Jahrgang 
1894
Seite
338
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338 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 35.

öffnung in einem verhältnissmässig kürzeren Abstande(im Verbältniss nämlich zu der grösseren Brennweite des neuen Condensers) stattfindet, die Lichtquelle verhältnissmässig also nicht bloss absolut! weiter entfernt werden; d. b. der grössere Condenser empfängt von der gleichen Lampe jetzt weniger Licht, und nur das Licht, das durch einen kleineren Theil der Gesammtober- Hläche des Condensers geht als früher, trifft das zu vergrössernde Glasbild und wird mithin für das grosse Wandbild ausgenutzt. Das klingt nicht bloss schrecklich, sondern es ist noch viel schrecklicher, als es klingt.

Nehmen wir ein bestimmtes Beispiel. Das Objectiv habe 15 cm Brenn- weite, 30 mm Länge von Vorder- zu Binterfläche und 29 mm Oeffnung; das Glasbild stehe 9 mm vom Condenser, und die Vergrösserung sei eine 25 fache. Dann ergiebt sich für den gewöbhnlich verwendeten Doppelcondenser von 103 mm Durchmesser und 7,5 cm. Brennweite(die zwei vereinigten Linsen haben ja die Hälfte der Brennweite einer einzelnen für sich), der wie wir uns überzeugt haben für die Projicirung des gewöhnlichen Bilderformates vollständig ausreicht, dass das Objectiv 15 cm und die Lichtquelle 11,70457 em vom Condenser absteht.*) Wird nun aber der eben erwähnte Condenser von 152 mm Durchmesser und 11,5 cm Brennweite(als doppelter) eingesetzt und dass der, und nicht etwa ein kleinerer, nöthig ist, wenn man- nichtbloss 8o thun und werthlose halbe Arbeit machen will, haben wir rechnungsmässig nach gewiesen, so muss die Lichtquelle bis auf 30,29462 cm vom Condenser ab- gerückt werden.

Denkt man sich nun die Lichtquelle als einen Punkt, der nach allen Richtungen Strahlen entsendet, so empfängt von allen diesen Strahlen der Condenser so viel, wie auf den seiner Oeffnung entsprechenden, von seiner inneren Oberfläche als Calotte abgeschnittenen Theil der Oberfläche einer Kugel, in deren Mittelpunkte die Lichtquelle steht, und deren Radius die Entfernung von der Lichtquelle bis zum Rande der ihr zunächst stehenden Beleuchtungs- linse bildet, von der gesammten Kugeloberfläche kommt. Das ist im ersteren Falle ganz wenig mehr als ½ 4(genau ½3,61708), im letzteren aber noch nieht 166(genau 66,5571), also rund nur wenig mehr als der dritte Theil des Lichtes wie bei dem kleineren Condenser!

Aber damit noch lange nicht genug, geht von dem in den kleineren Con- denser von 83,3229 qem Oberfläche fallenden Lichte durch die übliche Pro- jectionsbilderfläche von ziemlich genau 48 qcm 57,6%, also viel mehr als die Hälfte. In dem anderen Falle aber nimmt dieselbe Bildfläche von dem Condenser von 181,4584 qem Oeffnung nur 26,45% des Lichtes in Empfang, also wenig mehr als ein Viertel.

Das Gesammtergebniss des grösseren Condensers würde also die Ab- schwächung der Beleuchtung des Wandbildes auf noch nicht ein Sechstel sein, genau 0,1629368=, 13735.

Das ist so nun freilich nur bei der gewöhnlichen Einrichtung der Apparate der Fall, braucht aber bei einer besseren Einrichtung durchaus nicht nothwendig in solchem Umfange einzutreten. Man sieht sofort, dass das Glasbild auch von dem grösseren Condenser dieselbe relative Lichtmenge aufnehmen kann wie von dem kleineren, wenn das Bild nämlich der Spitze des Lichtkegels so weit genähert werden kann, dass es denselben vollständig(d. h. so viel wie über- haupt möglich) ausnutzt. Dies würde bei den Verhältnissen des gegebenen

*) In den nachfolgenden Berechnungen ist bei den Condensern die Dicke derselben stets vernachlässigt. Da der gleiche Fehler überall gemacht ist, stört er die Ergebnisse nicht. Die Berechnungen sind alle nach übereinstimmendem Schema angestellt. Es ist, nicht undenkbal und nicht von vorn herein als falsch zu bezeichnen, dass Jemand an einer oder der anderen Stelle etwas abweichend vorgeht; und dann ist es selbstverständlich, dass er andere Ergebnisse und nicht bloss in den Hundertstel- und Tausendstel-Millimetern bekommt. Ich bitte etwaige solche Rechner, sich nicht damit zu schmeicheln, dass sie mich beiRechenfehlern ab- gefasst haben, und meine Beweisführungen und Schlussfolgerungen dadurch für erschüttert 0 el gar widerlegt zu halten; sondern ich ersuche sie, auf ihre Weise gefälligst alle parallelen Fälle annähernd mit derselben Gewissenhaftigkeit, mit der ich es gethan durchzurechnen, un dann nicht eher mit ihren Ergebnissen Lärm zu schlagen, als bis sie sich überzeugt haben, dass ihre zuverlässig richtig unter wesentlich unanfechtbaren Voraussetzungen errechneten Zahlen andere Verhältnisse der verschiedenen Fälle unter einander ergeben, als ich sie im Folgendem geglaubt habe feststellen zu dürfen.