Jahrgang 
1894
Seite
258
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258 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 2.

Habent sua fata libelli! Je öfter man veranlasst wird, einmal wieder ein Buch des Herren Professor Husnik in die Hand zu nehmen, um so unverständ- licher wird Einem mir wenigstens der in immer neuen Auflagen sich zeigende Erfolg derselben. Bei der heutigen Regsambeit des Buchhandels auf photographischem Gebiete ist auch nicht einmal die früher bis zu einem gewissen Grade zutreffende Erklärung mehr zur Hand, dass faute de mieux das Vorhan- dene genommen werden muss. Diese Gedanken erregt auch wieder die vorliegende neue Auflage desLichtdruckes. Es handelt sich hierbei weniger um Einzel- heiten, wiewohl auch da Bedeuken genug nicht zu unterdrücken sind. Aber vor Allem: Die Hebung des methodischen Niveaus, welche die photographische Literatur der immer reichlicheren Mitwirkung der meist wissenschaftlich hoch stehenden, vielgeschmäͤhten Liebhaberkreise zu verdanken hat, ist an dem Ver- fasser spurlos vorübergegangen. Wenn mau sich entschliessen kann, vou sachlichen Gesichtspunkten völlig abzuseben, bietet die patriarchalische Dar- stellungsweise Husniks dem Leser eine gewisse Art von Genuss. Aber wer ernsthafte Belehrung sucht, oder wer als leidlich Wissender eine befrie- digende Zusammenfassung des zerstreuten Erreichten erwartet, dem ist nur zu sagen: lasciate ogni speranza voi che entrate! Er kann nur Euttäuschungen erleben.

In der Vorrede stellt der Verfasser ganz zutreffend fest, dass der Port- schritt auf dem Gebiete des Lichtdruckes in den letzten Jabren sich wesentlich nur in den Verbesserungen der Schnellpressen und der zum Druck geeigneten Papiere vollzogen hat. Da berührt es nun mindestens wunderlich, sieben Seiten mit sechs verhältnissmässig grossen Abbildungen noch immer an die Schilde- rung derrotirenden Lichtdruckschnellpresse gewendet zu sehen. Diese maschinentechnisch sehr interessante Presse findet sich nämlich bereits seit etwa einem Jahrzehnt nicht mebr in den Preisverzeichnissen der Leipziger Firma Schmiers, Werner& Stein, welche dieselbe seiner Zeit construirt hat. Schon vor Erscheinen der vorigen Auflage desLichtdruckes hat mir die Fabrik mitgetheilt, dass die Maschine sich in der Praxis nicht bewährt und infolgedessen auch nicht eingeführt habe, und dass dieselbe nicht mehr bergestellt werde. Davon steht auch in einer Auflage von diesem Jahre noch kein Wort zu lesen.

Bezüglich der Druckpapiere handelt es sich doch eigentlich nur um das Pyramiden-Kornpapier. Dasselbe wird imAnhang auf der letzten halben Seite erwähnt. Das ist jedenfalls besser als gar nicht; aber so wichtige Lzur eigensten Sache selbst gehörende Dinge gehören in den Zusammenhang des Textes; und wenn etwa was in diesem Falle nicht unmöglich ist die Neuerung dem Verfasser erst während des Druckes bekannt geworden ist, 80 geziemt sich, dass das gesagt wird, damit einestheils der Leser darauf hia- gewiesen wird, sich selbst die Sache in ihren richtigen Zusammenhang stellen, und der Verfasser vor dem sonst nur zu gerechtfertigt erscheinenden Verdachte bewahrt bleibe, als ob er seine neuen Auflagen nicht sowohl dureb- arbeite, als vielmehr bloss durch mechanischeAnhänge oder riebtiger Anhaängsel notbdürftig und möglichst mühelosauf dem Laufenden zu er. halten? bestrebt wäre. NMan soll von einer derartigen Praxis schon manchmal

Proben gesehen baben!

Dagegen aber beisst es in der Vorrede weiterist die Anwenduug des Lichtdrucks. für den Emailprocess und besonders für den photographischen Dreifarbendruck unübertrefflich, indem er die Töne des Negativs am treuesten wiedergiebt, und bei dem autotypischen Process, der für Buchdruck und Litho- graphie sich eignet, nur mit Hilfe von grosser Retouche in den Lichtern ermög- licht werden kann.(Wer oder was?*²!)

Nun weiss Jeder, der sich um diese Dinge ein Bischen bekümmert, dass es mit dem Lichtdruck imEmailprocess, d. h. bei der Uebertragung aud Porcellan zum Einbrennen für den gewerblichen Betrieb zum wenigsten noch recht kläglich steht, trotz der eifrigen Bemühungen, die z. B. die Berliner Firma Zahn& Schwarz der Sache seit Jahren, zum Theil auf der Grundlage eigener patentirter Verfahren, zugewendet hat. Davon erfährt man natürlich aber auch nicht ein Sterbens wörtchen.