Jahrgang 
1894
Seite
516
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516 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 51.

werden, die Solches und Aehnliches zu bekämpfen als Pflicht ansehen müssen, weil sie doch nur gebildet wurden, um in erster Linie die fachlichen Interessen zu wahren selbstredend nicht anders als reell. Das Bons-Wesen als solches, obwohl vom Schreiber dieses durchaus nicht befürwortet, ist salonfähig gegen genannte Schwindelei.

Leider ist der direct geschädigte Concurrent entweder viel zu verständig, oder es fehlt ihm am Nothwendigen, um einen Process wirksam durchzuführen, um die Sache zu beseitigen; hier können nur geschlossen vorgehende Vereine helfend eingreifen. Ein Glück ist es bei alledem, dass das wirklich gebildete und ver- ständige Publikum beim Anblick des ihm auf Bestellung Gebotenen sehr schnell merkt, woran es ist, aber das grosse Publikum sieht das Gebotene entweder mit notorischem Unverständniss oder sagt sich, weil es billig ist, es genügt auch, sieht aber bei dem pomphaften Auftreten des Schwindlers nicht, dass der bescheidenere Concurrent für gleich billige Preise nicht nur höhere Leistungen, sondern auch haltbarere bietet.

Wie stellt sich aber unsere heutige Technik zur Haltbarkeit? Ich kann nichts Anderes antworten als: genau so wie früher, nur haben wir heute reichhaltigeres Material als sonst. Die Haltbarkeit der Platte, zur Aufnahme zubereitet, lässt höchstens noch bei farbenempfindlichen Platten zu wünschen übrig, sonst als fertige Matrizen sind sie dauerhafter als die mit nassem Verfahren gefertigten, kräftigen auch nicht so nach, blättern auch im Alter nicht ab, wie das die Kollodionplatte sehr gern thut, obwohl der Lack viel Schuld trägt. Doch auch dieser ist heute haltbarer, wenn sein Gehalt an Ricinusöl genügend hoch ist, um später bleibend Geschmeidigkeit garantiren zu können.

Ueber die Haltbarkeit des Papieres kann nur relativ geurtheilt werden: Ist nur ein einziger selbstständig wirkender Factor dabei vertreten, der leicht ver- ànderlich ist, So ist die Haltbarkeit entsprechend fraglich. Hieran knüpfend sei bemerkt, dass die Anilin- oder geheimgehaltene andere Farben, besonders aber erstere, in kurzer Zeit, namentlich im Licht, zu einem schmutzigen Ton umge- andert werden, wie dieses hell abschattirte Bilder auf Salz, Albumin, Celloidin und Aristo(gefärbte Barytschicht) zeigen, wie es hingegen bei voll und be- sonders dunkel copirten Bildern viel weniger auffällt. Was bei Silbercopieen jeg- licher Art, also auch bei Celloidin, Gelatine, Platinoid, Kollod u. dergl., besonders schädlich ist, das ist das unvollständige Fixiren, ähnlich wie bei den Gelatine- negativen; sie werden auch, nicht genügend fixirt, gelb, nicht genügend aus- gewaschen, ausgefressen. Das haltbarste, zugleich auch vornehmste der Positiv- technik liefern von Alters her der Pigmentdruck und der erst in neuerer Zeit allgemeiner angewandte Platindruck. Bei beiden vermeidet man, das Papier als Bildträger extra behufs Schönung zu färben, ja es kann bei Platin unangenehm werden, wenn z. B. zur Bläuung Ultramarin verwendet würde, welches bei der Salzsäurefixage Ursache starken Gelbwerdens ist. Wie man wiederholt in Pro- specten gewisser Kollodionpapierfabriken bemerken konnte, wird dieser Uebel- stand schlechten Rohmaterials bereits zu keineswegs feiner Reclame gegen das Platin- papier benutzt, kanu aber nur dahin führen, dass ultramaringefärbtes Rohpapier für Platin nicht mehr verwendet, am besten nicht mehr fabricirt wird. Es wird stets offene Augen geben, welche nur zum Nutzen und Frommen der Vervollkommnung jeden Versuch, das Beste zum Herausstreichen eines zweifelhaften Surrogates zu discreditiren, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu unterdrücken.

Welchen Werth Platin für Vergrösserungen und Malerei hat, erhellt schon daraus, dass die zur Ausarbeitung nöthigen Farben einer chemischen Beeinflussung nicht ausgesetzt sind und ferner Platinbilder höchstens durchs Alter den bekannten grauen Ton annehmen, hingegen übermalte Silberbilder in kurzer Zeit darüber- liegende Farben durch ihren verhängnissvoll gelben Ton völlig entstellen. Aber nicht nur, dass die Reclame den Platindruck als solchen herabzusetzen sucht, weil sie seine Technik als umständlich, sogar unsicher hinstellt(für den ist er es freilich, der ihn nicht versteht oder auch nicht verstehen will, sonst hat man nur nöthig, an die rechte Schmiede zu gehen, um ihn gründlich mit allen zu hervorragendem Schaffen nothwendigen Kniffen zu lernen), das Lehrgeld macht sich allein schon durch bedeutende Materialersparniss bezahlt, von Erzielung höherer Umsatzbeträge, welche discret schöne Platindrucke erzielen, ganz abgesehen.

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