330 Deutsche Photographen-LZeitung 1894. Nr. 34.
zutreffenden Schluss ergiebt. Es versteht sich, dass solche Objective, die bei der der Aufnahme entgegengesetzten Verwendung— zur Vergrösserung— keine guten Resultate ergeben, bei der Projection zu meiden sind.) Es liegt doch die Frage, auf die nur die tadelhafteste Unbesonnenheit ohne Weiteres eine verneinende Antwort zur Hand haben könnte, sehr nahe, ob nicht der sonst mit dem Abblenden verbundene Lichtverlust auch bei der Projection Be- einträchtigungen verursachen sollte. Und dies ist in einem jedenfalls kaum geahnten Grade der Fall; denn anders würde man an die Möglichkeit des Blenden-Gebrauches bei der Projection sicherlich nie gedacht haben.
Man hatte früher die Idee, dass die Spitze des aus dem Condenser aus- tretenden Lichtkegels gerade in die Mitte(den Hauptpunkt) der Objective, also dortbin, wo bei Doppel-Objectiven die Blende steht, fallen müsse. Wäre dies richtig, so würde das Abblenden des Objectives auf die Helligkeit des Wand- bildes ohne jeden Einfluss sein; das ganze Licht ginge fast in einem Punkte in der Mitte der Blendenöffnung durch, um sich jenseits wieder zu einem Strahlenkegel auszubreiten, und es wäre vollständig gleichgiltig, wie nahe an diesen Punkt der Blenden-Ausschnitt beranträte; und zwar eben so gleichgiltig für die Helligkeit wie für die Schärfe des Bildes. Dann wäre also die Ab- blendung auch überhaupt überflüssig!
Jene Annahme ist aber irrig. Das Objectiv muss vielmehr so in den vom Condenser herkommenden Strablenkegel eingesetzt werden, dass seine ganze Oeffnung eben reichlich durch die convergirenden Strahlen gedeckt wirdl. Wohin dabei die Spitze des so abgeschnittenen(abgestumpften) Kegels fällt, ist völlig gleichgiltig: die gestrählt dem Objective in seiner ganzen Fläche übergebenen Strahlen werden von ihm regelmässig weiter geführt, und zwar so zu sagen jeder Strahl von einem bestimmten Theile des Objectives, welches also ganz und gar beschäftigt, aber auch zu ungehindertem Durchgange der Strahlen nöthig ist. Eine Abblendung ist also vollkommen sinnwidrig. Sie wirkt hier sogar stärker und vor allen Dingen störender, als bei Aufnahmen nach der Natur, nämlich nur nach den Rändern des Bildes hin, da die dem Kegelmantel nahen Strahlen, welche das von den äussersten Theilen des Bildes ausgehende Licht nach dem Objective bringen, durch die Blende abgeschnitten werden. Dass diese Bildtheile überbaupt noch sichtbar bleiben, liegt lediglieb daran, dass ja das Glasbild nicht bloss durchstrahlt, sondern auch strahlend — selbst hell— ist, und es, soweit es selbst Licht ausstrahlt, von allen Stellen der Objectiv-Oberfläche ziemlich gleichmässig aufgenommen und fortgeleitet wird. Darauf übt also die Abblendung nur den ganz allgemeinen Eiuffuss fortschreitender Verdunkelung. Dass die Abdeckung der Ränder nicht bemerkt worden ist, hat verschiedene Ursachen. Erstens füllt ja das eigentliche Bild den wirklichen Strahlenkegel nicht ganz aus. Eine nur schwache Abblendung berührt es also noch nicht; erst wenn sie verbältnissmässig weit getrieben wird— wovor man sich wegen der damit verbundenen Verdunkelung thun- lichst hütet—, geht es dem Bilde ans Leben. Sodann entzieht sich die sStärkere Verdunkelung der Ränder der Wahrnehmung unter dem Schutze der all gemeinen Verdunkelung des ganzen abgeblendeten Bildes. Hierzu kommt endlich noch Eins, vielleicht das Wesentlichste. Bei der Anwendung guter Objective hat man keine Abblendung nöthig. Bei unzulänglichen Objectiven aber sind so wie so die Ränder zunehmend dunkler als die Mitte: die Ränder sind da nämlich erheblich unscharf, und jedes unscharfe Bild wirkt(bei gleicher Be- leuchtung) dunkler als ein scharfes. Wenn nun die Ränder immer mehr aun Helligkeit hinter der Mitte zurückbleiben, so ist man geneigt, das ohne weitere Reflexion als natürliche Folge der allgemeinen Verdunkelung bei fortschreitender Abblendung in den Kauf zu nehmen, während in Wirklichkeit durch das Ab- blenden ja die Schàrfe, und damit auch die Helligkeit(d. h. die relative) nach den Rändern hin immer zunehmen müsste, und bezüglich des vorher erwähn- ten Abbildes des selbststrahlenden Glasbildes diese Wirkung auch thatsächlich eintritt, wodurch ein Theil der auf anderem Wege bewirkten Verdunkelung ausgeglichen wird.
Man darf daher bei der Projection im Objective schlechterdings keine Blenden gebrauchen. Alle in das Objectiv eintretenden Strahlen müssen unge-
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