Jahrgang 
1894
Seite
257
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 257

je nach Zeit, Temperatur und Arbeitsmaterial. Kurz man arbeite nicht nur mit den Händen, sondern auch, und zwar in erster Linie, mit dem Kopfe. Beispielsweise wird vorgeschrieben: Silberbad neutral, Stärke 1:81:10,

Schwimmzeit 5 Minuten. Das Bad kann jedoch ebensogut sauer reagiren, 1: 12

stark sein, das Papier nur 2 Minuten schwimmen und die Resultate trotzdem vorzügliche sein, während vielleicht unter gleichen Nebenumständen die genaue Vorschrift einen minder guten Erfolg ergiebt. Man trage doch stets den näheren Umständen Rechnung. Schwächeres Bad durchdringt viel leichter die Albuminschicht, als ein starkes. Làângeres Schwimmenlassen des Papiers auf ersterem Bade würde des stricte Gegentheil einer Correctur ergeben. Diesen Fehler kann man häufig bei dem Copiren beobachten. Sehr viel gesündigt wird auch beim Trocknen. Da sieht man denn zuweilen die Bogen zusammen- geschnurrt, mit einer Ecke an der Schnur hängend, zur Hälfte nass, zur Hälfte rappeldürr. Kein Wunder, wenn dann die Bilder später eine rissige, zerplatzte Oberfläche zeigen. Aber nicht etwa die Nachlässigkeit, bewahre, das Papier träâgt daun immer die Schuld. Es taugt nichts, hört man dann sagen, bei Celloidin kommt das doch nicht vor. Nun, wir wollen die Ge- rechtigkeit nicht mit Füssen treten und keine Parteibrille uns auf die Nase klemmen. Ich besitze selbst Bilder, die vor ungefähr 10 Jahren mit Liese- gangs Chlorsilberkollodion angefertigt, im Kreidebad getont und hierauf fixirt wurden, sie sehen noch heute so frisch aus, wie eben angefertigt. Aber die Festigkeit der Schicht? Kollodion! O rühret, rühret nicht daran!

Inzwischen wird der Kampf von beiden Parteien beharrlich weiter ge- führt. Hie Albumin, hie Celloidin, ertönt es von allen Seiten! Jeder sucht das eroberte Gebiet zu bebaupteu und den Gegner noch weiter zurückzudrängen. Was aber der Sache bedeutend nützen könnte, wäre entschieden eine Kampfes- weise mit offenem Visir. Wir sind heute an dem Punkte angelangt, wo ein grosser Theil der Fachphotographen thatsächlich nicht weiss, welcher Seite er zuneigen soll. Immer und immer wieder hört er eifrige Heerrufer mit glühender Begeisterung des Celloidins Vorzüge ausposaunen, doch er sieht sie nicht, diese Rufer für die gute Sache, der bekannte Mantel verhüllt mit hoch aufgeschlagenem Kragen die Gestalt.

Warum verkappt? Warum?

Personalien. Am 27. Juni waren es 25 Jahre, dass unser Vorstandsmitglied Herr Oscar Suck in Karlsruhe i. B.

sein Atelier gründete. Dass dieses zu den besten in Deutschland gebört, wissen unsere Leser jedenfalls auch ohne dass wir ihnen es mittheilen. Viele Beilagen zur Deutschen Photographen-Zeitung, zum Deutschen Photo- graphen-Kaleuder und auch das Kunstblatt für die Mitglieder des Deutschen Photographen-Vereins für 1890 haben biervon genügend und beredtes Zeugniss gegeben. Wir wünschen dem Jabilar, der noch vor einigen Wochen auch die 30 jäbrige Mitgliedschaft im Photographischen Verein zu Berlin feiern konnte, für seine ferneren Lebenstage den Erfolg und die Befriedigung, die er in seinem Streben nach dem Guten und Schönen in der Photogra- phie bisher suchte.

Unser Mitglied Herr Hofphotograph Fritz Schumann in Kissingen erhielt von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzregenten Luitpold von Baiern eine werthvolle Busennade] mit Brillanten geschmückt für vorzügliche Moment- Aufnahmen zur Erinnerung an den Besuch des Prinzregenten am 2. Juni.

has Gesammtgebiet des Lichtdrucks, die Emailphotographie und anderweitige Vorschriften zur Umkehrung der negativen und positiven Glasbilder. Bearbeitet von J. Husnik. Mit 41 Abbildungen und 7 Tafeln. Vierte vermehrte Auflage. Wien, Pest, Leipzig. A. Hartlebens Verlag. 1894.