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Nr. 40. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 385
befreien weder von der Entschädigungspflicht, noch schützen sie vor Strafe. Ist der Veranlasser der photographischen Nachbildung über die bei Herstellung oder Verbreitung derselben in Frage kommenden thatsächlichen oder recht- lichen Verhältnisse in einem Irrthume befangen gewesen, so fragt es sich ob dieser Irrthum in dem Sinne als entschuldbar d. h. nicht zurechenbar und belastend gelten kann, dass hierdurch selbst ein fahrlässiges Handeln gegen die Interessen des Inbabers der Originalaufnahme als ausgeschlossen er- scheint und erscheinen muss. Thatsächliche Unkenntniss der einschlägigen Verhältnisse und thatsächliche Unkenntniss oder unrichtige Auffassung der für jene Verhältnisse maassgebenden gesetzlichen Bestimmungen(Rechtsirrthum) bilden aber nur dann einen zugkräftigen Einwand für den photographischen Nachbildner, wenn er zugleich nachzuweisen im Stande ist, dass er bei Ver- anlassung oder Herstellung der photographischen Nachbildung in„gutem Glauben“ sich befunden hat d. h. in die Rechte des schutzberechtigten In- habers der photographischen Originalaufnahme in keinem Falle, selbst nicht einmal eventuell, d. h. durch eine denkbare Ausserachtlassung der nöthigen Umsicht und Besonnenbeit, hat eingreifen wollen. Inwieweit aus seinem Handeln oder Unterlassen infolge Hinzutretens eines Irrthums über erhebliche That- sachen oder gesetzliche Bestimmungen Letzteres zu seinen Gunsten gefolgert werden kann, unterliegt dem Ermessen des erkennenden Richters.
(Fortsetzung folgt.)
Die technischen Hilfsmittel bei der Retouche. Von J. v. Norath.
Man ist im Allgemeinen darüber einig, dass die Vervollkommnung von kunst und Handwerk nicht zum geringen Tbeil abhängig ist von der Einführung neuer oder der Verbesserung der vorhandenen technischen Hilfsmittel. Wenn auch nun gerade nicht, wie man häufig hört, das Werkzeug den Meister macht, namentlich soweit es sich um Kunstleistungen oder Anlehnungen an solche handelt, so ist es doch sicher, dass technische Schwierigkeiten dem Gros der Schaffenden vielfach hemmend auf dem Wege des Fortschrittes entgegen stehen.
Ein Genie lässt sich allerdings durch solche„Kleinigkeiten“ nicht abhalten, aber auf wie viel Tausend Durchschnittsmenschen kommt ein Genie?
Wie das Vorstehende für viele Berufsarten gilt, so gilt es auch speciell für die Photograpbie, und hierin natürlich auch für die Retouche. Dass diese nicht allein eine rein technische Fertigkeit beansprucht, ist wohl Jedem bekannt, aber in der neuesten Zeit scheint man die Technik lediglich als ein unvermeid- liches Uebel ansehen und nur der ästhetischen und anatomisch-wissenschaftlichen Seite derselben einige Aufmerksamkeit schenken zu wollen. Ich halte meiner- seits auch ein Eingehen auf die Technik der Retouche, namentlich der Negativ- retouche, für überflüssig, da die Ansichten hierüber verschieden sind, und schliesslich doch Jeder nach seinem Gusto zu arbeiten beliebt. Von Interesse und Wichtigkeit aber erachte ich es, einmal die zu der Retouche verwendeten modernen Hilfsmittel zu besprechen, da die Kenntniss derselben anscheinend nicht so gross ist wie dieselbe sein müsste, eine Kenntniss aller Hilfsmittel aber nicht ein Gebot der Klugheit, sondern das der Nothwendigkeit sein dürfte.
Das am meisten verwendete Instrument ist wohl ohne Zweife] der Grapbitstift, wesbalb wir mit der Beschreibung seiner Eigenschaften und Ver- wendungsweise beginnen wollen.
Der Graphit ist bekanntlich undurchsichtiger, grau- oder schwarzmetallisch- glänzender Koblenstoff, welcher stark abfärbt, und daher zu Schreib- und Zeichen- zwecken in Form der Bleistifte verwendet wird. Der reinste Graphit wird in England und am Ural gefunden; der letztere wird in grossen Quantitäten von den bervorragendsten Firmen verarbeitet.(Sibirischer Graphit.) Es kommen hierbei speciell für photographische Zwecke eine ganze Reihe von Härtegraden zur Auswahl, welche von den Fabrikanten durch Bucbstabencombination be- zeichnet werden. Die überall bekannten Faberschen und ebenso die Hardt- muthschen Stifte werden z. B. nach folgendem Schema classificirt: BBBBBB u. s. w. bis B, dann folgt HB, F, H, H H u. s. w. bis HH HHHH.


