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Nr. 931.
296 Deutsche Photographen-Zeitung 1894.
körperliches und geistiges Siechthum herbeiführen konnten, reizten mich zum Widerstand.
Halb geblendet, körperlich wie geistig gebrochen, oft kaum das Nöthigste zum Leben besitzend, die Sorge und die Verantwortung für die Familie, brachten mich in den Zustand, dass ich durch die unsinnigsten Handlungen oft auch Die- jenigen gegen mieh beeinflusste, welche es noch gut mit mir meinten.
lch bettelte um Arbeit, wie der Hungernde um Brod. Offenbar waren die Herren Collegen auch durch Verleumdung gegen mich beeinflusst, und wo ich beschäftigt wurde, geschah es in einer Weise, welche meine Geduld auf sehr harte Probe stellte, und mein Ehrgefühl auf das Empfindlichste verletzte, oder ganz ersticken musste.—
Meine Armuth reizte zum Drucke, und ich war ein bequemer Sündenbock für Diejenigen, welche sich hinter einer Deckung verstecken wollten. Ein Spielball ihrer Interessen, und ein Versuchsobject für ihre Launen.
leb grollte der ganzen Menschheit, und hatte nur den einen Wunsch, sie mir entbehrlich zu machen.
Ich hoffte doch noch auf Besserung, und die Hoffnung betrog mich nicht und lehrte mich wieder an die Menschheit glauben. nd das Glück wollte mir wohl, hell glänzte es auf, und die Nacht der
Armuth, der Hoffnungslosigkeit verschwand, Fortuna lächelte unter Thbränen
noch einmal ihrem Stiefkinde zu.
Wer wagt, der gewinnt! So hatte ich schon oft gedacht, ohne Erfolg. Wie gross war nun mein Erstaunen, als sich dieses Sprichwort auch bei mir einmal treffend bewähren sollte.
Ein Loos einer Wohlthaätigkeits-Lotterie war mit einem Gewinn von 10,000 Mk. gezogen worden, und ich, der allbekannte Unglücksmensch, war der glückliche Besitzer dieses Looses.
Die Ziehung war schon mehrmals verschoben worden, und halb vergessen lag das Loos in meiner Brieftasche, als ich nach einem mühevollen Tagewerk durch das Ausrufen der Gewinnliste daran eripnert wurde. Fast mechanisch kaufte ich die Liste, die ich ohne sonderliche Hoffnung in die Tasche schob.
Erst nach dem Abendbrod wollte ich mich von der Nutzlosigkeit des Spielens überzeugen. Nachdem ich mein frugales Mahl verzehrt hatte, faltete ich die Liste mit jener fatalistischen Ruhe auseinander, welche Menschen eigen ist, die allzu oft durch Entäuschungen alle optimistischen Hoffnungen hingegeben haben.
Meine Augen fielen selbstverständlich auf die fettgedruckten Zahlen der Hauptgewinne zuerst, und ein merkliches Zucken spürte ich in allen Gliedern; nicht ohne Aufregung suchte ich das Loos selbst hervor, und verglich, wahr- baftig, ich hatte gewonnen.
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Nur durch den Umstand, dass ich mich in einem öffentlichen Locale be- fand, gelang es mir, die Thränen der Freude, die sich unbemerkt in die Augen stehlen wollten, zurückzudrängen. Doch bald stellten sich wieder Zweifel ein, konnte nicht ein Druckfehler alle meine Hoffnungen zerschellen? Wäare es nicht besser, die Gewissheit abzuwarten, ehe ich meine Nerven durch eine zwecklose Aufregung beunrubigte? Mit dieser Betrachtung gewann ich mein Gleichgewicht zurück und schlief die Nacht so gut wie sonst.
Als ich am andern Morgen die vollwerthigen Bankscheine vor mir liegen sah, musste der letzte Zweifel weichen. Nun stürmten Pläne zur neuen Lebenslaufbahn lawinenartig auf mich ein, sollte ich die Heimath, weiche mich so lange nicht erkannt hatte, ganz verlassen? Sollte ich mit dem Gelde noch- mals versuchen, mir ein neues Glück zu gründen, wie und wo? Das waren die Fragen, welche ich mir vorlegte.
Noch weiter jenen Menschen meine Dienste anbieten, die mich so lange
getreten, mich in meinem Unglück wie einen Menschen zweiter Classe be- handelt hatten? Niemals! lieber alles Andere, als das.
lch überlegte: wenn ich meiner Frau ihr Vermögen und auch etwas Er- ziehungsgeld für die Kinder zur Verfügung stellte, meine Schaulden bezahlte, blieben mir immer noch etwas über 2000 Mark. Was aber damit anfangen, ohne wieder in Abhängigkeit zu kommen?
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