Jahrgang 
1894
Seite
273
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Nr. 29. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 273

oben blicken zu lassen. Da erst war es möglich, das ganze Gebäude aufzu- nehmen; die Aufnahme fand in Cabinetformat statt.

Die Grössenverhältnisse des auf dieser Platte befindlichen Hauses waren am Fusse des Bildes 112 mm und in der Mitte 109 mm. Die beiden verlängerten Seitenlinien des Hauses zeigten am Rande des Cartons unten die Entfernung von 116 mm und oben eine solche von 94 mm, also eine ganz erkleckliche Schief- stellung. Solche Bilder mag man doch nicht gern fortgeben und wenn sie auch nur für den allerintimsten Privatgebrauch bestimmt sind. Vernichten der Platte ging auch nicht gut, denn verschiedene befreundete und bekannte Personen hatten sich im Vordergrunde aufgestellt und mochten doch auch gern ein Conterfei haben. Wir gingen nun, nachdem wir zu Hause die Entwicklung besorgt hatten, daran, von dem Bilde ein Diapositiv zu machen; zu dem Zwecke wurde, wie das gewöhnlich geschieht, die Platte inwendig auf die Mattscheibe einer alten Camera befestigt, sodass die Mittellinien des Bildes senkrecht zu stehen kamen. Durch das Objectivbrett dieser alten Camera wurde das kleine Objectiv einer Reproductionscamera gesteckt und in dieser letzteren Camera nicht nur die Mattscheibe nach vorn übergeneigt, soweit als es nur irgend möglich war, sondern auch, weil gar nichts genügen wollte, unter das Laufbrett der Camera eine Leiste von etwa 3 cm Stärke geschoben. Dadurch erhielt die Camera die richtige Schiefstellung. Das Bild erschien auf der Mattscheibe, auf welcher senkrechte Bleistiftstriche angebracht waren, voll- kommen senkrecht. Das Diapositiv zeigte allerdings die Ränder des ursprüng- lichen Negativs als durchaus nach unten hin divergirend, doch waren die Linien des Gebäudes senkrecht, die Aufgabe also völlig gelöst. Ein hiernach mit, senkrechter Stellung der Camera gefertigtes Negativ gab dann eine voll- kommen correcte Wiedergabe des betr. Hauses.

Wir können dieses Vorgeben, was uns schon wiederholt Dienste geleistet hat, nur empfehlen. Allerdings solche starke Differenzen haben wir noch nie zu überwinden gehabt, als wie sie bei dieser Aufnahme auftraten.

Spiritismus in der Photographie.

(Schluss.)

Der Autor fragt nun:Wie kamen diese fremden Figuren auf die Platte?

Diese Frage ist ihm um so weniger nach seiner Ansicht zu beantworten, als er versichert, dass in seiner Gegenwart Niemand die Platten in der Hand ge- habt hat. Darum führt er des Weitern aus: Haben Linse und wirkliches Licht niehts mit diesen Figuren zu thun? Schliesslich glaubt er, dass der Vorgang mysteriös genug sei, um ihn mit der Hypothese über Geister, deren Thätigkeit u. 8. w., kurz dem modernen Spiritismus, in Verbindung zu bringen. Es entstebt nun die grosse, wichtige Frage, auf welche Weise ist Mr. Taylor das Opfer einer Täuschung geworden, denn dass eine solche immerhin möglich war, ist trotz aller angewendeten Vorsichtsmaassregeln doch wohl sicher. Taylor giebt in seinem Artikel einige der gewöhnlich angewendeten Methoden an, wir wollen mit kurzer Beschreibung derselben dem Leser die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Urtheil über den Werth der Experimente des Autors zu geben.

Zunächst zu erwähnen ist hier die Wirkung einer Lösung aus Chininbisulfat. Diese erscheint dem Auge wasserbell und wenn man damit auf weisses Papier schreibt, ist die Schrift vollständig unsichtbar. Photographirt man nun in- dessen das beschriebene Papier, so tritt die vorher unsichtbare Schrift tief- schwarz hervor. Ausser dem Chinin giebt es noch eine Anzahl andere Sub- stanzen, welche diese eigenthümliche Wirkung hervorbriugen. Man hat nun auf Grund dieser Thatsachen den Schluss gezogen, dass es auch in den Augen mancher Personen ein eigenthümliches fluorescirendes Medium gebe, welches den betreffenden Personen die Fähigkeit verleihe, dem Auge des gewöhnlichen Menschen unsichtbare Lichtstrahlen in derselben Weise wahrzunehmen, wie die empfindliche Bromsilberplatte durch das für unser Auge unsichtbare ultraviolette Licht beeinflusst wird.