Jahrgang 
1894
Seite
405
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Nr. 12. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 40⁵ die Bildfläche, bald lässt sich kein Gasarm nach unten drehen oder keiner der fest eingekitteten Brenner abschrauben, um diesen Schlauch ungeknickt daran anzuschliessen; oder der Gasdruck ist nicht stark genug, oder das Gas so wenig gereinigt, dass sich schliesslich die feinen Canälchen des Sicherheits- brenners verstopfen etc. Ein geeignetes Stückchen ungelöschten Kalkes herbei- zuschaffen erfordert im Notbfall gewöhnlich eine Pilgerfahrt zu sämmtlichen Baustellen und Maurern des Städtchens und nicht überall lassen sich sogleich dienstwillige Assistenten aus der Erde stampfen, die kalt Blut genug baben nicht sämmtliche Diapositive erst herunter fallen zu lassen, ehe sie sie verkehrt (alsonicht umgekehrt) in die Laterne spediren. 84 b

Es geht mit dem Projiciren ähnlich wie mit dem Photographiren, die Sache sieht so kinderleicht aus: Deckel auf, Deckel zu will aber doch gin bischen

geübt sein! Erfahrung ist auch hier die ganz unerlässliche Vorbedingung

sicheren Erfolges, ja hier eigentlich noch mebr als dort. Wer kann ahnen, wie vom Pbotographen die Trockenplatte maltraitirt, das Objectiv überanstrengt, der Focus verzerrt wurde? Schlägt das Dreibein aus, wenn der Zauberkasten völlig windschief darauf steht? Niemand wird durch solche Verbrechen in Mit- leidenschaft gezogen, keinHoho oderHaha ertönt es sei denn, dass der Photographist Humor genug besitzt, während seiner dunkeln Stunde die be- gangenen Schlauheiten unter derartigen Naturlauten ad notam zu nehmen.

Anders beim Projiciren. Da rächt sich die kleinste Unaufmerksamteit mit fabelhafter Potenzirung sofort vor Aller Augen und die Folgen sind unge- heure, wenn auch unbeabsichtigte Fröhlichkeit des hochgeehrten Publikums oder hörbares Schütteln der Köpfe, oder sogar Denkzettel weniger harm- loser Art es leben Viele, denen allerlei Theile von Projectionsapparaten um die erstaunten Obren geflogen sind! Da Projectionen überdies in verdunkeltem Saale abgehalten werden, unterschätze doch Niemand seine riesige Verant- wortlichkeit, namentlich bei Anwendung des so bequemen Benzin-Sauerstoff- lichtes! Besser hierbei zu viel pedantische Vorsicht als zu wenig, da es sich um Menschenleben handeln kann!

Die vollste Lichtwirkung, die grösste Deutlichkeit des Bildes erzielt man bekanntlich, wenn man dasselbe von der Vorderseite auf die Projectionsfläche werfen kann, über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Hierbei hat man zugleich den Vortheil, während des Vortrages gleichzeitig selbst die Bilder vorführen und die Lichtquelle reguliren zu können, was immerhin erträglicher ist als die völlige Abhängigkeit von einem Helfer, wie man einen solchen durchaus braucht, wenn das Bild von der Rückseite auf die angefeuchtete(oder mit Paraffin durchscheinend gemachte) Leinwand geworfen werden muss. Dann hat der Redner vor derselben seinen Platz und reichlich Gelegenheit, mit mehr oder weniger freudigen Gefühlen die Rückwirkung der Sünden seines deus ex machina auf die Versammlung zu registriren. Besser darum, man baut sich aus einem halben Dutzend Tischen seinen etwas wackligen Tbron für deun Apparat vor der Projectionsfläche denn:Selbst ist der Mann als dass man alle Augenblicke eine Stimme hinter dem Vorhang bei jedem geschossenen

Bock ein:Pardon! oderEi verflucht! rufen hört.

Beobachten wir nun die Entwicklung der Ereignisse an solch einem fest- lichen Abend.

Es riecht nach Gas! Mit dieser bänglichen Bemerkung betritt ein Familien- vater den Projectionssaal, in dem der Gasarbeiter allerdings beim Abschrauben hinderlicher Gaskronen recht riechbare Spuren seines Wirkens hinterlassen hat. Hier geh'n wir wieder'raus, Kinder!Ach nicht doch, Väterchen, flötet das Töchterlein aus später ersichtlichen Gründen.Aber direct vor das Ding setzen wir uns auf keinen Fall; ich weiss, das Knallgas kann losgehen, ich spielte überhaupt lieber meinen Skat, brummt das Oberhaupt der Familie. Die besten Plätze bleiben so wirklich unbesetzt, da fast alle Eintretenden aähnliche Besorgnisse hegen. Der Vortragende eröffnet nun den Abend mit dem Hinweis, dass zunächst der Saal verdunkelt werden müsse, dass man aber im Uebrigen ganz unbesorgt sein möge.

Habe ich's niceht gesagt? Es wird schon noch was geben! knurrt der Vater.Na, Emma, dann hättest Du auch nicht die neue blauseidene Blouse