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Nr. 26. Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 249 Die Kenntniss der Nachwirkungen des Lichtes ist, wie man sieht, nicht nur sehr interessant, sondern auch wichtig, denn sie lässt manche in der Praxis vorkommende Phänomene erklären, und daraus resultirende Fehler ver- hüten. Wir erwähnen hier nur die Bildübertragung von einer belichteten Platte auf eine unbelichtete andere, welche eine Folge des chemischen Ausgleichungs- processes ist. Ferner die Verbreitung des Randschleiers beim Aufbewahren von unbelichteten Platten. Das successive Fortschreiten des Randschleiers ge- scbieht nämlich nach den oben angegebenen Principien, da der Scbleier selbst gleichfalls auf einer durch Bromausscheidung beruhenden gesteigerten Empfind- lichkeit der Schicht beruht. Die Umwandlung des Eisenoxydulsalzes spielt bei den Eisendrucken und verwandten Methoden, namentlich auch beim Platin- druck, eine beachtenswerthe Rolle. Man kann aber auch, wie schon gesagt, aus den Nachwirkungen des Lichtes Vortbeil ziehen, so beim Aufbewabren kurz belichteter Platten, wo man die Wirkung noch durch geeignete Mittel unterstützen kann, so z. B. durch An-
wendung eines Vorbades aus Silbernitratlösung mit Ammoniak. In diesem Falle
entzieht die genannte Lösung der Schicht gleichmässig Brom und macht das Subbromid leichter reducirbar, während die Nachwirkungen des Lichtes sich nach Maassgabe der Belichtung auf eine Ausgleichung zwischen den mehr und den weniger belichteten Theilen erstrecken, und somit einen viel besseren Uebergang vermitteln, wodurch das Ganze harmonischer erscheint.
Die Photographie im Dienste der Justiz“).
Von Dr. Hans Gross in Graz.
(Aus der in Amsterdam erscheinenden photographischen Zeitschrift„Lux“, ins Deutsche über- tragen von Berghaus, Major a. D.)
(Schluss.) b) Die Photographie als Hilfsmittel bei Feststellungen.
Hierher gehören alle Fälle, wo es sich nicht blos um die Wiedergabe eines Objectes handelt, sondern wo man das Bild zu veiteren Untersu- chungen und Erhebungen gebrauchen will. Das grösste Contingent nach dieser Richtung hin liefern Handschriftenuntersuchungen; bierbei kann es sich sowobl um einen Identitätsnachweis der Schrift als wie auch um Unechtheit des Ge- schriebenen handeln. In den ersteren Fällen wird die Schwierigkeit des Ver- gleichens manchmal dadurch noch vermehrt, dass sowohl die Grösse der Schrift, als auch das bapier und andere Umstände so verschieden sind, dass sie bei der Arbeit störend wirken; ausserdem sind die Vergleichungsgegen- stände oft heikler Art, man mag keine Hilfslinien darauf ziehen, kurz, man arbeitet mit ihnen nicht gern. In allen diesen Fällen ist es dringend zu empfehlen, alle Vergleichsgegenstände in gleicher Form und Grösse, auf gleichem Papier ete. zu photographiren und erst mit den Bildern die Vergleieche anzustellen; man muss dies einmal versucht haben, um zu sehen, welche un- vermuthete Erleichterung dadureh geboten wird. Dr. Jeserich räth ausserdem die Photogramme auf durchsichtige Gelatine zu machen, um durch Aufeinander- legen Form-Identitäten nachweisen zu können, dies ist jedoch überflüssig, denn so roh geht man bei Schriftenvergleichen doch nicht zu Werke, dass man den àusseren Formen besonderen Werth beimisst— die können bequem nachge- zeichnet oder verändert werden. Die Hauptsache bleibt immer, beide Ver-
*) Wie wir erst jetzt bemerken, ist der vorliegende Artikel von Herrn Dr. Hans Gross in Graz auf Veranlassung unseres Freundes Herrn C. Schierer in Wien für dessen„Photogr. Notizen geschrieben worden. Die Zeitschrift„Lux“, welche diesen Artikel ohne Quellenangabe reprodu- eirte, wurde in meiner Abwesenheit dem Herrn Major Berghaus zugesandt, welcher daraus ein- zelne Arbeiten übersetzte, ohne zu wissen, dass der vorliegende Artikel bereits in den„Photo- graphischen Notizen“ gestanden hatte. Ich selbst jedoch war in einer fünfwöchentlichen Badekur in Bad Nauheim begriffen, sodass es mir weder möglich war, die betr. Nummer der„Photo- graphischen Notizen“ durchzulesen, noch auch die vor meiner Rückkehr schon eingetroffene Arbeit des Herrn Major Berghaus einer Prüfung zu unterziehen. Auf diese Weise gelangte der Artikel ohne die Bemerkung, dass er aus den„Photographischen Notizen“ entnommen ist, in die Deutsche Photographen-Zeitung. K. Schwier,


