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Nr. 34. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. b 325
Die Beseitigung des Astigmatismus d. h. des Fehlers am Rande des Bildes die Horizontal- und Vertikallinien verschieden scharf wiederzugeben, kommt hauptsächlich bei Architekturaufnahmen und Reprodue- tionen zur Geltung, wo eine grosser Bildwinkel benutzt wird.
Auch das wesentlich geringere Gewicht und Volumen der Anastigmate ist besonders auf Reisen sehr angenehm.
Nun möchte ich noch eines Umstandes erwäbnen, welcher beim Ankauf und der Auswahl dieser neuesten Objective nicht vernachlässigt werden darf. Es ist dies die mathematisch nothwendige, also niemals zu vermeidende Ver-
der alten Objective
Bildwinkel.
Um einen bestimmten Anbalt zu haben, will ich gleich ein Beispiel an- führen. In dem Preisverzeichnisse von Görz 2. B. ist angegeben, dass Doppel- anastigmat Nr. 5, Serie III, Brennweite 27 em, Oeffnung zur Brennweite 1: 7,7 mit ganzer Oeffnung eine Platte von 2122y em bis zum Rande*) scharf aus- zeiehnet. Diese Angabe ist zwar richtig, es ist aber die Frage, ob man für
Gruppenaufnahmen ein so grosses Bildfeld benutzen darf. Um sich die Ant—
wort auf diese Frage selbst zu geben, ist es gut, sich den zu benutzenden Liehtkegel auf Papier zu zeichnen.
Man zieht auf einen Bogen weisses Papier eine gerade Linie von der blattenlänge, also 27 cm, halbirt diese Linie und errichtet auf der Mitte eine senkrechte von der Lànge der Brennweite, welche für eine Gruppe von 10 cm hohen Figuren 28,6 cm beträgt; die Spitze dieser Senkrechten verbindet man mit den Endpunkten der Grundlinie und erhàlt so ein gleichschenkliges Dreieck, dessen Scheitelwinkel der Bildwinkel ist, welcher in diesem Falle 50 Grad beträgt. Eine Kugel, welche in der Mitte der platte ein kreisrundes Bild giebt, wird aber durch die die Platte zu schief treffenden Strahlen am Rande circa um ¼ breiter werden als hoch, sich also als deutliche Ellipse darstellen. Daraus ergiebt sich unzweifelhaft, dass der Winkel von 50 Grad für Gruppen entschieden zu gross ist, denn man denke sich an Stelle der kugel ein menschliches Gesicht um 1é1 verbreitert, so leuchtet ein, dass Jeder diese Verzerrung sofort erkennt. Benutzt man nur 40 Grad Bildwinkel, was
einer Platte von 21 cm Länge entspricht, so beträgt die Verbreiterung eines
Gesichtes am Rande nur circa 11. Man wird zugeben, dass dies die grösste zulässige Verbreiterung ist, denn ein geübtes Auge wird auch diese sofort als nicht ganz der Natur entsprechend bemerken.
Da nun aber meistens bei Gruppenaufnahmen die Personen die Platte nicht bis zum äussersten Rande ausfüllen, so kann man für dieses Objectiv von 27 cm Brenuweite recht gut 185424 als zulässig grösste Platte für Gruppen- aufnahmen gelten lassen. Dagegen kann bei Anwendung kleiner Blenden für Landschaften, Architekturen und Reproductionen sehr gut ein Bildwinkel bis zu 70 Grad benutzt werden, was einer Plattenlänge von 40 cm entspricht, welche mit Blende F7% 2 bis zum Rande scharf ausgezeichnet wird.
Man sieht aus diesen Betrachtungen, dass man bei Gruppenaufnahmen nie über 40 Grad Bildwinkel hinausgehen darf, besser aber, wenn es die Umstände gestatten, nur 30 Grad benutzt, wobei die Entfernung der Eckfiguren von ein- ander 16 cm beträgt. Die Zulässigkeit der Bildwinkelgrösse gilt natürlich für alle Objective, gleichviel welchen Systems und welcher Grösse(d. h. Brenn- weite).
dr Objectivkäufen müssen also die Preisverzeichnisse ordentlich studirt werden, wenn man sich vor zu spät erkanntem Irrthum und Schaden schützen vill. Man muss wissen, zu was man ein Objectiv benutzen will und was man Von ihm billiger Weise verlangen kann und darf, ob es von Nutzen und dem ostenpunkte entsprechend ist, ein Objectiv neuester Construction zu kaufen oder ob man sich mit einem billigeren älteren Objective begnügen kann, wenn es zweckmässig abgeblendet wird und genügende Entfernung und ausreichendes Licht vorhanden sind. b
Nun zum Schluss noch einige Worte über die grössere Tiefe, welche man den Anastigmaten nachrühmt oder auch von ihnen verlangt. Wer unsere Fach-
*) Hier sollte das Wort„brauchbar“ eingeschaltet werden.


