Jahrgang 
1894
Seite
460
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 1.

dem Rande des Bildes bin jeder Objectpunkt in 2 Linien aufgelöst wird, welche Eigenschaft man mit dem NamenAstigmatismus(Punktlosigkeit) bezeichnet. Unser neuer Typus zeigt nun diese schlimme Eigenschaft gar nicht. vielmehr bewirkt er eine Abbildung, wie sie der rein geometrischen(collinearen) am nächsten entspricht, wir haben darum das neue Objectiv

Collinear: genannt..

Aus den vorliegenden Probebildern werden Sie sich von der Tragweite des Gesagten am besten überzeugen. Es sind Aufnahmen mit denselben Breun- weiten(15 cm) der verschiedenen Typen: Anastigmat. Doppel-Anastigmat und Collinear. Erstere beiden liefern bei Blende f/12,5 bezw. f7,7 ein Gesichts- feld von 740 67⁰° angenähert anastigmatisch geebuet, während das neue Collinear bei f7,5 bis zu einem Winkel von 85° ein absolut anastigmatisches, ebenes Bildfeld liefert. Das Gesichtsfeld des letzteren ist sogar noch grösser, es geht bis 90°. Einige Gruppenaufnahmen, unter einem ausserordentlich grossen Gesichtsfeldwinkel aufgenommen, zeigen die Anwendbarkeit des neuen Objectivs für die beschränktesten Distancen.

Sie ersehen auch aus den Bildern nicht nur, dass die Schärfe bis zum Rande dieselbe bleibt, sondern auch, dass die Lichtabnahme dahin eine äusserst geringe ist, sodass das Objectiv für weitwinklige Momentaufnahmen bei grösster Blende den böchsten Ansprüchen entsprechend scheint.

Auch über das Technische seien hier einige Worte gesagt. Die Glasarten sind in dem Collinear die haltbarsten, die es giebt, es ist darip an keiner Stelle ein Glas gebraucht, welches an der Luft anläuft, oder gar hygro- skopisch ist. Dass das Objectiv symmetrisch ist, also jede Hälfte als voll- kommene Landschaftslinse von doppelter Brennweite verwendbar ist, ist aus dem Vorstehenden klar. Als zufällige Eigenschaft des Collinears möchte ich hervorheben, dass es für drei Farben corrigirt ist, also kein secundäres Spectrum aufweist, was für manche Zwecke der Photographie von Wichtig- keit sein dürfte.

Meine Herren! Ich boffe, Sie werden aus dem Gesagten die Ueberzeugung gewonnen haben, dass die photographische Optik hier wiederum einen wesent- lichen Fortschritt gemacht, insofern als in einem lichtstarken Objective vom Oeffnungsverhältniss f: 6.3 bei absolut ebenem, anastigmatischem Bilde ein Bildwinkel von über 85°wie bei den specifischen Weitwinkeln erreicht ist, dass durch diese neue Construction das Ideal des Universal-Objectives, das Lichtstärke mit grossem Winkel verbreitet, so zu sagen geschaffen ist.

Vors.:Ich danke Herrn Dr. Kämpfer für die erfreulichen Mittheilungen, die er uns gemacht hat.

Herr Goerz:Nach den Vorgängen, die uns Herr Dr. Kämpfer mittheilt, scheint allerdings eine ganz bemerkenswerthe Leistung vorzuliegen. Ich hätte nun gern gesehen, wenn einige Constructionsbedingungen näher beschrieben würden. Zur Vorlage selbst möchte ich bémerken. dass allerdings die An- gabe des Herrn Dr. Kämpfer, dass der Anastigmatismus bei 85°noch auf- gehoben ist, nicht ganz zutreffend zu sein scheint.

Im Uebrigen freut es mich, dass eine deutsche Firma wiederum dazu bei- getragen hat, die Optik auf die Höhe zu bringen.

Dr. Kämpfer:lch danke Herrn Goerz für die Worte, die er uns ge- widmet hat und möchte gern seinen Wunsch erfüllen. Ich brauche nur zu er- wähneu, dass die eine Brechung im vorliegenden Objectiv zwischen positiven Liusen geschieht und dass demzufolge das Glas vom niedrigsten Index in der Mitte der drei verkitteten Linsen liegt.

Des Weiteren möchte ich bei dieser Gelegenheit bemerken, dass wir in Deutschland so ungemein von billigen optischen Waaren aus Paris über- schwemmt werden. Paris ist die optischeste Stadt der Welt, in Paris giebt es so viel Optiker, wie in der ganzen übrigen Welt zusammen nicht einmal. Sie machen ganz gute Brillen etc., aber nicht ganz gute Objective; es giebt einige, die brauchbare, aber viele, die ungemein schlechte Sachen machen, die nur durch ihre Billigkeit ans Tageslicht gelangen. Da bin ich nun der Ansicht, dass wir Alles versuchen müssen, diese schlechten Fabrikate auszumerzen. In

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