Jahrgang 
1894
Seite
425
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Nr. 44. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 425

im Allgemeinen zu Gesichtspunkten zu gelangen, welche unser Urtheil zu einem möglichst einleuchtend begründeten und unsere Anschauung zu einer möglichst lehrreichen für die Zukunft zu machen geeignet sind. Wir werden darauf gefasst sein müssen, dass uns hierbei der Umstand zum Nachtheil ge- reicht, dass wir bereits einmal zu ähnlichem Zwecke uns zu einer nachdenkenden Betrachtung vereinigt haben. Es werden dadurch Wiederholungen nicht ganz zu vermeiden sein. Andererseits wird Manches, was uns im Vorjahre lebhaft anzog, als endgiltig für den Rahmen unserer Betrachtungen an dieser Stelle abgethan gelten müssen. Wenn wir hinzunehmen, dass die diesmalige Ausstellung wohl um ein Weniges hinter der vorjährigen an Mannichfaltigkeit und Gehalt zurückzustehen scheint denn die Ausstellung ist nicht gerade überreichlich beschickt, und manches an sich Bemerkenswerthe ist uns vom vorigen Jahre her bereits mehr oder weniger bekannt, so wird man sich bescheiden müssen, auch ihre Besprechung minder interessant ausfallen zu sehen; ein Umstand, dessen Bewusstsein jedenfalls für den Redner noch lästiger ist als für den Hörer. So erhebt das Nachfolgende nur sehr bescheidene Ansprüche.

Obgleich ich Einwendungen und zum Theil nicht unerhebliche dagegen vernommen habe, möchte ich Sie doch bitten, mir zu gestatten, dass ich wieder wie das vorige Mal mit den Händlern und Fabrikanten beginne. Es ist zu befahren, dass ihnen, wenn sie für das Ende aufgespart würden, keine rechte Spannkraft mehr entgegengebracht werden möchte, was bei der Betrachtung der photographischen Arbeiten als Schluss wohl weniger zu fürchten ist; und wir haben wohl selbst ein Interesse daran, auch an diesem Theile der Aus- stellung zu lernen. Anders würden wir längst zu dem Entschlusse gekommen sein, ihn aus dem Rahmen unserer Ausstellungen zu eliminiren. Wir werden auch diesmal verhältnissmässig schnell darüber hinwegkommen, da das, was ich vorber von der Ausstellung im Allgemeinen gesagt habe, von dieser Ab- theilung derselben vorzugsweise gilt.

So ist gleich die Ausstellung von Max Blochwitz in Dresden im Wesent- lichen nur eine Ergänzung der vorjährigen. Am meisten aufgefallen ist mir die grosse Ausführung des neuen Gestelles für Wandelbintergründe, von dem in Hildesheim nur ein kleines Modell vorhanden war. Man kann sich nun überzeugen, dass die Erfindung wirklich hält, was sie versprach: das Geräàth ist sehr compendiös und von leichter und sicherer Benutzung. Meiner vor- jährigen Bemerkung betreffs der vielleicht übermässigen Ausladung des An- triebes auf beiden Seiten des Gestelles ist erfreulicher Weise mit entschiedenem Vortheil Rechnung getragen: der Mechanismus steht mit Einschluss der Kurbel nur 30 cm hervor, was wohl in allen Fällen ohne fühlbare Einbussen zu ver- schmerzen sein dürfte. Von der Verlegung der Kurbel nach hinten hat des- halb Abstand genommen werden müssen, weil die dazu erforderliche com- plicirtere Anordnung, die einige Male versuchsweise ausgeführt worden ist, eine allgemein nicht wohl erträgliche Vertheuerung um 30 Mark ver- ursacht haben würde. Abgesehen von dem hier in Anwendung befindlichen Wandelbintergrunde sind noch ein paar Skizzen von Entwürfen zu solchen beigefügt. Die Firma liefert nach ihren Erfahrungen den Bestellern und Besitzern des Apparates solche Entwürfe, bei denen selbstredend alle etwaigen besonderen Wünsche der Kundschaft berücksichtigt werden. Die verschiedenen üblichen Hintergrundmotive vom Salon bis zum Walde werden in der abwechselungsvollsten Gestaltung und in unmerklichen Uebergängen aus einem in das andere aneinander gereiht, so dass nicht nur eine bestimmte Anzahl von abgeschlossenen Hintergründen entstehen, sondern aus dem fort- laufenden Streifen an jeder Stelle ein beliebiges Stück herausgeschnitten werden kann, welches eine Benutzung als Hintergrund gestattet. Somit bietet ein solcher Wandelhintergrund eine viel grössere Abwechslung, als dem ein- fachen Längenausmaasse des Streifens entspricht. Sieht man die Sache nicht vom Standpunkte des Händlers oder des photographischen Geschäfts- mannes an, so lassen sich wohl Einwendungen machen. Wer bei jeder seiner Arbeiten von sehr strengen künstlerischen Anforderungen ausgeht, für den sind solche bequemen Auskunftsmittel natürlich nicht ausreichend. Ihm