Jahrgang 
1894
Seite
361
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Nr. 37. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 361

durch die verzögernde Kraft des Bromkaliums wieder aufgehoben. Amidol verhält sich àhnlich dem Metol, giebt aber bei erhöhter Temperatur und starkem Zusatz von Bromkali ein viel kräftigeres Bild als unter normalen Verhältnissen, überhaupt ist bei Amidol, besonders im Winter, eine Erhöhung der Temperatur des Entwicklers zu empfehlen und darf vom Amidolentwickler im Sommer immer eine bessere Wirkung erwartet werden als im Winter.

Interessant für solche Photographen, welcbe ihr Dunkelzimmer mit natür- lichem Lichte erleuchten, ist folgende Notiz der englischenmeteorologischen Berichte. Nach dieser Notiz war die Sonne im Februar des laufenden Jahres 278 Stunden über dem Horizont, sie schien jedoch nur 62 Stunden, so dass nur 22 Procent des möglichen Sonnenscheines zur Wirksamkeit gelangten. Wie kräftig aber die Wirkung des Tages- resp. Sonnenlichtes auch in dieser Jahreszeit noch ist, beweist der folgende Fall. Ein Photograph hatte das nach Norden gelegene Fenster seines Dunkelzimmers mit zwei Schichten eines un- actinischen Mittels bedeckt und Versuche ergaben, dass Platten auch bei grösster Empfindlichkeit ohne Schaden bei diesem Lichte entwickelt werden durften. Kürzlich indessen fingen seine Platten an zu schleiern, zwei Kisten mit Platten wurden dem Fabrikanten als fehlerbaft zurückgeschiekt und erst nach längerer unangenehmer Correspondenz zwischen den Betheiligten wurde das Fenster einer erneuten Prüfung unterzogen. Hierbei ergab sich nun, dass die äussere gefärbte Schicht vollständig durch das Sonnenlicht gebleicht worden und hierin die Ursache des unangenehmen Vorfalles zu suchen war.

Die Photographic News bringen voller Stolz die Nacbricht, dass in Nach-

eiferung bekannter amerikanischer Bürger, sich jetzt auch in England Màänner

fnden, welche einen Theil ihres Reichthums dazu verwenden, durch generöse

Unterstützung rein wissenschaftlicher Institute zur Förderung der Naturwissen- schaften, in erster Linie der Astronomie, beizutragen. So hat Sir Henry Tbhompson, der berühmteste Arzt Englands, 100 000 Mk. dem Greenwich- Observatorium zur Herstellung eines Teleskops von 26 Zoll Oeffnung geschenkt, Von besonderem Interesse für unsere Leser wird es sein, zu erfabren, dass dieses Geschenk allein im Interesse unserer Kunst gemacht worden ist, denn das Teleskop ist nur für photographisch-astronomische Aufnahmen bestimmt. Die Eastman-Compapy hat sich der dankenswerthen Aufgabe unterzogen, in einer kleinen BrochüreEastman Bromide Paper allen Denjenigen, welche mit ihren Papieren arbeiten, eine auf zahlreiche Versuche und praktische Er- fahrungen sich stützende Anleitung zur Behandlung ihrer Papiere zu geben. Die beigegebenen IIlustrationen geben werthvolle Winke über Anordnung der Leuchtquelle, Aufstellung der Staffelei und der Camera.

Dieselbe Nummer der News bringt noch einen für Portraitphotographen besonders lesenswerthen Artikel. Dem Portraitphotographen wird hin und wieder die Aufgabe gestellt, Bleistiftzeichnungen zu reproduciren und jeder Fachmann weiss, dass diese Aufnahmen mit Trockenplatten in zufriedenstellender Weise herzustellen, mit zu den schwierigsten Aufgaben gehört, welche dem Photographen gestellt werden können. Der Verfasser empfiehlt als Beleuch- tungsart bei Reproduction einer Bleistiftzeichnung directes Sonnenlicht und, wenn dieses nicht anwendbar ist, die Zeichnung mit Magnesiumlicht zu be- leuchten. Als Entwickler wird ein sehr langsam wirkender Hydrochinon-

entwickler von folgender Zusammensetzung empfohlen-

Lösung I. Wasser 400 Theile, sehwefligsaures Natron 40 Theile, Hydrochinon 15 Theile.

Lösung II. Wasser 400 Theile, kohlensaures Kali 40 Theile. 1 Zum Gebrauch mischt man von Lösung l zwei Theile mit einem Theil von

ösung II.

Bei der Entwicklung wird allerdings die Geduld auf eine harte Probe ge- stellt, depn es vergeht oft eine halbe Stunde bevor eine Linie erscheint, dafür ist aber auch das Resultat ein solches, wie es sonst nur mit nassen Platten