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404 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 42.
schwer, Ihnen zu versprechen, etwas über dieselben für Ihr sehr geschätztes Blatt zu schreiben, aber— ja, nachher kommt so häufig ein„aber“.
Sie wissen, wie ich im Winter 1892/93 fast allabendlich in einer andern Stadt von Vereinen eingeladen war, derartige Projections-Vorträge über meine Reisen zu halten. Im Sommer darauf folgte angestrengtes Arbeiten für das „Photochrom Zürich“— zu dessen Operateuren ich den Vorzug habe zu ge- hören— im Winter 1893/94 beauftragte mich dies Institut mit einer nochmaligen photographischen Reise durch Ostindien*). An diese heisse Tour schlossen sich nicht minder anspruchsvolle Arbeiten im südlichen Italien, der Feierabend will doch, zumal in solchen zur Lebensfreudigkeit einladenden Gegenden, auch sein Recht— kurz, es verblieb beim guten Vorsatz, ich schwang lieber meinen „Sonnenpinsel“ als den Gänsekiel und wäre wohl noch lange in der Schuld der D. Ph.-Ztg. geblieben, wenn sie mir nicht kürzlich durch die erschöpfende Abhandlung über„Projectionsapparate“ ins Gedächtniss gerufen worden wäre.
Auch für Anleitung zur Herstellung von Laternbildern hat die D. Ph.-Ztg. bereits öfters gesorgt und somit bleibt in puncto„Scioptikon“ kaum noch viel Andres übrig, als einmal darüber zu plaudern, wie es bei einem Scioptikon- Abend gelegentlich„hinter den Coulissen“ zugehen kann, über Vorkommnisse, die der Anfänger in der edlen Projectionskunst und die grosse Menge„draussen“ nicht ahnt. Allerdings könnte ich auch mancherlei von Dem berichten, was mir als Photographen beim„Bildermachen“ und bei anderen Gelegenbeiten in dem heissen Hindostan oder dessen eisigen Hochgebirgen begegnete: Heiteres, Ernstes und Tragikomisches durcheinander, doch ist mir dieser Stoff nach-
gerade so angeschwollen, dass er den üblichen Raum in dieser Zeitschrift etwas
unverhältnissmässig beanspruchen würde.
Wenn ich von Gebeimnissen„hinter den Coulissen“ der Projectionsleine- wand sprach, so beabsichtigte ich keineswegs, als Festnagler„collegialischer“ Beinstellungen aufzutreten— so etwas eilt nicht, Jeder findet Lohn oder Strafe früher oder später in der eignen Brust, und ich halte mich lieber bei Ergötz- lichem auf.
Werfen wir also einmal einen Blick in den glänzenden Lichtkreis, der die Welt des Scioptikonkünstlers bedeutet, oder richtiger auf den Schatten, den jedes Licht im Gefolge hat. V
Im Ganzen hat das bessere Publikum keine rechte Sympathie mehr übrig, Erläuterungen zu vorübergejagten Nebelbildern von der Sache fremden, oft peinlich ungebildeten Schaustellern im Marktschreierton ableiern zu hören, zeigt aber lebhafteres Interesse, wenn das Projectionsbild als Mittel zum Zweck irgend welchem Vortrag zur Anschaulichkeit verhilft oder eigens für diesen Zweck geschaffen wurde. Nirgends tritt diese behagliche Andacht erquicklicher zu Tage als bei Projectionsvorträgen, die nicht nur einer flüchtigen Augen- weide dienen, wie z. B. die mustergiltigen Darstellungen in der berühmten „Urania“ zu Berlin. Dort„klappt“ aber auch Alles, weil die ganze Einrich- tung mit erfahrenem Scharfsinn für diesen Zweck gebaut wurde— bis aber andere Räume für Projectionen bergericbtet sind, darüber vergeht— ach— manche saure Stunde des Probirens.„Leicht bei einander wohnen die Ge- nanken, doch hart im Raume stossen sich die Sachen!“ Das trifft auch
ier zu.
Was für„Vereinslocale“ werden manchmal dem Projicirenden als Stätte seiner Wirksamkeit zugemuthet! Hic Rhodus, hic salta! heisst es dann, sieh Du nun zu, wie Du's machen thust! Ist dann endlich in einer Ecke des oft viel zu niedrigen oder winklig verbauten Saales der Projectionsrahmen so auf- gestellt, dass er voraussichtlich nicht allzu oft ins Publikum fallen und doch immerhin von ganzen 10 bis 12% der Anwesenden gut überschaut werden kann, dann kommt der„Haken“ der Sache: die Verbindung der Lampe mit der Gas- leitung im Saal, falls— wie wohl zumeist— mit Sauerstoff gemischtes Leuchtgas als Kalklicht gebrannt werden soll. Hierbei„hapert“ es fast immer irgendwo. Bald ist es nöthig, eine Schlauchleitung von einigen Dutzend Metern zu improvisiren, bald kreuzt dieser Unglücksschlauch oder sein Schatten irgendwo
*) Diese Aufnahmen erscheinen im November im Kunsthandel.
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