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Nr. 45. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 433
redend ist, von einem Theile derselben, nämlich der photographischen Fach- presse, welche leider auch vielfach unlauteren Wettbewerb ausübt. Dieser tritt jn verschiedener Weise zu Tage. Nicht nur dass sich Zeitschriften dazu her- geben, gegen das Versprechen der Zuwendung von Anzeigen ihren Lesern, den Fachphotographen, redactionelle Empfehlungen im Interesse der Fabrikanten zu geben und dadurch beide Theile, sowohl die reelleren Fabrikanten, als wie die der Zeitschrift vertrauenden Abonnenten zu schädigen, scheint es auch in
vielen Fällen eine Haupteigenschaft namentlich neu gegründeter Zeitschriften
zu sein, dass sie durch falsche Angaben in Betreff der Höhe ihrer Auflage nicht nur die Concurrenz-Unternehmungen benachtheiligen, sondern auch den Iuserenten eine bedeutend grössere Vorstellung von der eigenen Verbreitung beizubringen suchen. Und wie oft werden den Redactionen auch unserer Fach- zeitschriften Berichte über Artikel eingesandt, die anscheinend ganz objectiv sind und leider nur zu dem Zwecke abgefasst sind, der Reclame für ein be- stimmtes Fabrikat zu dienen. Nicht genug, dass die Verleger so schwach sind, bei Aufforderungen zu Empfehlungen und gleichzeitiger Inaussichtstellung von Anzeigen ohne Weiteres den Wünschen nachzukommen; nein, es werden sogar direct von den Verlegern den betreffenden Inserenten Versprechungen gemacht, wonach bei Aufgabe von Anzeigen ihnen eine redactionelle Erwähnung, natürlich im günstigsten Sinne, sicher ist— ein Zeichen, dass der betr. Re- dacteur diese unlauteren Manipulationen nicht nur billigt, sondern sogar an- bietet. Wer sich zu solchen Sachen hergiebt, setzt sie natürlich auch bei An- deren voraus; ist uns doch von Seiten einer Zeitschrift öffentlich ein solcher Vorwurf gemacht worden, weil die betr. Zeitschrift annahm, die Aufnahme eines Artikels sei nur deshalb erfolgt, um Anzeigen des betreffenden Fabri- kanten zu erhalten. Und dabei handelte es sich lediglich um die Beschreibung einer Neuheit resp. um Aufstellung einer neuen Theorie, deren Bestehen durch die Eigenschaften des betreffenden Fabrikates erhärtet werden sollte! Solche Beschreibungen von Neuheiten kann man natürlich nicht mit reclamebaften Anpreisungen verwechseln.
Dabei wollen wir auch die Preisverhältnisse bei Anzeigen kurz berühren. Wie oft erhalten wir von Inserenten Anfragen des Inbalts: Wir beabsich- tigen bei Ihnen eine Anzeige aufzugeben und bitten Sie um Mittheilung, welchen Rabatt Sie uns gewähren.— Bei Mittheilung der Preise und Rabatt- sätze, die, wie ja wohl unseren Lesern bekannt ist, Jedem, mõge er der Leitung nah oder fern stehen, gleichmässig angesonnen werden, erscheint dann bäufig die Antwort: Wenn Sie mir 50 Procent Rabatt auf Ihre Preise gewähren, sind wir zur Aufgabe von Anzeigen bereit— und dann werden andere Zeitschriften genannt und oft auch Originalrechnungen als Beweis- mittel eingeschickt, die darthun, dass dergleichen Rabattverhältnisse gang und gäbe sind, ohne dass es auch für nöthig gehalten wird, nur irgend einen Grund dafür anzugeben. Vernünftigerweise giebt man doch nicht einen Rabatt als Belohnung dafür, dass Jemand überhaupt Anzeigen einschickt, sondern man hat bestimmte Sätze, auf welche man entsprechende Preis- ermässigungen dann stattfinden lässt, wenn Wiederholungen der Anzeigen eintreten, oder wenn der Betreffende als Mitglied eines Vereines direct oder indirect an der Zeitschrift interessirt ist. Eine andere Gewährung des Ra- battes scheint uns nicht am Platze zu sein. Man sollte da doch lieber die Preise für Anzeigen erniedrigen und bei Dem, was einmal als Preis an- gegeben wird, auch bleiben.— Es sind das recht traurige Mittel, um sich Abonnenten und Inserenten zu verschaffen, umso trauriger, als es auch Re- dacteure und Vorstände von photographischen Fachvereinen giebt, die in dieser Beziehung ihren Zeitschriften in die Hand arbeiten, sei es durch directe Empfehlungen, Inaussichtstellen von Geschäften und andere persönliche Ein- wirkungen. Wir möchten doch wünschen, dass auch die photographische Fach- presse in dieser Beziehung sich rein halte, denn das gerade in den Fach- zeitungen so vielfach als wünschenswerth gepriesene Standesbewusstsein wird durch solche Mittelchen wahrlich nicht erhöht!


