368 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 38.
Herr B.-M. III. Preis Dipl. Derselbe war mit 4 grossen Platinbildern ver- treten; wenngleich diese recht gut ausgeführt waren, 80 hätten wir hier doch gerne einen reineren, kräftigeren Ton gesehen.
Herr A. J.-S. brachte 13 Portraits auf Mignonpapier. Obgleich die Ar- beit sauber und accurat war, waren die Bilder leider sehr grau. Ieh glaube, dass auf Albumin von den gleichen Platten Besseres erzielt wäre.
Herr H. H.-T. war mit einer Collection von Pplatin- und Mignon-Sachen betheiligt, wovon ein kleines Portrait auf Platin(Damen-Kniestück) vorzüglich war, leider fielen die übrigen, besonders die Mignons, sehr ab.
Herr W.-H. hatte 5 Platin-Portraits gesandt, darunter 2 grosse, Wovon ein Herren-Portrait(Kniestück) vorzüglich war, dagegen das zweite Bild (Damenkopf Rokoko) einem Gipskopf glich; dabei wirkte die gemalte Rokoko- Einfassuug sehr unreif. Derselbe Herr war mit einer Collection Landschaften in Cabinet auf pPlatinpapier vertreten, welche grösstentheils künstlerisch Sschön waren, und an Dreesensche Auffassung erinnerten. Dieselben wurden mit dem IJ. Preis prämiirt.
Herr C. A.-N. II. Preis. Ein Tableau mit 10 Platinbildern, davon 8 Stück zwischen Cabinet- und Paneelgrösse, hierunter recht gute, besonders ein paar herrliche Brustbilder in schönem, kräftigem Ton, gut in Beleuchtung und Re- touche. Zu schade, dass sich zu diesen noch 2 Hauptbilder gesellten, wo die Retouchenmalerei die Photogramme gänzlich warf. Man denke sich eine Preciosa in dem malerischen Costüm, wie jeicht hat es der Maler hier, wenn er eine Landschaftszugabe machen will. Etwas Ferne, ein wenig Palmenandeutung und die Südländerin ist wirkungsvoll, auch wollte ich schon zufrieden sein, wenn die norddeutsche Landschaft, worin sie steht, nur als weiche Beigabe diente, denn warum sollte eine preciosa nicht auch im Norden tanzen können, aber eine Landschaft härter und knalliger als das Portrait selber, gestaltet
das Ganze zum Bilderbogen. Das zweite Bild, ein Brustbild über Eck gesetzt
und an einen Baum geheftet, würde ich als Phantasiebild gerne gelten lassen, wenn nicht die derb gehaltene Landschaft Alles zerrisse.
Herr A. D.-H. III. Preis hatte 4 Platinbilder ausgestellt, wovon 3 colorirt waren, das grösste war recht vortheilhaft, wäbrend die gemalten Portraits noch etwas ängstlich behandelt waren; dennoch riefen sie keinen schlechten Ein- druck hervor.
Herr K.-OQ. Zwei Vergrösserungen auf Bromsilber und Platin, welche beide leider den Beschauer nicht ansprachen.
Herr Th. H.-L. Zwei Vergrösserungen, bei welchen die Retouche lieber hätte fehlen sollen.
Herr Sch.-L. war mit geschmackvollen Bilderrahmen vertreten, dieselben waren sauber gemacht und preiswürdig. Sie erbielten den II. Preis.
Der Hauptpreis, die Goldene Medaille, konnte leider nicht ertheilt werden.
Von den verschiedenen Preis-Stiftungen: 1. vom Kieler Photographen- Verein, 2. Scheel-Stiftung, 3. Westendorp-& Wehner-Stiftung, 4. Dreesen- Stiftung und 5. Schultz-Stiftung, welche grösstentheils mit Tagesarbeiten von Cabinet und Visit beschickt waren, möge bier noch erwähnt werden, dass die Arbeiten alle mit wenigen Ausnahmen gut waren, so dass die Preise, mit Ausnahme der Goldenen Medaille(I. Preis des Kieler Photographen-Vereins)
sämmtlich vertheilt wurden. D. Wettern.
Zur Schulfrage.
Man hätte glauben sollen, dass nach der Veröffentlichung des Aufrufes seitens des Vorstandes des Deutschen Photogrophen-Vereins die Theilnahme für eine Deutsche Photographenschule eine regere sein müsse! Liest man je⸗ doch die verschiedenen Fachblätter, so wird jedem Unparteiischen sofort klar, warum die Thatsache der Erwartung nicht entspricht. Bisher warf man dem Vorstande des Deutschen Photographen-Vereins vor, er hätte für die Pboto- graphie so gut wie nichts gethan. Jetzt, wo er der gesammten Fachwelt ein Project unterbreitet, welches bei seiner Ausführung einem dringenden Ver-
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