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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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( 14 000); 1943: 19 000( 40 000); 1944: 25 000( 50 000), und im ersten Vierteljahr 1945: 33 000-35 000 Mann, ¹) Die Mehrzahl versank im normalen Ablauf des Lagerlebens. Gewiß wurden auch Häftlinge ,, fertig gemacht": durch Erhängen, Erschießen, einzeln oder in kleinen Gruppen. Die Betroffenen gingen in der Regel über das ,, KA"( Kommandantur- Arrest), wurden im Lager nur an bestimm­ten Stellen notiert und kamen selten auf den Block.

Mit dem Schutzhaftlager Dachau war ein Straflager der SS verbunden. Strafanstalt und auch wohl Uebergangsetappe zur Exekution. So sahen die zivilen Häftlinge in der Morgenfrühe des öfteren den bekannten Lastwagen mit SS - Todeskandidaten unter Bedeckung zum Schießplatz fahren.

Gaskammern funktionierten in Dachau nicht. Noch nicht! Sie waren in Arbeit. Materialmangel bewirkte eine Stockung. Und als es soweit hätte sein können, ließen die katastrophalen Ereig­nisse an den Fronten die Fertigstellung und Inbetriebsetzung nicht mehr geraten erscheinen.

Erschöpfung und Mangelkrankheiten( Oedeme , Phlegmone, Darmleiden, Hungertyphus, Nieren- und Herzleiden), waren es, die die Häftlinge in den ersten Monaten zu Boden ris­sen. Dem körperlichen Zusammenbruch ging in der Regel ein Und Niederbruch der moralischen Widerstandskräfte voraus. diese wiederum zerstäubten in der Vielfalt der niederdrückenden und erbarmungslosen alltäglichen Dinge, die die Atmosphäre eines KZ ausmachen.

Verfasser dieser Aufzeichnungen hat jahrelang unter Kranken im KZ Dachau gelebt und hat den inneren und äußeren Zusam­menbruch von Tausenden zu beobachten Gelegenheit gehabt. Für die meisten von ihnen hat es einen psychologischen Augen­blick gegeben, wo ihnen ein Trost, eine Ermutigung, eine Stütze und Hilfe Leben und Zukunft hätte retten können. Wurde dieser

1) Von 1933 bis April 1945 haben ca. 228 000 Häftlinge das Dachauer Lager passiert.

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