Jahrgang 
1894
Seite
482
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482 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 49.

Vorsitzender:Es ist lediglich das Gefühl der Schonung einer Gegen- partei bei uns maassgebend gewesen. Wenn die Discussion beliebt wird, wir geben gern diesem Wunsche nach; wir haben nichts zu befürchten.

Herr Professor Dr. Bruno Meyer:Da jetzt wieder das WortSchonung ausgesprochen wird, so muss ich noch einmal betonen: Schonung in diesen Dingen kenne ich nicht. Wir haben für unseren Verein und die Sache der Photographie zu sorgen. Weiteres kümmert uns nicht. Der Vorstand, indem er uns auffordert, ohne Umschweife die Congress-Angelegenbeit von uns zu weisen, steht dabei in sebr verständlicher Erregung unter dem Einflusse der Absage, die ihm der Frankfurter Vorstand hat zugehen lassen. Es ist diese Absage ein Vorgehen, das ich überhaupt nicht mit einem parlamentarischen Ausdrucke bezeichnen kann. Ieh nagele es hiermit fest, dass der Frankfurter Vorstand die Verhandlungen abbrechen zu können geglaubt hat, weil ihm das Eine oder Andere in dem Auftreten unseres Vorstandes nicht genehm gewesen ist, und dass er es abgesagt hat, mitder gegenwärtigen Leitung des D. Phot.-V. weiter zu verkehren. Ich darf das als einen ganz unerhörten Vorgang be- zeichnen, schon deshalb, weil die Herren mir verpflichtet erscheinen, wenn sie mit uns sich über gemeinsame Thaätigkeit verständigen wollen, diejenigen Per- sonen als Vermittler anzunehmen, die wir mit unserem Vertrauen beebren. Sonst schlagen sie uns ins Gesicht. Die Herren mussten zudem aus unseren, ihnen wobhlbekannten Satzungen wissen, dass nur der Wanderversammlung ein endgiltiges Wort in so wichtigen Dingen zusteht. Was der Vorstand bis jetzt gemacht hat, sind Vorbereitungen für unsere Entseblüsse an dieser Stelle. Ich. würde Ihnen rathen, wenn ich nur im Augenblicke die geeignete Form dafür zu finden wüsste, die Unterhandlungen wieder anzuknüpfen. Ich wäre neu- gierig, das Gesicht der Frankfurter Herren bei solcher Veranlassung zu sehen, und ich sähe sie gern auf die Probe gestellt, ob sie wohl den Muth haben würden, uns abzuweisen, wenn wir jetzt trotz Allem doch noch kämen.

lch habe mein Herz erleichtert, und ich mõchte mit dem Wunsche schliessen, dass durch die Aeusserungen der nachfolgenden Redner, bezw. die ausdrück- liche Beschlussfassung der Wanderversammlung diese Auffassung in prägnanter Form in dem Protokoll unserer Verhandlungen in die Erscheinung träte.

Herr Director Schultz-Hencke:Nachdem der Herr Vorsitzende in für mich erfreulicher Weise erklàrt bat, dass der Vorstand seinen Antrag auf Unter- assung der Discussion ev. zurückzuzieben gewillt ist, nehme ich meinen Autrag, eine Discussion über diesen Antrag hier statthaben zu lassen, noch einmal auf.

Herr Fr. Herber:lch glaube, meine Herren, wenn die Herren, die eben gegen die Discussion gestimmt haben, gewusst hätten, wie der Antrag des Herrn Director Schultz-Hencke gemeint war, und dass derselbe nicht gegen unseren Vorstand gerichtet war, dass dann die Herren nicht gegen die Dis- cussion gestimmt hätten. Ich bitte deshalb, dass wir in die Discussion wieder eintreten.

Die Abstimmung, die vom Vorsitzenden über diese Frage aufs Neue vor- genommen wird, ergiebt nunmehr Annahme der Discussion.

Herr Director Schultz-Hencke:Aus der eben stattgehabten Ab- stimmung wird wohl der Vorstand ersehen haben, wie der Wunsch nach Auf-

klärung hier in der Versammlung vorberrscht und er wird einsehen, dass er

mit dem AntragUnterdrückung der Discussion einen kleinen Fehler gemacht hat. Die Discussion wünschte ich speciell, um hier meinem Bedauern Aus- druck zu geben, dass die Sache in der Weise, wie sie jetzt steht, verlaufen ist. Ich muss eine gewisse Berechtigung anerkennen, dass der Vorstand zu einem ablehnenden Beschlusse gekommen ist. Ich entsinne mich der Einladung des Frankfurter Vereins, welche auch nach Berlin kam; sie wurde in einer dortigen Vorstands-Sitzung berathen. Da wandte ich mich gegen diesen Antrag des Frankfurter Vereins, nicht in der Sache selbst, sondern nur in formaler Be- ziehung. Ich wandte dagegen ein, dass der Frankfurter Photographen-Verein dadurch einen Fehler gemacht habe, dass er sich nicht zuerst mit den anderen Vereinen in Verbindung gesetzt habe, in freundschaftlicher Weise gesagt habe: Wir wollen das und das machen; wollt Ihr mit uns zusammengehen? Wir wollen uns dann als photographische Vereine an die deutsche Photographen-

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