Jahrgang 
1894
Seite
474
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474 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 48.

Stellen zu regen begonnen, und es sind Anstrengungen gemacht worden, es den Amerikanern nachzuthun. Verschiedene deutsche Firmen haben die für hiesige Verhältnisse ungeheuren Kosten nicht gescheut, das für IIlustrations- druck dort gebräuchliche Papier ein beiderseitsgestrichenes aus Amerika kommen zu lassen. So ist z. B. das Musterbuch der Schriftgiesserei von Schelter& Giesecke in Leipzig auf amerikanischem Papiere gedruckt. Ich selbst habe mir Mühe gegeben, gleichwerthiges Papier in Deutschland aufzu- treiben, und es gelang mir vor einiger Zeit, eine grosse Fabrik im Elsass zu Versuchen zu veranlassen; leider mit dem Erfolge, dass sie nach einigen Monaten, nachdem sie 20000 Mk. verpulvert hatte, sich zu der Erklärung bequemen musste, dass sie es nicht machen könne. In Amerika aber werden alle einigermaassen anspruchsvollen Werke und Zeitschriften, die IIlustrationen enthalten, auf derartigem Papiere gedruckt. Es wirft ein ganz interessantes Streiflicht auf den bei uns oft mit mehr Brustton als Sachkenntniss behandelten Amerikanismus, dass man es mit dem dortigenGeschäftsgeiste zu ver- einigen versteht, auch für Künstlerisches diejenigen Mittel bereit zu stellen, die dazu erforderlich sind, es vollendet in die Erscheinung treten zu lassen. Das ist jedenfalls mehrCultur als unser System, Ersparnisse auf Kosten der Culturforderungen zu machen. Schliesslich rechnet der Amerikaner auch praktisch am richtigsten. Denn einHiesiger, der allgemein zu den Hell- sichtigen gerechnet wird, hat es sehr einleuchtend, aber wohl nicht gerade auf deutsche Beobachtungen gestützt, ausgesprochen:

Es ist vortheilhaft, den Genius

Bewirthen; giebst du ihm ein Gastgeschenk, So lässt er dir ein Schöneres zurück.

Doch zurück zu unserer Aussellung!

Viele Jahre besteht bereits unsere Vereins-Ausschreibung für ein neues Schnellcopirverfahren, ohne dass eine Bewerbung eingelaufen wäre. Endlich diesmal hat sich Jemand gemeldet, der den ausgeschriebenen Preis umwirbt: Ottomar Dambacher in Karlsruhe; wir wissen freilich im Augenblicke noch nicht, mit welchem Erfolge. Denn es ist selbstverständlich unmöglich und auch durch die Bedingungen der Ausschreibung ausgeschlossen, nach dem Wenigen, was an Beschreibung uud Proben vorliegt, zu urtheilen. Sie haben in der Sitzung gehört, dass die Sache vorliegt, und es ist den geltenden Bestimmungen entsprechend eine Commission eingesetzt, die sie zu prüfen haben wird. Wir müssen abwarten, was die über das Verfahren urtheilen wird; und Sie werden das Ergebniss ja seiner Zeit auf den geordneten Wegen erfahren*). Die vorgelegten Proben will ich daher auch gar nicht näher würdigen: sie fallen ja vollständig unter das früher über solche Gesagte. Es kommt darauf an, was ein fähiger Unbetheiligter, der sich sachgemässe Mühe giebt, aus dem Verfahren herausbringt, und was er über die Bequemlichkeit und Zuverlässig- keit desselben in Erfabrung bringt. Damit wollen wir uns vorläufig bescheiden.

Am Schlusse dieser technischen Abtheilung unserer Ausstellung haben wir noch die Giessmaschine für Celloidinpapier von Karl Zink in Gotha zu be trachten. Dieselbe liefert das Papier von der Rolle in Abschnitten von ca. 6 m, ist also nicht für grossen Fabrikationsbetrieb berechnet, sondern für den

Gebrauch einzelner Ateliers bestimmt, die mit ihrem Papier unabhängig sein

wollen. Es ist uns vorber**) gezeigt worden, wie wichtig es ist, dass der einzelne Photograph in der Lage ist, sein Papier zu bereiten, da er es 8so passend für seine Negative abzustimmen vermag. Wir haben aber auch, wenn wir es nicht schon aus eigener Erfahrung wussten, anschaulich zu sehen be- kommen, dass diese Bereitung eine recht kniffliche und zeitraubende Technik ist. Auf der anderen Seite wissen Sie Alle, dass die bisher zum Ueberziehen des Papieres mit Kollodion-Emulsion benutzten Maschinen, die ja anerkannt Vorzügliches leisten, so theuer sind, dass sie selbstverständlich nur für Fabri- kationsbetriebe zugänglich sind. Auch beanspruchen sie zur Aufstellung und

*) Das ist inzwischen in Nr. 41 der Deutschen Phot.-Ztg. geschehen; leider mit dem fast vorauszusehenden allernegativsten Ergebnisse.

**) Es war der Vortrag von Herren L. Belitski-Nordhausen über Celloidinpapier- Bereitung vorangegangen.

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