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Nr 27. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 259
Was über den photographischen Dreifarbendruck gegeben wird, ist über- aus dürftig. Ein leidlich aufmerksamer Besucher eines der grösseren Fach- vereine wird ungefähr ebensoviel, wenn nicht mehr und grossentheils Besseres, aus den Verhandlungen während der letzten zwei Jahre mit nach Hause ge- nommen haben.
Die„Unübertrefflichkeit“ des Lichtdruckes ist hier bis jetzt eine rein theoretische, und aus begreiflichen Gründen. Die einzige, wirklich grosse Hauptschwierigkeit beim Dreifarbendruck besteht nämlich darin, dass in den natürlichen Gegenstäanden die drei Grundfarben gleichmässig zwischen und neben einander auf der Oberfläche liegen, während es beim Druck um so weniger vermieden werden kann, dass dieselben sich zudecken und infolge- dessen sich gegenseitig verändern, je feinere Halbtonplatten zum Druck benutzt werden. Fast die feinste photographische Halbtondruckplatte aber, die wir bis jetzt besitzen, ist bekanntlich die Lichtdruckplatte. Daher bat bisher der Lichtdruck nur in Proben, in Versuchsexemplaren allenfalls genügt; die ein- zigen leidlich brauchbaren Auflagen aber, die bislang das Tageslicht erblickt haben, sind Autotypieen— wie ja auch Husnik sich wohlweislich gehütet hat, seinem Buche eine andere als eine Autotypie-Beilage(beiläufig das Werth- vollste an dem ganzen Buche) zur Erläuterung des Dreifarbendruckes beizu- geben. Kein Wissender wird ihm glauben, dass dies nur aus Sparsamkeits- Rücksichten geschehen sei. Man denke! In einem Lehrbuche des Lichtdruckes, das ausdrücklich die unbedingte Ueberlegenheit desselben für den Dreifarbendruck über alle anderen Processe behauptet, theilt man als Muster Autotypieen mit! Das spricht doch für sich selbst!
Da Herr Professor Husnik übrigens auch ein Werk über Zinkätzung und was damit zusammenhängt herausgegeben hat, möchte ich mir erlauben, ihm zu ratben, dass er vor Veranstaltung einer etwaigen neuen Auflage desselben sich die Mühe nicht verdriessen lassen möge, seine Anschauuugen über diesen wichtigen Zweig der photograpbischen Technik an der Hand gewisser That- sachen, die ihm bis jetzt entgangen zu sein scheinen, zu klären. Wenn er sich einmal die amerikanischen Autotypieen, von denen z. B. jedes Heft von„Paper and Press“(Philadelphia) mehrere bringt, ansehen will, so wird er sofort er- kennen, dass er in einem schweren Irrthum befangen ist, wenn er weint, dass die Autotypie die zarten Töne des Negativs„nur mit Hilfe von grosser Retouche in den Lichtern ermöglichen kann“. Er wird zu seiner grossen Ueberraschung finden, dass dort die blendendsten Lichter ohne die geringste Unterbrechung des Punktnetzes„ermöglicht“ werden, und sich dann wahrscheinlich leicht selber sagen, dass unsere Uebung„grosser Retouchen“ beschämendes Zeugniss von einem bedauerlich tiefen Stande dieser Technik bei uns ablegt, an dem ein erheblicher Theil der Schuld auf das Conto unserer bislang völlig unzuläng- lichen photographischen Belehrung und Beurtheilung auf diesem Gebiete zu sehen ist. Ich will ihm hierbei gleich verrathen, dass dieser traurige Zustand unserer Autotypie aus einer Art von Anpassung unserer Aetztechnik an die Unzulänglichkeit unserer Drucktechnik hervorgegangen ist. Denn bei genügend weiter Umschau kann es nicht schwer fallep, festzustellen, dass ameri- kanische Clichés, in Deutschland abgedruckt, sich noch viel schlechter aus- nehmen, als unsere Autotypieen, und dass deutsche Clichés, in Amerika ge- druckt, in überraschender Weise die davon bier gemachten Abdrücke in Schatten stellen.
Der Schlussangabe der Vorrede, dass auch das orthochromatische Ver- fahren„aufgenommen“ sei, entspricht der Thatbestand nur sehr bedingter
Weise; indessen wäre das kein erheblicher Fehler des Werkes, wenn es der
einzige, oder richtiger der wesentlichste wäre.
Berlin, im Juni 1894. Bruno Meyer.
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Internationale Amateur-Photographen-Vereeniging in Groningen. Vom 2.— 10. Juni d. J. fand die von der Amateur-Photographen-Vereeniging welcher Photo-
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