Jahrgang 
1894
Seite
256
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256 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 2). V

und Enden Amateurphotographen auf wie aus der Erde gestampft. Es macht ja so riesigen Spass, das Photographiren mit Trockenplatten, uur das hertig- machen der Abzüge ist eine so langweilige Sache. Man hatte bis jetzt aus- schliesslich Albuminpapier verarbeitet. Nicht lange dauerts, und Aristo und Celloidin erschienen auf der Bildfläche.

Heidi, war das eine Lust! Haltbares, lichtempfindliches Papier, copiren, tonfixiren, auswaschen, aufziehen fertig ist das Bild! Allgemeiner Jubel, besonders im Lager der Amateurphotographen. Celloidin und wieder Cel- loidin war das Feldgeschrei. Auch Photographen wurden von der herr- schenden Strömung unbarmherzig ergriffen und willenlos mitgerissen. Vou Letzteren schwimmt noch heute ein ansehnlicher Theil mit, aber Viele fangen bereits an, die Sache etwas unheimlich zu finden. Sie merken, es hängt ein schwarzer Faden in der Celloidingeschichte. Der Eine wundert sich, dass seine Bilder nach kurzer Zeit ganz anders aussehen, wie damals, als er sie aufgezogen. Sie sind am Lichte ganz fuchsig geworden. Dem Andern wurden sie gelb, oder gar grün. Einem Dritten stehen schon die Haare zu Berge, wenn ihn ein Kunde besucht, dem er vor Kurzem Celloidinbilder geliefert. In welchem Zustande mögen sie wohl sein, denkt sich gleich College Lichtbruder schuldbewusst. In der Fachpresse überstürzt man sich geradezu mit Fragen und Antworten über diese Calamitäten.

Da wird nun alles Mögliche in Vorschlag gebracht, alle nur erdenklichen Recepte dem kranken Pflegling verschrieben: Aenderung des Tonfxirbades,

kein Blei, keine Säure, kein Rhodan, kein Alaun und als schliesslich nur

noch Natron und Gold übrig blieben kein Natron! Da war man allmäbhlich wieder beim einfachen Goldbade mit vorherigem Wässern und darauffolgender Fixage angekommen.

Ich wage zu behaupten, dass das Celloidinpapier nie in die Lage gekommen wäre, im Copirrauwe des Fachphotographen eine dominirende Stelle zu spielen, hätte ibm das Tonfixirbad hierzu nicht hilfreiche Hand gereicht. Besonders das Tonfixirbad ist es gewesen, welches die Apostel des Celloidins auf ihren Werbefahrten als leuchtendes Triumpbzeichen ihrer Flagge aufzudrücken für zweckdienlich fanden. Es ist nicht zu leugnen, Siege hat dieses Papier er- rungen. Welcher Werth diesen Siegen aber beizumessen ist, das wird uns genügend klar, wenn wir sehen, wie man allgemein der einfachen Behandlungs- weise im Tonfixirbade den Rücken kebrt. Man kann sich nicht mehr der Einsicht verschliessen, dass der einzige, wesentliche Vorzug des Celloidin- papieres nur noch in der grösseren Lichtempfindlichkeit neben steter Gebrauchs- fertigkeit gefunden werden kann, während diesem Factum der Nachtheil der leichten Verletzlichkeit der Schicht gegnübersteht, wobei die Veränderlichkeit des Silberbildes immer noch zum Theil seinen fragwürdigen Charakter behält.

Die daraufbezüglichen Abhandlungen in der Fachpresse, die vielfachen Fragen und Antworten nach dieser Richtung zeigen uns, welche Aufregung in der Photographenwelt die Frage der Existenzberechtigung dieses Papiers hervor- gerufen bat. Die Begeisterungsflamme der bisherigen Anhänger dieserNeuheit schrumpft zusehends ein und Viele, sebhr Viele tappen bereits im Finstern, nicht wissend, sollen sie vor- oder rückwärts gehen. Sie war doch zu schön,

die einfache Behandlungsweise! Aber ach, der hinkende Bote, ja, der kommt nach!

Da heissts denn aufgerafft. Ein kleiner Anlauf, ein gelinder Spraung über die Grenze dieser beiklen Sphäre hinaus und wir finden uns wieder an der Silberbadschaale und präpariren unseren Tagesbedarf von Albumigopapier. Freilich ist die Sache hier etwas weniger einfach. Der Erfolg hängt zum grössten Theil von uns, von unserer Arbeitsweise ab, während bei Celloidin der Erfolg sozusagen käuflich zu haben ist. Hier liegt der Haase im Pfeffer! Manche glauben Alles gethan zu haben, um die besten Erfolge zu erzielen, weil sie genau nach den Vorschriften berühmter Männer arbeiteten, der Erfolg blieb trotzdem aus. Das ängstliche Anklammern an eine Vorschrift Kkann unter Umständen gerade den Misserfolg nach sich ziehen. Zweckloses Herum- modeln an einer Vorschrift kann allerdings zu nichts führen, aber man moderire