Jahrgang 
1894
Seite
367
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894.

Schleswig-Holsteinischer Photographentag.

Der rührige Verein der Pbotographen Schleswig-Holsteins hielt wie alle Jahre diesesmal in Rendsburg, vom 5.7. August, seinen Vereinstag, verbunden mit Ausstellung ab.

Vom Vorstand dieses Vereins wurde mir die Ehre zu Theil als Jurymit- glied für die allgemeine Ausstellung wirken zu dürfen, und ich muss gestehen: ich habe mich gefreut, dass die Versammlung nicht allein gut besucht, sondern auch mit vielen guten Arbeiten beschickt war. Auf Wunsch und mit Erlaubniss des Vorstandes gestatte ich mir zu einer Belehrung Derer, die mich verstehen und verstehen wollen, eine kleine Kritik zu veröffentlichen, die dazu dienen soll, die Aussteller auf Mängel and Fehler aufmerksam zu machen, welche, wenn sie eingesehnen, berücksichtigt und vermieden werden, den Be- treffenden zu einer nächsten Ausstellung bessere Belohnung, als es jetzt hat geschehen können, einbringen wird.

Was ist für uns Photographen die Photographie ohne Retouche? Oho: wird vielleicht Mancher sagen, und doch will ich hiermit beginnen.

Lehrbücher über Photographie giebt es in Hülle und Fülle, die Wissen- schaft hat hier ausserordentlich gewirkt und geschafft, so dass, wenn Jemand das nöthige Kleingeld hat, sich heute eine Camera, Platten, Papier und Chemi- kalien zu kaufen, er morgen schon photographiren und Bilder machen kann.

Anders ist es mit der Retouche, und ich glaube annehmen zu dürfen, dass meine Ansicht hier doch einige Anhänger finden wird, wenn ich sage, die

richtige, verständnissvolle Retouche erhebt unser Gewerbe zur Kunst, die schlechte verdirbt es vollends.

Der Maler bedient sich der Camera, und ich möchte den Berufsphoto-

graphen dringend ersuchen, vom Maler Das zu nehmen, was der sich durch

die Camera zu ersparen sucht, das geschickte Zeichnen, welches sich mit der Photographie so sehr vereinen lässt. Dank dem Deutschen Photographen-Verein, dem es jetzt hoffentlich gelingen wird, bald eine Kunstschule für die deutschen Photographen eröffnen zu können.

Zur Kritik übergehend erlaube ich mir zunächst die Platin-Portraits vom Vorstandsmitglied Herrn U.-K., welche ausser Concurrenz ausgestellt waren, zu besprechen. Die Photographie hatte hier vereint mit der Retouche gearbeitet, keck und derb mit dem Pinsel dabin, wo die Retouche wirkte, Stellung gut, Beleuchtung gut wie photographische Technik, voll Kraft und Saft, Vermeidung der ängstlichen, überflüssigen Retouche in den Gesichtern; ich rufe dem Herrn ein Bravo zu.

Herr K.-L. Il. Preis Bronz. Med. hatte reichhaltig Platin-Portraits ausgestellt, wovon manche Bilder recht gut zu nennen waren, leider hatte hier die Re- touche bei vielen ihre Bestimmung verfehlt. Die schattirten Gründe waren zart und flott gemacht, Gesichter aber mit hervorgehobenen Lichtern etwasvor- fummelt. Ich mache hier noch auf das grosse HauptbildGoldene Hochzeit aufmerksam; der Retoucheur hätte hier etwas mehr Rücksicht auf das Alter nehmen müssen und die Retouche dort anbringen sollen, wo sie wirkungsvoller gewesen wäre. Der weisse Schleier auf der Schattenseite der Dame hätte besser gewirkt, wenn er richtig in Schatten gelegt worden wäre, anstatt dort noch das Licht zu forciren.

Herr L. N. C.-H. I. Preis Silb. Med. lieferte Bilder auf Celloidinpapier, welche kaum von Albumin im Ton zu unterscheiden waren; Technik wie Ausführung Varen schön. Eine Vergrösserung(alte Dame) auf Bromsilber hätte ich gern mit anschattirtem Grunde, um bessere Wirkung zu erzielen, gesehen.

Herr L. M.-R. II. Preis stellte einige grössere Bilder auf Platin aus, Ton und Beleuchtung waren gut, die abschattirten Gründe waren aber zu sehr ab- gezirkelt, was den Arbeiten ein etwas schülerhaftes Ansehen gab, doch war das Streben nach dem Guten unverkennbar.

Herr C.-N. hatte 7 Portraits ausgestellt, worunter ein paar gute. Das gratulirende Mädchen mit den beiden Blumentöpfen liess in Stellung zu wünschen übrig.