Jahrgang 
1894
Seite
444
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 46.

war, in der hier erwünschten Schnelligkeit eine Kundgebung seines Vorstandes zu Wege zu bringen, den Vorstand für die Mittheilungen in seinem Organe verantwortlich zu machen. Der Bericht rührt von mir als Delegirten und Herausgeber meiner Zeitung her, und ich habe wirklich nicht für erforderlich gehalten, einem Verkennen dieses handgreiflich klaren Sachverhalts durch ausdrückliche Namensunterschrift vorzubeugen. Jedenfalls trete ich für den Bericht ein, und ich verlange und dulde keines Anderen Verantwortung für denselben.....

Bei so bewandter Sachlage und der merkwürdigen Eigenart des Schriftstückes möchte es am einfachsten und nachdrücklichsten erscheinen, wenn ich zu der Entschliessung ge- langte, Ihnen das Schreiben urschriftlich ohne Weiteres zurückzureichen. Doch ist Dasselbe durch den Abdruck in der jüngsten Nummer derChronik bereits öffentlich bekannt ge- worden, und ausserdem glaube ich mir ein Eingehen auf die Einzelheiten nicht erlassen zu dürfen, da Dieses jedenfalls zur Klärung beitragen wird. Also zur Sache selbst! Seit 20 Jahren bin ich in stets wachsendem Maasse daran gewönnt, in meiner Hand alle Mit- theilungen von Interesse aus dem inneren Leben der Vereine und aus dem ganzen Gebiete der Photopraphie zusammenfliessen zu sehen, und fühle mich daher durch die Aufmerksamkeit des verehrlichen Vorstandes, mir diese seine Mittheilungen direct und zwar vor Erscheinen des officiellen Sitzungsberichtes zur Verfügung zu stellen, auf das Angenehmste berührt und verbunden. Aus der mir dadurch eingeräumten centralen, um nicht zu sagen autoritativen Stellung gestatte ich mir aber die Berechtigung, ja fast die Aufforderung zu einer antwortlichen Meinungsäusserung abzuleiten.

Es freut mich aufrichtig, dass das Gefühl und Bewusstsein der in Frankfurt neu und fest begründeten Einigkeit und Solidarität der deutschen Photographen und ihrer Vereinigungen in dem Photographischen Vereine zu Berlin so gründlich Wurzel geschlagen hat, dass er sich berechtigt und verpflichtet fühlt, einen Meinungsaustausch zwischen den Vereinen und Organen über bemerkenswerthe Vorkommnisse in denselben herüber und hinüber als Noth- wendigkeit zu empfinden und anzufangen. Es wäre mir aber sehr schätzbar zu erfahren, ob der Photographische Verein zu Berlin sein neu erfasstes Censoramt unparteiisch nach allen Seiten auszuüben gedenkt, beziehungsweise begonnen hat, oder ob und aus welchem Grunde er die Deutsche Photographen-Zeitung mit seiner Fürsorge bevorzugt. Wenn ich nämlich die bisher erschienenen Congressberichte in den hauptsächlichen fünf Fachzeitschriften deutscher Zunge vergleiche, so finde ich, dass zwei derselben, der in Ihrem geschätzten Organ und der imPhotographischen Wochenblatt, schwerlich irgendwie Anstoss erregt haben können. Es wird Ihrem Feingefühl aber hoffentlich nicht entgangen sein, dass das Gleiche sich weder von dem Berichte in denPhotographischen Mittheilungen noch von demjenigen in derPhotographischen Correspondenz sagen lässt, und vergleiche ich nun diese beiden mit dem meinigen, so kann ich nicht umhin, ein wenig die Haltung des Pharisäers anzu- nehmen und zu sprechen:Herr Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie diese da!

Denn was haben Sie mir vorzuwerfen? Enthält mein Bericht mit Ausnahme allen- falls des einen Wortesdurchweg, welches, wie ich nach Durchsicht des Stenogramms bereitwillig zugebe, im Wortlaute eine Spur übertreibt, an der Sachlage aber nichts Wesentliches ändert und nur meinen Eindruck von der betreffenden Rede getreu wieder- spiegelt, eine einzige Stelle, die der Wahrheit nicht auf das Peinlichste entspricht? Enthält er ein einziges Wort, das irgend einer Person unehrenhafte Gesinnung nachsagt, oder unlautere Motive unterschiebt? Ich möchte den sehen, der mir etwas Derartiges nach- sagen könnte; und nur das wäre vorwurfsvoll.

Der in einer Anmerkung zu Ihrem Sitzungsberichte in derPhotographischen Chronik enthaltene Vorwurf gegen meinen Congress-Bericht beruht auf einer Begriffsverwirrung. Ich habe nicht derRedaction der Redner betreffs des Wortlautes ihrer Reden vorgegriffen, sondern ich habe lediglich über einen Vorfall auf dem Congress berichtet, über welchen keine Redaction der Redner Macht hat.

Was aber thun dieMittheilungen?

. Sie wollen ihre Leser glauben machen, dass der Deutsche Photographen-Verein den Widersinn begangen habe,Delegirte in den Congress zu wählen, die bis dahin Gegner der Congress-Idee waren, was weder ursprünglich bei mir*), noch jemals im allergeringsten

.») Als Beleg hierfür diene der nachfolgende Brief, dessen Datum ich zu berück-

sichtigen bitte. Weimar, 15. Januar 1894. An den Vorstand desVereins zur Pflege der Photographie und verwandter Künste zu Händen des Herrn Th. Haake 3. Frankfurt a. M.

hre w. Zuschrift vom 9. d. M. habe ich mit Dank entgegengenommen und freue mich, dass die Anregungen, welche ich im Juni und September des vorigen Jahres Ihrem Herrn Vorstand, dem Herrn Hofphotograph T. H. Voigt in Homburg, mündlich gemacht habe, auf so fruchtbaren Boden gefallen sind. Ich bedauere nur das Eine, dass in Ihrem Rund- schreiben an die Vereine dieses Vorfalles keine Erwähnung gethan wurde, doch dürfte das ja unwesentlich erscheinen. Ihre werthe Zuschrift werde ich dem Vorstande unseres Vereines bei seiner demnächstigen Vorstands-Sitzung vorlegen, doch glaube ich, dass das Jahr 1895 wohl zu früh für diese Sache sein dürfte. Meiner unmaassgeblichen Ansicht nach wäre wohl 1898 ein geeigneterer Zeitpunkt. Nicht nur die Vorbereitungen habe ich hier im Auge, sondern auch namentlich die verschiedenen Ausstellungen, die um diese Zeit statt- finden: denn in diesem Jahre ist die Ausstellung des Deutschen Photographen-Vereins in Frankfurt, und da würde es doch nicht gut angebracht sein, das Jahr darauf wieder eine Ausstellung, die ja den Deutschen Photographen-Verein vor allen Anderen interessirt,

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