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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
Seite
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NUMMER 26 800

,, Am Menschen, dem Ebenbilde, das von Christus über seinen Fall erhöht wurde, ist der furchtbarste Frevel ge­schehen. Ein rätselhafter Haß auf den Menschen war durchgebrochen. Vielleicht fühlten diejenigen, die diesem Haß sich hingaben, daß in ihnen das Ebenbild zertrüm­mert war..."

Reinhold Schneider ,, Von der Würde des Menschen" in ,, Gedanken des Friedens".

1936 war ein Freund für zehn Monate nach Dachau geschickt worden, weil er das verwegene Wort gesprochen: Ich rechne es mir zur Ehre an, seit 1933 einige Male in Schutzhaft gewesen zu sein." Unmittelbarer Anlaß war die große Männerandacht, die er im Dom zu Augsburg angeregt und organisiert hatte. Die kirch­liche Behörde hatte ihre Zustimmung gegeben, und obschon die Glocken zu dieser außergewöhnlichen Männerfeier vorsichtshal­ber nicht geläutet wurden, war der Dom dennoch brechend voll. Das genügte der Gestapo .

Als er, der hünenhafte Mann in den besten Jahren, nach Monaten zurückkam, war er 60 Pfund leichter, weiter nichts. Zwar hatte man ihn in Dachau drei Monate lang in der Kiesgrube arbeiten lassen, und jeden Tag, wenn ihn der SS- Posten mit dem geschulter­ten Gewehr übernahm, hieß es: ,, Du schwarzes Schwein, heut ist Dein letzter Tag." Aber der Posten bekam keine Gelegenheit zu schießen, und unser Freund war bald als gelernter Tischler ge­sucht, und fungierte die letzten Monate vor seiner Entlassung als Vorarbeiter. ¹) Als wir ihn zum ersten Mal trafen, fragte er be­

1) Was der Gestapo 1936 nicht gelungen, diesen wackeren Mann, Laien- Sekretär der Katholischen Aktion der Diözese Augsburg , Hans Adlhoch , zu vernichten, gelang ihr 1945. A. war im Herbst 1944 aufs Neue verhaftet worden. Wiederum Häftling im KZ Dachau , war er den entsetzlichen Zuständen auf den überbe­legten Blöcken gesundheitlich nicht mehr gewachsen. Er überlebte zwar die Befreiung, starb aber einige Wochen danach.

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