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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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Erziehung erklärt werden kann, so auch nur von hier aus das jam­mervolle Bild dieses scheinbar geordneten, in Wahrheit wirren Menschenhaufens. Häftlinge genug! Wo blieb der Mensch?

Auch er war da, der leidende, duldende, hoffende und versin­- Held auf kende, der widerstehende und sich behauptende Mensch­einem Schlachtfeld eigener Art, das weder Namen noch Auszeich­nungen kannte; nicht einmal Gräber für seine Gefallenen.

Sein Gegenspieler war der Andere, voll Haß und Willkür, von dämonischen Gewalten aufgestört und zum Vernichten bestimmt. Er zog in seinen Dienst Versklavte verdorbener Natur, Geist von seinem Geist. Der Mensch kann ja viel tiefer sinken, als wir ge­wußt haben! ,, Dachau ", so formuliert ein Häftling ,,, eine Narren­stadt, eine Sklavenstadt, eine Hungerstadt, eine Todesstadt!"

So ergeben sich viele Beispiele von Größe in der Ohnmacht und von Niedrigkeit in der Vollmacht, unvorstellbar bis dahin in ihren ein dröh­.Ausmaßen und Bedingungen. Grausame Wirklichkeit. nender Warnungsruf für alle Zeit gegenüber naiver Fortschritts­

schrittsgläubigkeit.

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Das Leben im Konzentrationslager, jahrelang gelebt, hat den Menschen vor die eigentliche Bewährung gestellt. Hier, in jedem Augenblick vor dem Allerletzten stehend, mußte er wachsen oder abnehmen, mehr werden, als er vordem war, oder weniger. Stehen bleiben war nicht denkbar, weil der Möglichkeiten, zu sinken, zuviele waren. Alle Mängel und Lücken in der Individual­und in der Sozialerziehung traten in diesem Leben auf Widerruf hart und kraß zutage. ,, Auf Widerruf", ja! Heute noch gewährt, morgen entzogen. Die Situation zwang den lebendigen Menschen zu äußersten Anstrengungen und formte an ihm unentwegt. Und von der SS und ihrer Führung in ihren dunklen Geschäften unab­hängig und für sie völlig unkontrollierbar, vollzog sich im Innern von vielen etwas, was ihr scheinbar verlorenes Leben weit hinaus hob über das vergangene. Sollte daraus nicht eine Kraft gewon­nen sein für die Gestaltung der allezeit gefährdeten Menschheit?

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