive Ordnungsliebe und Sauberkeit. Beides war zur Manie entartet, zur krankhaften Sucht, zu protzen, sich gegenseitig aus-

zustechen auf Kosten der von den Häftlingen so ersehnten Ruhe.

Beides auch Gelegenheiten, die Gefangenen zu quälen, ständig zu bewegen, sie auf keinen Fall zur Ruhe kommen zu lassen.

Den vollen Ernst begriffen wir, als wir von Hugos Block aus-

einanderdirigiert und auf die sogenanntenFreiblöcke verteilt

waren. Damit erst erhielten wir unseren Platz und mit ihm, wenn

wir Glück hatten, die Zuweisung zu einem Arbeitskommando. Da-

mit verband sich das Anrecht aufBrotzeit eine Schnitte Brot mit Zulage. Und Brot war Leben.

Damals konnte man noch hie und da Schnitte Brot kaufen, wenn man Geld dazu hatte. Die wenigsten Neulinge waren dazu in der Lage, da ihr im Gefängnis oder bei

Gestapo deponiertes Geld so lässig nachgeschickt war. Diese n wuß-

in der Kantine eine

der Stellen nahmen sich schrecklich viel Zeit. Die Angehörige ten noch nicht, wo wir waren, und daß sie Geld schicken durften.

Erst nach'langen, bangen Wochen kamen die ersten verstörten

und verschüchterten Antworten der Angehörigen, und darnach erst

wieder nach Wochen das Geld. Manche bekamen von Kameraden

etwas vorgestreckt und konnten sich die erste kleine Zusatznah- rung gönnen, soweit die Kantine sie leistete. Und da sah es bald bös aus. Mit der paradiesischen Zeit, wo man ein Stück Brot und

eine Tasse schwarze Brühe kaufen konnte, war es schon Ende

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