Jahrgang 
1894
Seite
285
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Nr. 90.

Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 285

friedenbeit, die ich mir jetzt erkämpft habe. Sie scheinen mehr als blosse Neugierde für die Photographie zu empfinden! Sind Sie Amateur-Photograph? wenn ich fragen darf!

Etwas wie Beschämung empfand ich, als ich gestehen musste, dass ich mir aus langer Weile, gewissermaassen aus Uebermuth, das Bild meines lieben lens anfertigen liess.

Nein! ich bin wie Sie Berufsphotograph, und muss Ühnen gestehen, dass mir ihre Bekanntschaft als Mensch wie College gleich interessant wie ange- nehm ist. Könuen Sie mir mein Spioniren verzeihen, und haben Sie nach Ge- schäftsschluss nichts Besseres vor, so würde ich Sie um Ihre Gesellschaft bitten: da ich ganz allein bin, sind wir desto ungestörter.

Alle Sünden sind Ihnen vergeben, und wenn es Ihnen Spass macht zu hören, wie ich Moment-Photograph geworden bin, so soll Ihnen auch ein Stück Menschenleben bekannt werden, was vielleicht noch interessanter ist.

Da inzwischen neue Kunden eintraten, verabschiedete ich mich um nicht zu stören, mit dem Versprechen zu warten.

Längst färbte die Sonne nur noch den Horizont im glühend rothen Lichte, und bald musste die Dämmerung der sinkenden Nacht weichen. Die Hitze hatte einer erfrischenden Abendkühle weichen müssen, die Menschen sassen und lagen nicht mehr in träger Ruhe um mich herum, sondern sie waren aus dem Dornröschenschlaf erwacht, und die Muthigsten widerstanden auch nicht mehr den Lockungen der Walzerklänge, und vergossen ihren Schweiss zum Vergnügen freiwillig.

In dieser Gesellschaft harmloser Freude flossen Stunden wie Minuten dahin und ich war erstaunt, wie rasch mir die Zeit vergangen war, als mein neu- gewonnener Freund mit herzlichem Gruss au meinen Tisch trat.

Herr H., wie ich den Herrn nennen will, fand die Wahl meines Platzes für eine ungestörte Unterhaltung zu geräuschvoll, und mich gern seiner Führung überlassend wechselten wir unsern Platz. Bald sassen wir denn wie alte Be-

kannte rauchend bei der kühlen Blonden, der auch die übliche Strippe nicht

fehlte, und schwatzten von allem Möglichen, bis Herr H. sich selbst seines Versprechens zu erinnern begann:Sie wollten wissen, wie ich Schnell-Photo- graph geworden bin, und da ich selbst das Bedürfniss empfinde, mein Herz zu erleichtern, so bören Sie: Ich bin der Sohn einer einfachen Bürgerfamilie, und sollte nach dem Willen der Eltern ein Handwerk erlernen, doch mich zog es mächtig zur schwarzen Kunst. Die Bedenken meiner Eltern wusste ich zu beschwichtigen, und mit den Jahren fanden sie meine Berufswahl selbst als die richtige. lch will Sie nicht mit den Schilderungen alltäglicher Ereignisse langweilen, sie unterscheiden sich wenig von den Erlebnissen anderer Photo- graphen. Eine Aenderung trat erst ein, als ich mir den eigenen Heerd gründete.

Zufällig traf meine Wahl die Aermste einer reichen Verwandtschaft, die ich durch die Erlösung aus der Aschenbrödelei mir ganz zu eigen machen wollte. Meine Wahl war keine glückliche, doch ich schwieg. Vor der Welt war ihre Ehre rein, warum sollte ich derselben ein Schauspiel bieten, wo meine Ehre mit der ihrigen so eng verknüpft war. Den Schurken, der das Vertrauen so schnöde gemissbraucht hatte, traf es nicht.

Was soll ich Ihnen nun weiter sagen, ich war enttäuscht, mein Ideal war zertrümmert, das machte mich nervös, reizbar, und blieb nicht ohne Einfluss

auf mein Geschäftsleben.

Mein Chef bemerkte meine Zerstreutheit und machte mich darauf aufmerk-

sam, ich konnte die Wahrheit nicht sagen und wurde entlassen. (Schluss folgt.)

Unsere Kunstbeilage.

Der heutigen Nummer liegt eine Kunstbeilage bei, welche, wie die, meisten unserer Beilagen, dem Ausstellungsbestande der letzten Wanderversammlung des Deutschen Photographen-Vereins in Hildesheim entnommen ist. Es er- regten dort unter den ausgestellten Sachen zwei vorzügliche Vergrösserungen, deren Retouche in Kreide ausgeführt war, allgemeines Aufsehen. Sie stammen von