Jahrgang 
1894
Seite
489
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3 Nr. 49.

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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 489

Das musste man allerdings sagen, der Strebling verstand es, sein Geschäft hochzubringen.

Erst vor kurzer Zeit hatte er sich in L. niedergelassen und schon nach wenigen Monaten zählte fast das ganze Städtchen zu seinen Kunden. Vergebens liess sich Herr Würdig ebensolehe Schaukasten machen, wie sie sein Concurrent besass, ver- gebens liess er sich zur Decorirung derselben Portraits aus der Hauptstadt kommen es half Alles nichts. Die Honorationen des Städtchens gingen nach wie vor zu seinem Concurrenten. Nun, Herr Würdig konnte den Ausfall an der Einnahme wenigstens verschmerzen, er war, wie man zu sagen pflegt,»ein gemachter Mann und solche Mittel, wie sie sein Concurrent anwandte um sich Kunden zu verschaffen, hatte er nicht nöthig zu gebrauchen. 1

Das Städtchen L. konnte nämlich ein ziemlich ausgedehntes Vereinsleben auf- weisen. Es bestanden allda Kegel-, Rauch-, Gesang-, Turn-, Skat-, Theater-, Ruder- Radfahrer-, Feuerwehr-, Wohlthätigkeits-, und der Himmel weiss, was noch für Vereine. In den meisten Vereinen hatte sich nun Strebling als Mitglied aufnehmen lassen und demzufolge verstanden, sich eine ziemlich ausgedehnte Kundschaft zu erwerben. Bald galt es in dem YVerein für internationale Kaninchen-Mast einige Prachtexemplare dieser Gattung von nützlichen Hausthieren aufzunehmen, bald musste die Lichtbildkunst herhalten, um das Bild eines ganz besonders hervorragenden Mitgliedes des Vereins für rationelle Rindviehzucht zu verewigen.

Daran dachte Herr Würdig gerade, als er jetzt am Fenster stehend sah, wie sich die Leute vor dem Schaukasten seines Concurrenten drängten. Da fuhr ihm plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. Wie würe es, wenn er einmal seine Collegen, das ganze Stadtverodneten-Collegium, zu einem Weihnachtsschmaus mit obligater Gruppenaufnahme zu sich einladen würde! Das zog gewiss. Also gleich ans Werk.

Herr Würdig schrieb Einladungen zu einem gemüthlichen Zusammensein mit verschiedenen Ueberraschungen, Gruppenaufnahme bei Bitzlicht etc. zum ersten Weihnachtsfeiertag. Noch war er nicht damit fertig, als die Klingel aus dem Atelier ertönte.

Hm, gerade jetzt; nun das Geschäft geht vor. Eilig verliess Herr Würdig sein Zimmer, und ging nach dem Atelier, wo schon die Frau Bürgermeisterin

seiner wartete, um sich photographiren zu lassen.

Die Aufnahme war bald gemacht und zu Würdigs Zufriedenheit ausgefallen. Die Frau Bürgermeisterin war schon im Begriff zu gehen, als sie sich noch ein- mal umwandte:

Ach was ich noch sagen wollte, Herr Würdig. Ist es denn wahr, was man sich in unserer Stadt erzählt, Ihre Tochter hat eine Liaison mit dem Photographen Strebling, Ihrem Concurrenten? 1

Herr Würdig wurde dunkelroth vor Zorn. Wohl war ihm die Sache nicht unbekannt und zu Anfang, als Strebling ihm noch nicht Concurrenz machte, hatte er ja nichts Wesentliches dagegen einzuwenden gehabt. Jetzt war das natürlich anders geworden.

Aber ich bitte Sie, Frau Bürgermeisterin; keine Ahnung davon. Das wäre ja noch schöner. Ich möchte nur wissen, wer das dumme Geschwätz wieder auf- gebracht hat, brachte er mühsam heraus. 1

Nun dann wäre es gut, lieber Herr Würdig, Nenn Sie das Gerede so viel wie möglich unterdrücken könnten. Na, und im Uebrigen, fuhr sie fort,machen Kie mir die Bilder recht schön; wissen Sie, namentlich muss die Broche zur Geltung kommen, und die Falten hier etwas wegbringen, nicht wahr? 1

Verlassen Sie sich darauf, es soll Alles nach Wunsch geschehen, entgegnete Würdig, der vor Ungeduld brannte den Besuch los zu werden..

Kaum war denn die Frau Bürgermeisterin fort, als er auf sein Zimmer eilte. Sollte er mit seiner Tochter reden? Nein, es war besser, er schrieb Herrn Strebling einen geharnischten Brief, in dem er ihm den Standpunkt gehörig klar Maehte. Auch das war bald geschehen. Nun handelt es sich blos noch darum, den Herrn Windig, den Maler, besonders einzuladen. Derselbe konnte zwar nicht zu den Honorationen des Städtchens gerechnet werden, aber er verstand es doch ganz gut, eine Gesell schaft zu unterhalten und ausserdem machte Windig der Tochter des Herrn Würd ig gewaltig den Hof und das war gerade jetzt geeignet, alle bösen Gerücnte 2u zau⸗ stören. Allerdings hatte Windig viel Schulden und zog seine Gläubiger an der