502 Deutsche Photographen-LZeitung 1894. Nr. 50.
so reich beschickte Concurrenz so durchweg auf einer höchst respectablen Höbe gesehen zu baben. Ich glaube, dass, wenn selbst die ersten drei Viertel noch gefehlt hätten, trotz der durch den Wertb des Preises und die ausdrückliche Bestimmung der Aussebreibung an die Hand gegebenen Strenge des Maass- stabes, doch der Preis hätte vergeben werden können und müssen. Zweifels- ohne an der Spitze steht Emil Obernetter in München, für den nachgerade die Anonymität nur noch der Form nach existirt: er kündigt sich durch seine Mache überall so deutlich an, dass es der Namennennung nicht mehr bedarf: er ist sofort zu erkennen. Seine Bilder stehen in jeder Beziehung wieder ganz auf der Höhe der vor zwei Jahren in Wiesbaden prämiirten, die dann in Wien und Berlin die ungetheilteste Bewunderung fanden. Sie sind von derselben Feinheit in der Auswahl und Begrenzung des Motives, von derselben Geschick- lichkeit in der Staffirung und von derselben erstaunlichen Vollendung des Technischen. Leider musste Obernetter hier ausser Wettbewerb gesetzt werden,
da er die Unvorsichtigkeit begangen hatte, zwei der hier eingesandten Bilder
gleichzeitig auch in Erfurt auszustellen, wo sie bereits an der Belehnung ihres Urhebers mit der silbernen Medaille der dortigen Amateur-Ausstellung theil- genommen haben. Danach treten an die Spitze der Bewerber drei Gruppen von Arbeiten, in denen das Wasser die Hauptrolle spielt. Willy Wilcke in Hamburg bietet durchweg wirkungsvolle Lichtblicke und Stimmungsmomente auf der See; vortrefflich beobachtet und meisterbaft in den glitzernden Effecten behandelt. Wesentlich dasselbe giebt Karl von Zamboni in Wien; theil- weise höchst interessant; aber eine Kleinigkeit minder vollendet in der tech- nischen Behandlung. Eingeschlossenes Wasser mit sehr stimmungsvoller Haltung in Umgebung und Beleuchtung bringt Lorenz Hanssen in Kappel an der Schlei. Ihm würde Heinrich Axtmann in blauen i. V. wohl min- destens gleichsteben, wenn er seine Kraft concentrirt hätte. Er hat unter zwei verschiedenen Kennworten den Wettkampf aufgenommen, hätte aber sicher mehr erreicht, wenn er das Beste aus beiden Gruppen zusammengenommen hätte. Da sind zwei wunderbar feine Winterstücke, ein Rauhfrost namentlich höchst stimmungsvoll in der dunklen Luft. Ich habe diesen charakteristischen Effect eines bleischweren Novemberhimmels über einer leuchtend hellen Schnee- landschaft kaum je so gut behandelt gesehen. In der anderen Gruppe ist besonders ein vignettirter Ausschnitt aus der Natur äusserst reizvoll. Auch Johannes Hofmann in Wyk auf Föhr stützt sich begreiflicherweise wieder auf das Wasser und seine malerischen Wirkungen; leider sind die Bilder etwas stumpf. Wald und Wasser lassen bei Ferdinand Bimpage in Hitz- acker a. E. ein höchst feines Gefühl für Bildmässigkeit und malerischen Reiz erkennen; leider aber wird der gute Eindruck beeinträchtigt durch eine ge- wisse Unsauberkeit der Technik, namentlich in der Flächenbehandluang. Am wenigsten befriedigt wohl Wilhelm Spillner in Hildesheim. noch nicht sich zu begrenzen: auf seinen Bildern ist fast überall ein unruhiges Zuviel; auch fällt eine ungleiche Behandlung auf, namentlich im Hellen, das nieht immer binreichend détaillirt erscheint.
Im Ganzen schen Sie wohl, dass ich Recht hatte, diesen Complex von Landschaftsbildern für eine Zierde unserer Ausstellung zu erklären.
Nunmehr gelange ich zu den in freiem Wettbewerbe ausgestellten Arbeiten
der verschiedenen Richtungen.
lch will gleich mit Demjenigen den Anfang machen, von dem ich schon bei den Stiftungen mit Auszeichnung zu sprechen gehabt habe, und der auch mit einer Anzahl von Landschaftsbildern grösseren Formates unter seinem Namen aufgetreten ist, Emil Obernetter in München. Auch diese Gruppe seiner Leistungen hat leider für das Preisgericht nicht existirt, da auch hier festgestellt werden konnte, dass die Bilder— wenigstens theilweise— bereits anderweit ausgestellt gewesen sind. Das thut natürlich für mich hier ihrem Werthe keinen Abbruch. Möchten sich doch aber die Freunde unserer Aus- stellungen die diesmal gerade ganz besonders häufigen und so zu sagen er- lauchten Fälle zu Herzen nehmen, in denen die Nichtbeachtung unserer Be- stimmungen zu unliebsamen Enttäuschungen geführt hat. Man kann ja vielleicht über die Erspriesslichkeit unserer sehr strengen Vorschriften verschiedener
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