Jahrgang 
1894
Seite
282
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282 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 30.

gleich der mit einem organischen Entwickler. Nun wird man aber doch nicht annehmen wollen, dass der organische Stoff, der mit dem Silber verbunden gewesen sein soll, sich während der Umwandlung passiv verhalten, aber bei der zweiten Reduction sich wieder mit dem Silber verbunden habe. Das wäre sogar gegen des Verfassers Ansicht, welcher doch ausdrücklich für seine Ver- bindungs-Annahme einen bestimmten molecülaren Zustand des Bromsilbers verlangt, der hier nicht angenommen werden kann.

Zu weiteren Ausführungen muss ich noch Einiges aus dem betreffenden Artikel anführen. Es heisst dort weiter:

Ebenso erzeugen verschiedene Entwickler und Modifikationen desselben Entwicklers verschiedene Grade von Dichtigkeit. Nicht die in Wirklichkeit reducirte Menge des Silbers, sondern die organische Substanz, mit weleber erstere eine Verbindung eingeht, liefert die Dichtigkeit und erzeugt die Farbe des Niederschlags.

Für die Unhaltbarkeit dieser Ansicht ist ein äusserst einfaches Experi- ment von grossem Belang. Man behandelt nàmlich einfach ein Stück Brom- silberpapier mit einem beliebigen Entwickler und setzt es dann dem freien Tageslicht aus, hierbei wird das Papier in wenigen Augenblicken vollkommen geschwärzt erscheinen; eine Bromsilberplatte liefert ein gleiches Resultat und man erhält eine colossale Dichte.

Eine genügende Dichte ist also weiter nichts als das Resultat einer physi- kalischen Wirkung einer genügenden Anzahl über einander liegender Silber- partikelchen. Um diese erwünschte Dichte zu erzielen, kann man eventuell durch aus Silbernitrat niedergeschlagenes metallisches Silber die Anzahl der über einander liegenden Silberpartikelchen erhöhen(physikalische Verstärkung) und so den gewünschten Zweck erreichen.

Der Herausgeber des Brit. Journal ist nun aber nicht der Ansicht, dass es gleichgiltig sei, ob eine Platte viel oder wenig Silber enthalte, vielmehr glaubt er als Grundsatz annehmen zu müssen, dass nur kräftige, silberreiche platten die besten Resultate unter den verschiedenen Bedingungen liefern würden. Ich kann ihm, soweit es sich nicht um Momentaufnahmen haudelt, nur Recht geben. Je mehr Silber nämlich eine Platte enthält, um so grössereu Spielraum bietet sie der Exposition über die Norm hinaus. Es können dann nämlich ohne Schaden die oberen Theile der Schicht solarisiren, da die tieter liegenden immer noch genug entwickelbares Bromsilber enthalten, um ge- nügende Dichte zu geben. Bei annäbernd richtiger Exposition und sorgfältiger Hormichlung aber bietet eine silberreiche Emulsion vor einer andern keinen

orzug.

Die Frage, in welchem Verhältniss die Gelatine zur Emulsion stehen söll, ist schwierig zu beantworten. Eine gelatinearme Platte lässt sich allerdings rascher entwickeln und fixiren, aber man muss berücksichtigen, dass dieselbe auch leichter mechanischen Verletzungen ausgesetzt ist. Ferner muss maßb berücksichtigen, dass dieses Verhältniss auf eine Veränderung der Durchdring- barkeit des Lichtes bei einer dicken Schicht nicht ganz ohne Einfluss ist, wobei man eine seitliche Ausbreitung der Lichtstrahlen als nicht ausgeschlossen ansehen kann.

Der Einwand, dass die Gelatine ein guter Sensibilisator sei und eine Ver- minderung der Gelatinemenge eine Verminderung der Empfndlichkeit nach sich ziehen würde, halten wir nicht in allen Fällen für zutreffend, da die Em- pfindlichkeit bei den verschiedenen Methoden der Herstellung nicht so sehr von der Gelatine abhängig ist. Ueberhaupt sind die allzu hoch empfindlichen platten noch lange nicht das non plus ultra des Photographen. Die Neiguns zum Schleiern u. s. w., die oft solchen Platten eigen ist, wird nicht von den Vortheilen einer kurzen Exposition aufgewogen, das beweist noch immer die Frage unach Kollodiontrockenplatten, wie solche neuerdings präparirt werden.

Man wird im Allgemeinen, soweit es sich um Tagesarbeit im Atelier handelt, mit einer Platte einer mittleren Empfindlichkeit und nicht zu dünner Schicht die besten Erfolge erzielen, da durch eine etwas längere Exposition eine günstigere Lichteinwirkung erzielt, durch die geringere Empündlichkeit aber mit einiger Sicherheit der Schleier vermieden wird.

Yr.