Jahrgang 
1894
Seite
284
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284 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. N. 30.

liche weibliche Bedeckung sind. Ich wusste es und trank ihn doch d. b. den Kaffee! Was aber nun thun? 0 wuäre ich doch nicht allein hinausgezogen, seufzte ich und verzweifelt sah ich die Gesellschaft an meinem Tische an: da sass sie, des Hauses treue Häterin, wie eine Gluckhenne zwischen ibren Küchlein und schnitt Berge von Kuchen, dass ich von dem Anblicke schon Leibschmerzen bekam.

Während der Gebieter Aller bei einem Glase Bier zunächst diesen Vor. bereitungen mit der grössten Seelenruhe zuschaute und die alteste Tochter ihrem Verehrer die besten Stücke mit liebenden Blicken zuschob, machte ieh die geistreiche Bemerkung, dass es heute sehr heiss sei. Wat, sehr heess! zerloffen könnte man wie en Stück Butter bei die Hitze, knurrte das Familien- haupt. Nicht mal enen Walzer mag ich tanzen bei der Hitze, sagte die älteste Tochter; die Mutter, der das auch zu Herzen ging, meinte begütigend: na gegen Abend wirds ja kühl, da könnt ihr schon einen rumschwenken. Inzwischen waren die Vorbereitungen beendet und aus dem Riesenkruge floss der beliebte braune Saft. Da meine Tischgesellschaft jedenfalls für die erste halbe Stunde doch nur Sinn für Tischgenüsse hatte, wünschte ichGuten Appetit und schlenderte weiter.

Ich hatte nun die Auswahl, ob ich mich für einen halben Nickel mit der Russischen Schaukel hoch in die Lüfte erheben wollte, oder ob ich mir dafür auf dem Carroussel einen Vorgeschmack der Seekrankheit holen wollte. Da jch keins von beiden wünschte, auch die ausgestellten Schätze der Spielbuden mir nichts Verlockendes boten, so wenig wie der als Seejungfer bezeichnete Seehund, so glaubte ich bereits, dass meine Forschungsreise ergebnisslos sei.

Doch das Schicksal wollte es anders, ich sollte nicht grollend über lange Weile an den Grunewald zurück denken.

Hie Photographie! sollte ich dich ganz vergessen!

Da stand es nun wie eine keusche Maid, so schmucklos und bescheiden, zu Diensten gern bereit:Das Atelier des Moment-Photographen. Ein einfaches Bretterhaus, mit Schildern bunt bemalt, das Einzige, womit man hier nur prahlt, ist die Schnelligkeit, die Alles überstrahlt.

Du sollst Alles prüfen, dachte ich, und trat an die Schaurahmen heran um die ausgestellten Kunsterzeugnisse einer kritischen Betrachtung zu unter- ziehen. Das Ergebniss war ein zufriedenstellendes.

Meine Betrachtungen wurden durch die Anrede unterbrochen:Wollen der Herr sieh photographiren lassen? Ich sah auf, und vor mir stand ein Mann, der kaum das Schwabenalter erreicht zu haben schien; das schwarze, kurz- geschnittene Haar mit dem glattrasirten Gesicht machte den Eindruck, als ob der Mann die Bretter, welche die Welt bedeuten, nicht allzulang verlassen hätte. Es schien mir, dass ich hier ein gestrandetes Genie vor mir habe und ich beschloss, besonders da die ausgestellten Photographieen sich ganz bedeutend über ähnliche Ausstellungen erboben, mir eines jener unzerbrechlichen Bilder anfertigen zu lassen, welche für eine Mark binnen fünf Minuten fix und fertig geliefert wurdep.

Gut, Sie sollen mich photographiren, doch fürchten Sie mein Urtheil. antwortete ich und betrat das Atelier des Künstlers.

Die wenigen nöthigen Vorbereitungen wurden in einer Weise ausgeführt, die mir die Vermuthung, dass ich es mit einem Künstler ersten Ranges zu thuu habe, fast zur Gewissheit werden liess.

Nach den üblichen fünf Minuten hatte ich dann meip tadelloseslch auf einer Blechplatte und musste bekennen, dass es selbst die strengste Kritib nicht zu fürchten hatte. Ich zahlte! Dann frug ich den Moment-Collegen: Wollen Sie mir, bitte, eine neugierige Frage verzeihen? Sind Sie stets Moment- Photograph gewesen? Photograph! Ja! Moment-Photograph seit zwei Jahren, erhielt ich zur Erwiderung und es war mir, als ob ein Stöhnen die Brust des Mannes bedrückte.

Sie scheinen sich nicht glücklich zu fühlen in Ihrem neuen Berufe und ich kann es auch wohl begreifen, da Sie jedenfalls Anspruch auf eine bessere Lebensstellung machen können. Sie befinden sich im Irrthum, mein lerr, ich fühle mich nicht nur glücklich, sondern ich wünsche mir nur immer die ZLu-