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274 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 99.
Von der Anwendung dieses Mittels zu einem spiritistischen Ulk, welcher sehr geeignet ist den Glauben an die Geistereinwirkung in der Photographie zu zerstören, erzählt Taylor selbst nachstehende interessante Historie.
Eine etwas muthwillige junge Dame, welche einen besondern Hang zu den Wissenschaften batte, und bei Gelegenheit eines Meetings der Brit. Association von den eigenthümlichen Wirkungen der Chininlösung in der Photographie horte, kam durch Nachdenken zu folgendem Schluss und darauf basirenden muth. willigen Streich. Sie überlegte folgendermaassen; Wenn eine entsprechende Chininlösung auf bapier unsichtbare Zeichen giebt, welche in der Photographie indessen schwarz erscheinen, so muss dasselbe auch auf der Haut der hall sein. Sie stellte sich uun eine solche Lösung her und malte sich damit audf ihre reizende Stirne einen Todtenkopf mit obligaten gekreuzten Beinknochen, die Zeichnung war natürlich für das Auge unsichtbar. Nun ging sie in allen Gemütsruhe zu einem Photographen um sich Portraits machen zu lassen. Die Aufnahme verlief in gewöhnlicher Weise bis zur Entwicklung der Platte. Hier gab es einen Wortwechsel zwischen dem Operateur und dem Lehrling. in welchem dem letztern vorgeworfen wurde, dass er eine alte oder verdorbene Platte präparirt habe.(Der Vorgang wird sicb in der Kollodionzeit ab- gespielt haben.) b
Es wurde nun ein zweites Negativ gemacht mit dem Erfolg, dass der Operateur verwirrt und entsetzt die Dame anstarrte und dann in grösster Lile zum Principal rannte. Beide, Principal und Operateur, begaben sich nun in die Dunkelkammer um mit vereinten Kräften ein neues Negativ zu erzeugen. Nach einer Erklärung seitens des Operirenden, dass in der Atmosphäre anwesende Elektricität auf die Chemikalien in den beiden vorhergehenden Aufnahmen eingewirkt haben, wurde nun mit aller Vorsicht zu einer tritten Aufnahme ge- schritten. Kaum war indessen die Platte entwickelt, als Operateur und Assistent bleich und aufgeregt aus der Dunkelkammer rannten, und erklärten, dass auf jedem Negativ die Stirne der aufgenommenen Dame mit dem Zeichen des Todes geschmückt sei. Die Negative wurden vorgelegt und liessen keinen Zweifel an der Thatsache aufkommen? Was war nun zu thun?
Es folgte nun zunächst eine Auseinandersetzung, in welcher sich die Dame nieht damit einverstanden erklärte das Opfer der Absurditäten eines Geister-⸗ photographen werden zu wollen. Der Photograph seinerseits gab ihr zu ver- stehen, dass er sie für einen Gesandten und persönlichen Freund des bekannten Feindes der Menschen halte.
„Ich werde morgen wiederkommen“, sagte schliesslich die Dame im süssesten Ton,„weun Sie mir versprechen, nicht Ihre Geisterkunststücke au mir ausüben wollen“.
„Nicht für zehntausend Welten sollen Sie noch einmal den Fuss in mein Atelier setzen“, eutgegnete der Lichtbildner.
„Ah!“ entgegnete sie„lachend, ich werde durch das Dach kommen und Sie jeden Tag besuchen, wenn Sie frei sind“, damit verschwand sie.
„lch wusste es“, stöhnte der Photograph,„ich fühlte den Schwefelgeruch- als ich an sie herantrat“.
Dieses interessante Geschichtchen lehrt deutlich genug, wie Geisterpboto- graphieen erzeugt werden, und wie wenig die Geister damit zu thun haben, Es ist, gerade herausgesagt, entwürdigend für die Photographie, dass sie einem soleben Unternehmen, wie es beim Spiritismus der Fall ist, dienstbar gemacht werden soll. Dieser Ansicht ist auch die London Provincial Ph. Association, welche die Ausführungen und Ansichten Mr. Taylors, so glaubenswürdig sie erscheinen, einer scharfen Kritik unterzieht. Es heisst dort unter Anderem:
„Mr. Taylor gab in seinem Bericht Beispiele von der Photographie des Unsichtbaren, unter Anwendung von Methoden, welche den Männern der Wissenschaft wohl bekannt sind; er beschreibt auch einige der gängigen Ne- thoden zur Erzeugung von Geisterphotographieen. Die wirkliche Natur dieser Bilder ist dann ein Gegenstand, welchen man nur leicht, und nun vom Stand- punkt der Vermuthung, berühren kann. Obschon Taylor versichern will, dass Fehler ausgeschlossen seien, ist es bei der Anzahl der Wege, welche es zur Her- stellung entwickelbarer Bilder auf empfindlichen Schichten giebt, nicht aus-


