Jahrgang 
1894
Seite
251
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Nr. 26. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 251

derer Richtung hin belangreich sein, wenn z. B. es sich in der Untersuchung

darum handelt, eine minimale rothe Färbung der Magenschleimbaut, des

Herzens ete. nachzuweisen, und wenn man Blutspuren, deren Entfernung ver- sucht worden, auf grosse Flächen vermuthet. Man kann nicht ganze Mauern, Fussböden, Tuche ete. chemisch und miskroskopisch auf Blut untersuchen lassen, man muss sie zuerst photographiren und dann die Stellen, die auf der Photographie verdächtig erscheinen, einer weiteren Untersuchung unterwerfen.

e) Die Photographie zur Feststellung der Identitàt.

Hier ist bereits beträchtlich viel geschafft; die Arbeiten von Bertillon (Anthropometrie), Douglas, Galton, W. Mathews(geometrische Identification), F. Hément(Bedeutung verschiedener Berufe) sind allgemein bekannt; bezüglich ihrer Bedeutung brauchen sie nicht näher besprochen zu werden. Was bier noch geschehen kann, ist unabsehbar.

d) Photographieen zu Ausforschungen.

Handelt es sich darum, das Bild von Jemandem, dessen man habhaft zu werden wünscht, zu verbreiten, so wird verlangt, dass dies schnell, gut und billig geschehen kann. Zu diesem Zwecke werden verschiedene Wege em- pfohlen. Bertillon und J. M. Eder hatten grosse Erfolge mit Bromsilber- entwicklungspapier(mit dem Copirautomaten copirt) in Fällen, in denen in wenigen Stunden und des Nachts hunderte von Exemplaren geliefert werden mussten, zu vermelden. Das von Liesegang befolgte Verfahren des Entwickelns eben abgedruckter Chlorsilberpapiere(Gelatine, Kollodion) ist ebenso gute Resultate zu liefern geeiguet. Vor kurzer Zeit ward in den Zei- tungen empfoblen, durch einen guten Zeichner die Photographieen in ihren Grundzügen scharf überzeichnen zu lassen, die Photographieen dann mit Sublimat zu bleichen, das Uebrigbleibende mit einer nassen Platte photogra- pbisch aufzunehmen, auf Zink zu ätzen und das Cliché in der Zeitung abzu- drucken. Wenn die Zeichnung sorgfältig gemacht wird, so kann das umge- zogene Bild sehr gut ausfallen, und dann entspricht dieses Verfahren sicherlich allen Anforderungen, die man an dieselben stellen kann. Vor etwa zwei Jahren wurde in allen Zeitungen berichtet, dass der Herzog von Moray, der erste Amateurphotograph Frankreichs, ein sehr einfaches und sehr billiges Verfahren zur Vervielfältigung von Lithographieen entdeckt habe, welches, da man alle Pässe, Militair- und Legitimationspapiere ete. mit dem Portrait des Eigen- thümers versehen wollte, von der französischen und russischen Regierung untersucht wurde. Ein Weiteres babe ich über dieses interessante Verfahren nicht gelesen. Jedenfalls sind diese Fragen belangreich genug.

e) Mikrophotographie.

Der ausgezeichnete Amateurphotograph brofessor Macktanner hat in der letzten Nummer des EderschenJahrbuches für Photographie die Fortschritte auf dem Gebiete der Mikrophotographie besprochen, weſche Arbeit von Dr. Neu- hauss zu Berlin in derZeitschrift für wissenschaftliche Mikrophotographie kritisirt wurde. Dr. Neubauss meint, dass der Werth der Mikrophotographie überschätzt werde. Was man durch die Mikrophotographie sieht, soll man, ob es sich nun um Unreinheit im Blut, um Blutkörperchen oder um mit Hilfe der Polarisation ausgeführte Nachweisung von Schriftenverfälschungen handelt, auch obne dieselbe sehen. Ob man durch die Mikrophotographie mehr sieht, oder nicht, habe ich hier nicht zu untersuchen, doch ist die Bebauptung, dass der Werth der Mikrophotographie im Allgemeinen überschätzt werde, unbe- dingt unrichtig. Hier handelt es sich hauptsächlich darum, ein bleibendes, stets wieder untersuchbares Material sich zu verschaffen und darin beruht der unendliche Werth der Mikrophotographie. In früherer Zeit betrachtete der bestallte Chemiker oder Mikroskopiker das corpus delicti unter dem Mikros- kop und erzählte dann bei der Verhandlung, was er gesehen hatte; beweisen konnte er es nicht, denn das Präparat war meistentheils schon längst ver- dorben, und wenn dies nicht der Fall war, so konnte er, da die meisten doch dieses gesehen haben würden, doch nicht sämmtliche Geschworenen durch das Mikroskop sehen lassen. Tüchtige gerichtliche Chemiker, wie z. B. Professor Sonnenschein in Berlin, mussten sich dann offenbar Zurechtweisungen durch den Vertheidiger sagen lassen, dass Das, was sie unter dem Mikroskop ge-