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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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DACHAU

,, Ein schweizerischer Journalist hat Leute aus der Gegend von Essen- Ruhr darüber ausgefragt, was sie von deutschen Konzen­trationslagern wußten. Hier einige der gegebenen Antworten:

Ein Arbeiter: Greueltaten in den Lagern? Wir waren davon nicht unterrichtet.

Ein anderer Arbeiter: Ich kümmere mich nicht mehr um Politik. Das bringt einem nur Unannehmlichkeiten.

Ein dritter Arbeiter: Greueltaten? Im großen und ganzen Pro­paganda.

Eine junge Lehrerin: Ich war in der Partei bis zu dem Tage, da die SS mich zwangen, in den Dienst der Volksvermehrung inzutreten. Konzentrationslager? Darin waren doch nur Juden, Polen und gemeine Verbrecher aus allen Ländern..."

So eine Zeitungsnotiz im Spätherbst 1945.

Was ist Wahrheit?

Wir wollen sie dem ablesen, was wir im Konzentrationslager zu Dachau zwischen 1941 und 1945 gesehen und erlebt haben.

Wen der Schutzhaftbefehl nach Dachau verschlug, mußte mit dem Letzten rechnen. Nicht so, als ob er damit schon zum sicheren Tod verurteilt war das traf auf nicht wenige zu sondern, weil man da unversehens und leicht zu Tode kommen, in der Lagersprache ,, durch den Kamin gehen" konnte.

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Mit dem Begriff Konzentrationslager verbindet man allgemein Gewalttod und Massenhinrichtungen. Nicht ohne Grund, wie Zeugenaussagen und Berichte übereinstimmend lauten. Indes ist zu unterscheiden:

In Dachau waren es in den Jahren 1941 bis 1945 nicht Massen­executionen, die die Zahl der ,, Abgänge durch Tod" in die Höhe trieben es starb jeder dritte Mann. Dabei zählte das Lager an Häftlingen 1941: 5100( mit Außenkommandos 10 000); 1942: 7000

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