Jahrgang 
1894
Seite
450
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450 Deutsche Photographen-LZeitung 1894. Nr. 46.

denkbar. Wenn die schnörkelhaften Zierformen des Rococo eine Oeffnung umgeben, dann müssen sie diese Oeffnung durch ihr Zusammentreten ent- stehen lassen, nicht aber den Gedanken an eine massive Mauer erregen, welche entlang ibren Umfassungslinien durchschnitten wäre. Das Rococo hat niemals gewagt, Thüren und Fenster mit seinen Rahmenformen zu bilden; so wenig wie es ihm in den Sinn gekommen ist, seine eigenwilligen Schweifungen beim Aufbau überhaupt zur Geltung zu bringen; es hat niemals die An- maassung gehabt, mehr zu sein oder auch nur zu scheinen als ein Zierstil. Dem widerspricht es 8o vollkommen wie möglich, wenn wir hier Rococo- Rahmenwerk mit schweren Facetten belastet finden: eine abzuschrägende dicke Masse binter diesen Schnörkeln ist eine fremdartige, störende Vorstellung. Das coquette Abspringen der Bewegung können wohl Schnörkel, aber nicht nach einem steifen Gesetze wie glatte, in einem bestimmten Winkel ab- fallende Facetten gebildete Formen mitmachen. Das ist ungefähr, wie wenn ein Bär Walzer tanzt: er bewegt sich freilich; aber fragt mich nur nicht, wie! Vor solchen Stilwidrigkeiten muss sich eiue kunstgewerbliche Technik auf das Peinlichste hüten.

Ungleich dankenswerther ist eine Neuerung, die Franz Wolft in Pforz- heim vorgelegt: die Uebertragung einer bekannten Technik, der sehr beliebten Zusammenstellung von geschmiedetem Eisen mit blankem Kupfer, die in der Herstellung verschiedenen Hausrathes längst eine grosse Rolle spielt, auf Photographie-Rahmen. Den vorliegenden Mustern ist Geschmack und Geschick nicht abzusprechen, und so dürften sich diese Rahmen wohl ohne grosse Schwierigkeit einführen, was ihnen und dem photographischen Geschäfte sicher zu wünschen wäre. Bei dem Heissbunger nach Neuerungen, der überall auch in der Photographie berrscht, muss man es mit Freude begrüssen, wenn etwas Neues auftaucht, dem man ohne Zurückhaltung das Zeugniss ausstellen kann, dass es auch gut ist.

Dasselbe gilt auch bezüglich einer anmuthigen kleinen Neuerung, welohe Brandt& Wilde Nachfolger in Berlin neben den bereits bekannten, der einseitigen Bedeckung mit eiunem Seidenpapier-Blatte jedenfalls vorzuziehenden Seidenpapier-Enveloppes in ihren gesetzlich geschütztenStänder-Enveloppes zur Ausicht bringen. Dieselben dienen zugleich als Verpackung zur Ab- lieferung von Photographieen aller üblichen Formate und können von dem Empfänger aueh als Bildständer benutzt werden, wo dann das Bild durch einen geschmackvollen Ausschnitt auf der einen Seite heraussieht, während auf der anderen der Verschlussriegel als Stütze dient. Das ist entschieden brauchbar und wird vom Publikum als eine schätzenswerthe Zugabe zu den Photographieen von einiger Dauer freundlich anerkannt werden.

Ein kleiner Apparat, der sich vielleicht in Schaufenstern und-Kästen nützlich machen kann, ist von R. Blänsdorf Nachfolger in Frankfurt a. M. ausgestellt. Es ist ein Schauständer für Photographieen mit einem Uhrwerke, das 12 Stunden läuft und einen senkrechten Stift in ahgemessenen Zeiträumen immer eine halbe Umdrehung machen lässt. Wenn man also diesen Stift zwei mit den Rückseiten gegeneinander gestellte Photographieen tragen lässt, so werden diese abwechselnd nach vorn und dem Beschauer zur Ansicht gebracht. So kann also wesentlich derselbe Raum zur Aufstellung der doppelten Anzahl von Bildern dienen. Dazu aber kommt noch die Erregung der Aufmerksamkeit durch die Bewegungen. Denn es ist genügend zu beobachten, wie das werth- geschätzte Publikum nach Allem, was sich regt, die Augen wendet. Weiss man es doch von sich selbst: so genau man die Ueberraschungen kennt, die einem z. B. durch die an die Schaufensterscheiben klopfenden elektrischen Läutewerke in Aussicht gestellt werden, kann man sich doch nicht entbrechen, im Vorbeigehen die Augen zur Seite zu wenden. Da es vom Standpunkte des Schaufenster-Inhabers aber auf diesen Effect gerade abgesehen ist, kann ihm ein so zweckentsprechendes Werkzeug nur willkommen sein. Ieh möchte bei- läufig darauf hinweisen, dass bei schmalen Formaten die Wirksamkeit des Apparates vielleicht noch gesteigert werden könnte, wenn vier Bilder im Quadrat aufgestellt würden, die sich je bei einer Vierteldrehung abwechselten. Ein anderer Ausstellungsgegenstand desselben Ausstellers entzieht sich der

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