"
ziehung, Gegensätze von jung und alt, deutlich spürbar und in primitiv- rohen Formen zum Ausdruck gebracht. Und welch eine Kluft im Denken und Handeln zwischen den verhältnismäßig wenigen Grünen", wegen Vergehen oder Verbrechen Bestraften, und der Masse der ,, Roten", den Politischen . Die Grünen einte die ihnen gemeinsame Tatsache des Kriminellen, und wo ihnen, in Arbeitskommandos, im Block oder auf der Stube, die Leitung zufiel oder von der SS ihnen in die Hand gespielt wurde, mißbrauchten sie sie aus dem Urinstinkt des Gefallenen bedenkenlos gegen die politischen Häftlinge.
Das Leben im Lager war so unsicher und so gefährdet, der Kampf um Sein oder Nichtsein so blutigernst, daß der Trieb zur Selbsterhaltung übermächtig durchschlug und Denken und Trachten des Häftlings, aller Widerstände spottend, unter seine Herrschaft zwang. ,, Jeder sich selbst der Nächste!" Und: ,, Da sieh Du zu!"
Im KZ begegnete uns der Mensch in seiner brutalen Nacktheit. Alle Masken, Hüllen und Künste der Verstellung verloren ihren Sinn und alle angeklebte, nicht von innen gewachsene Kultur, splitterte wie dürrer Lack unter den Erschütterungen ab, die dieses gefährliche Leben in sich trug. Und da es gegenüber der absoluten Gewalt der SS nur ein stummes Gehorchen gab, brachen die im Einzelnen angestauten Miẞstimmungen und Gereiztheiten, Verbitterung und Haẞ um so hemmungsloser gegenüber dem Mithäftling durch. Die Selbstverständlichkeit und Unbekümmertheit, die Roheit und der Zynismus, mit der sich dieser und jener dem Kameraden gegenüber durchsetzte, war niederschmetternd, und die Gewalt der ausströmenden Bosheit wirkte um so bedrückender, je weniger der Einzelne durch Milieu und Erziehung darauf vorbereitet war.
Wie das Aufkommen und die In- Machtsetzung des nationalsozialistischen Systems letztlich nur im Nichtvorhandensein und in mangelhafter Ausprägung einer dem Wesen des Menschen und seiner höchsten Bestimmung gemäßen Bildung und charakterlichen
20
r


