Jahrgang 
1894
Seite
406
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406 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 42.

anzulegen brauchen, wenn's dunkel gemacht wird, tuschelt die Mutter mit nicbht ganz woblwollenden Blieken nach dem Rednerpult,man sieht Einen ja gar nicht! Emma aber scheint Jemand zu suchen, der nicht da ist. Es wird dunkel, einige Vorsichtige mustern ihre Nachbarn oder verstecken ihre goldnen Uhrketten in den Westentaschen..

Der geehrte Redner hat sich inzwischen mit dem Saaldiener über den Grad der Verdunklung geeinigt.Einige Lichter müssen laut polizeilicher Vorschrift unbedingt brennen bleiben, behauptet der Diener.Das ist doch etwas, beruhigt sich Mamachen. Natürlich will der eifrige Saaldiener gerade die Lichter vor dem Vorbang leuchten lassen, die die Bildwirkung am meisten beeinträchtigen.Es ist nur, falls Feuer ausbricht, meine Herrschaften, setzt der Strobkopf beruhigend binzu.Das kann ja nett werden, stöhnt der Vater.Pst, Artbur, pst, nier ist noch ein Stuhl, komm schnell, flüstert Emma einem inzwischen eingetretenen Jüngling mit schwarzem Schnurrbart zu. Der- selbe tappt im Halbdunkel der Sirenenstimme nach, wirft natürlich dabei diverse Stühle um und tritt ein paar Zeben flach. Hierüber scheint sich eine inter- ossante Discussion mit den Zebeninhabern entspinnen zu wollen, als die Glocke ertönt und der Vortrag seinen Anfang nimmt.

Das erste Bild erscheint.Ah!Ah!Heller! ruft eine Stimme aus den hinteren Reihen, eine andere bittet:Stellen Sie das Bild doch etwas höher.Aber so nehmen Sie doch den Hut ab, mein Fräulein!Setzen, da vorne!Pst, stille, man versteht ja nichts! so klingt es halblaut durch- einander. Das zweite, das dritte Bild erscheint ja, was ist denn das die Bilder sehen ja wie gepockt aus; die Stirn des Vortragenden umwölkt sich:Bitte, wischen Sie doch die Condenserlinsen ab, die sind ja dick be- schlagen, raunt er dem hilfreichen Herrn Studiosus Schulze leise zu, der das Einstellen der Bilder übernommen hat.Ich kann ja nicht, dazu kommen, es ist Alles glühend beiss! tönt es zurück.Au! Au! Jetzt habe ich mich ver- brannt! Der Vortragende bittet um gütige Entschuldigung wWegen der un- freiwilligen Pause und tastet sich seinen Weg binter die Leinwand, um seine Befähigung zum Mäartyrer zu prüfen und die dicken Condenserlinsen aus dem feurigen Ofen herauszuholen doch eben als er dem hilfsbereiten Herrn Schulze zuflüstern will:es ist gar nicht mehr nöthig; die Wassertropfen ver dunsten bereits, weil sich die Linsen durchwärmen, hat dieser Jüngling die Gaszufuhrhähne zugedreht, die Lampe verlöscht, der Licbtkreis verschwindet ungeheures Halloh der plötzlich in tiefste Nacht gebüllten Versammlung; nur Emma und Arthur sind darüber nicht sehr böse, wenigstens scheint Emma ganz leise zu kichern, während ihr Papa nicht so leise seine Bemerkungen über die Vorzüge eines solidenSkats macht.

Nun wird ein Wachskerzchen hiuter dem Vorhang angebrannt, das dureh die schnelle Abkühlung zersprungene Stück Glühkalk ist auf Tisch und Fuss- boden gefallen, der Geruch des versengten Holzes trägt jedoch nicht gerade zur Beruhigung aufgeregter Gemütber bei. Mit respectabler Schmerzverachtung hat der Vortragende ein neues Kalkstückchen in den glühendheissen Haltering gezwängt und die besten Stellungen für Lampe und Gashähne wieder gefunden; der gestörte Vortrag nimmt seinen Fortgang. Doch Herrn Studiosus Schulze scheint jetzt ein böser Geist zu plagen, nervös rumort er mit der Lampe in dem Projectionskasten hin und her, dreht an der Einstellschraube, als ob er an einem Leierkasten arbeitete, macht bald die Leuchtgasflamme kleiner, bald den Sauerstoffstrom unnöthig stark, so dass dessen Zischen und Sausen die Rednerworte übertönt. Geduldig lässt das Publikum all' diese streosamen Be- mühungen über sich ergehen, einige anwesenden Amateure àussern sogar ihre leidliche Zufriedenheit:ganz hübsch, aber nicht ganz scharf,etwas über nein, unter u. s. w. Ein Jemand hält es für gerathen, einem andern Jemand ins Ohr zu brüllen:Sebnarchen sie doch nicht so arg, und Emma ruft merk- würdigerweise ganz plötzlich:Aber Arthur!

Mit dem geehrten Redner scheint indess allmählich eine Veränderung vorzu- gehen; während er bisher sich um die Versuche seines Assistenten, mehr Licht und Schärfe zu erzielen, nicht sonderlich kümmerte und ganz zuversichtlie auf die Tischglocke tippte, um ein anderes Bild serviren zu lassen, fängt er

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