Jahrgang 
1894
Seite
369
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Verein mehr oder weniger mit cäsarischen Gelüsten.

Auge springt, politik ad acta zu legen, sondern bedarf zum Mindesten einer reifen, unparteiischen Prüfung und einer Berücksichtigung! Aus Hygiene-Rücksichten sind die Abendschulen für die Photographen nicht em- pfehlenswerth und wenn auch

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Vr. 58. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 369 langen der betheiligten Kreise Abhilfe verschaffen kann, krittelt man an der sache herum oder schiebt sie auf die lange Bank! Ein Sprichwort sagt:Doppelt giebt, wer schnell giebt, und die darin enthaltene Wahrheit ist wohl unleug- bar. Aber einestheils ist die Einigkeit zwischen Nord und Süd noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen und anderntheils befasst sich jeder einzelne

Warum so kleinlich, wenn es dem grossen Ganzen gilt? Ist der Edelmuth dem deutschen Volke

verloren gegangen, trotzdem ihm die Geschichte nur zu deutlich bewiesen hat, dass es nur dann etwas leisten konnte, wenn es einig war!? Keinesfalls sollen

die Worte so gedeutet werden als ob alle Photographen dem Deutschen-Photo- graphen-Verein angehören müssten. Aber der Aufruf zur Gründung einer Deutschen Photographen-Schule, deren Nothwendigkeit

jedem genauen Kenner der heutigen Portrait-Photographie ins ist wohl nicht als das Product einer Vereins-

im Reichstag Seitens eines bekannten Parla-

mentariers(Freiherr v. Stumm) behauptet wurde, das Zeichnen bei Abendlicht sei besser als bei Tageslicht, so ist das wohl ein Ausspruch, der den praktischen Erfahrungen nicht Stand hält.

Man bedenke, dass die jungen Leute sich noch im Wachsthum befinden und ein Studiren und Lernen mehr anstrengt als die Ausübung eines fest- itzenden Wissens und Können! Ferner soll der handwerksmässigen und fabrik- nmässigen Ausführung der Photographie die Spitze geboten werden und sie das

werden, was sie früher im Ansehen der Welt war eine Kunst!

Viel wird über Retouche geschrieben und ist geschrieben worden! Manches Nützliche und Gute, manche Warnung wurde gegebepn, aber nicht wenig Un- kraut wurde gesät. Ja, Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt! haher soll man sich auch nicht an gewissen Stellen competent fühlen eine Gesammtkritik bezüglich der eventuellen Lehrkräfte zu fällen, denn es giebt noch Leute, die in gewissen Punkten noch besser d. h. richtiger zu urtheilen vermögen! Doch zuerst beisst es, den Grundstein legen, ehe an Weiteres ge- sehritten werden kann. Die Regierung in Weimar steht der Sache nicht nur Gmpathisch gegenüber, sondern sie nimmt sogar persönlich Antheil an ihr.

Gegner des Deutschen Photographen-Vereins brauchen nicht zubefürchten, dass sie durch eine Spende für die Deutsche Photographen-Schule, den Deutschen Photographen-Verein unterstützen! Wenn nun Manchen vielleicht die Höhe der Garantiescheine zurückschreckt, so hat er da- bei ausser Acht gelassen, dass er auch durch eine Schenkungsurkunde das broject unterstützen kann. Dabei steht seinem Ermessen anheim, die Höhe der Schenkung zu bestimmen! Vor der Veröffentlichung der Statuten durch den Vorstand des Deutschen Photographen-Vereins wurde in den Sprech- zaal dieser Zeitung die Lösung der Schulfrage eine Preisaufgabe für den photo- graphischen Congress genannt und die Nothwendigkeit des Instituts in kurzen ügen nachzuweisen gesucht.

Darauf fand keine Erwiderung statt. Oder sollte der Schluss eines Leit- artikels einer Berliner Fachschrift die Antwort sein, welcher ungefähr lautete: Die Schulfrage wird den zukünftigen Congress zu beschäftigen haben!? Nicht Berlin braucht die Stätte zu sein, wo die Photographen-Schule erblühe, aber Berlin hat im Interesse der Fachwelt Ursache genug den Plan einer Photo- bgraphen-Schule energisch zu unterstützen! b

Das Zustandekommen einer Deutschen Photographen-Schule kommt der sesammten Portraitphotographie Deutschlands zu Gute und jetzt, wo Alles be- reit liegt um das Werk zu errichten, mögen weder Engherzigkeit noch Sonder- Interessen die Photographen-Vereine Deutschlands leiten!

Sei die Deutsche Photographen-Schule ein Zeugniss der Hochherzigkeit

ler deutschen Photographen, ihrer Vereine und ihrer Leiter!