Jahrgang 
1894
Seite
281
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 281

werde. Ich habe seinerzeit diese Annahme resp. Vermuthung widerlegt; dass auch im vorliegenden Falle die Annahme unhaltbar ist, lässt sich leicht beweisen.

Man ist bisher immer der Ansicht gewesen, dass die Reduction eines Metallsalzes zu einem andern Product nur durch Entziehung des Sauerstoffs, resp. bei Halogenverbindungen durch Ausscheiden desselben, erfolge. Die Producte aus letztern kann man nun auf verschiedenem Wege erhalten, näm- lich durch Lichtwirkung allein, durch Lichtwirkung und reducirende Agentien, und auch durch letztere allein. Carey Lea hat durch seine Experimente be- wiesen, dass man unter Luftabschluss und ohne Anwesenheit von organischen Stoffen einzig und allein durch Lichtwirkung aus einem Silberjodid ein tinten- schwarzes Product bilden kann. Es ist ferner hinlänglich bekannt, dass man mit der gleichen Entwicklüngssubstanz auf Chlorsilber sowohl wenig intensive gelbrothe Töne, als auch das dichteste Schwarz erzielen kann; es kann hier also von einer Verbindung der organischen Substanz des Entwicklers mit dem

Silber keine Rede sein, indem sich sonst doch ein gleichartiges Product bilden

müsse.

Der Verfasser ist indessen von der Richtigkeit seiner Ansicht überzeugt, denn er sagt weiter:

Es ist zweifellos, dass die Fähigkeit oder Neigung des Silbers sich während seiner Reduction durch den Entwickler mit organischer Substanz zu verbinden je nach dem NMolecülarzustand des Bromsilbers bei seiner Bildung, eine verschiedene ist. Verf. hat z. B. Emulsionen bereitet, von denen jede die gleiche Menge Bromsilber enthielt, und Platten jedesmal mit der gleichen Menge dieser Emulsionen gegossen. Sie wurden zusammen getrocknet, gleich lange exponirt und in derselben Schaale bis zu einem Punkte entwickelt, in welchem der Detailreichthum auf den verschiedenen Platten ein übereinstimmender war. Die efine Emulsionssorte hatte dabei stärkere Dichtigkeit geliefert, als irgend ein Copirverfahren erfordern würde, während die andere Emulsionssorte kaum mehr als eine Spur eines Bildes ergeben hatte.

Die Menge des reducirten Silbers mochte in Wirklichkeit in jedem Falle dieselbe gewesen sein, aber in dem einen Falle hatte das Silber die Kraft besessen, sich mit organischer Substanz zu verbinden, im andern nicht.

Auf dieses einfache Experiment soll also eine nach unserer Ansicht un- haltbare Theorie aufgebaut werden. Es ist jedem Fachmann bekannt, dass, wenn mau zwei Platten sehr verschiedener Empfindlichkeit gleich lange ex- ponirt und im gleichen Entwickler entwickelt, man zwei verschiedene Nega- tive erhalten muss. Wird aber innerhalb gewisser Grenzen der Entwickler moderirt, so erhält man annähernd gleich gute Negative.

Der ganze Sachverhalt beruht aber nur darauf, dass Belichtungszeit und Empfindlichkeit bei Anwendung eines bestimmten Entwicklers harmoniren müssen, wenn man ein befriedigendes Resultat erzielen will. Genauer gesagt, muss die Lichtwirkung der Reductionskraft des Entwicklers proportional sein; ist erstere grösser, so tritt Solarisation ein, ist sie geringer, so findet keine Reduetion statt. Dies gilt indessen speciell für jedes Bromsilberpartikelchen. Es können mithin die obern Schichten der Silberbromschicht solarisirt sein, während die darunter liegenden noch ein Bild ergeben können. Sind alle über einander liegenden imaginairen Schichten der Bromsilberschicht ziemlich gleichmässig belichtet und zwar in der Weise, welche der Norm ziemlich nahe kommt, so erhält man sicherlich die nöthige Dichte. Ist aber ein Theil der Schicht solarisirt, so erhält man um so weniger Dichte, je dünner der noch entwickelbare Theil der Schicht ist. Bei ungenügender Lichtwirkung(Unter- exposition) tritt der umgekehrte Fall ein. Hier haben eine zu geringe Anzahl unter einander liegender Bromsilbermolecüle eine genügende Lichtwirkung er- fahren, eine starke Deckung aber ist bei der geringen Dicke des entwickel- baren Theils der Schicht nicht möglich. Dass aber thatsächlich eine Verbin- dung des Silbers mit dem organischen Stoff zur Erzielung der Dichte nicht stattfindet, lässt sich einfach beweisen...

Behandelt man nämlich ein Negativ mit einer geeigneten Bromlösung, so erhält man bekanntlich ein aus Bromsilber gebildetes Positiv. Dieses kann man nun mittels Silbernitratlösung wieder schwärzen, also eine Reduction

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