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Nr. 29. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 275
geschlossen, dass seine Vorsichtsmaassregeln ungenügend waren. Wenn Jemand ein Interesse daran hatte, war es so sehr schwierig nicht, das Plattenpacket mit einfachen Platten durch ein solches mit eigenartig präparirten Platten, sagen wir mit solchen, welche mit phosphorescirenden Photographieen in Con- tact gebracht wurden, und welche die gleiche Grösse der von Taylor ge- brauchten batten, im Laden oder auf der Strasse zu vertauschen.“
Zum Schluss heisst es weiter:„Es ist mögliceb, dass wir der Sache zu viel Wichtigkeit beigelegt haben, aber es muss erinnert werden, dass in der ſetzten Zeit Photographen in ausgedehnter Weise das offenherzige Volk durch professionelle Anfertigung von Photographieen des Todes betrogen haben und diesem Missbrauch der Photographie wollen wir entgegentreten“.
Auch wir sind der Ansicht, dass es sehr leicht ist mit eigens präparirten Platten eine Täuschung in der angegebenen Weise durchzuführen; es eignet sich hierzu auch die Uebertragung des Bildes von einer belichteten Platte auf eine andere unbelichtete. Wir haben einmal einen solchen Fall gesehen, der stark an Geisterphotographie erinnerte.
Für Manchen dürfte es interessant sein, etwas Näheres über die oben an- gegebenen Leuchtphotographieen(phosphorescirende Photographie en) zu hören. Dieselben kann man mittels des Einstaubprocesses erzeugen, indem man die belichtete Schicht mit einem entsprechend fein gepulverten phosphorescirenden Präparat einstaubt. Man kann auch eine ebene Unterlage mit einer Leucht-
farbe bestreichen, auf diese ein Diapositiv legen und das Ganze dem Licht
aussetzen, wodurch man ein deutliches leuchtendes Bild erhält. Auf diese Weise liesse sich der Ausschnitt und Vignettireffect in Taylors Experimenten erklären.
Es ist aber auch ebenso leicht die„Geister“ auf der Platte durch vorher- gehende Exposition zu erhalten, was dann grossen Effect machen wird, wenn nicht scharf eingestellt und nur kurz exponirt wird; man erinnere sich daran, dass Taylor von seinen Figuren sagt: Einige waren im Focus, andere nicht u. s. w. Gott sei Dank! sind wir in Deutschland noch nicht so weit gekommen, dass wir an eine Action übersinnlicher Geschöpfe auf unsere Platten glauben, und wenn Mr. Taylor glaubt, dass das dennoch der Fall sei, so sind dies Privatansichten, die wohl Niemandem als Richtschnur dienen werden. Wir müssen ihm bei aller seiner Vorsicht und Sorgfalt den Vorwurf machen, dass seine Maassregeln ungenügend waren. Er hätte einfach einmal mit geschlossenem Schieber exponiren müssen, dann würde es sich ergeben haben, ob der Geist sein Recht behauptet und, aufseine Uukörperlichkeit pochend, durch den Schieber her sein Bild auf die Platte entworfen haben würde. Wir vermissen auch die Angabe über das Costüm der Geister, ob dieselben in traditionellem Weiss in fliegenden Gewändern, oder in decentem Schwarz oder gar à la mode er- schienen sind, was zu wissen doch gar interessant sein würde, um so mehr, als die meisten Menschen doch in einem gauz einfachen Habit in die dunkle
kühle Gruft steigen. So lange also nicht ein vollgiltiger Beweis geliefert
wird, sind wir, und hoffentlich viele Andere, in dieser Angelegenheit Ungläubige.
Personalia.
Herr Photograph J. A. Schaller in Schweinfurt erhielt von Sr. königl. Hoheit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern eine werthvolle Busennadel mit Brillanten für vorzügliche Momentaufnahmen zur Erinnerung an den Besuch des Prinzregenten am 2. Juni.
Literatur. Meyers Volksbücher;, neue Folge, Nr. 1037— 1056. Preis jeder Nummer geheftet und beschnitten 10 Pfg. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. Die neue Folge enthält zunächst Joh. Fischarts, des berühmten, witz- sprudelnden Satirikers burleskes„Jesuitenhütlein“(Nr. 1055).—„Des Knaben Wunderborn“, alte deutsche Lieder, gesammelt von L. Achim von Arnim und
Clemens Brentano(Band I, Nr. 1041/⁄45; Band II, Nr. 1046/50; Band III, Nr. 1051/54). Kein Geringerer als Goethe war es, der dieser Fundgrube


