248 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 25.
empfindlichen. Es erklärt sich das leicht daraus, dass eine gering empündliche Emulsion mehr Brom enthält, dieses aber auch viel leichter abgiebt, wodurch die angestrebte Ausgleichung begünstigt wird. In einer sehr empfindlichen Emulsion, welche an und für sich schon ein Subbromid ist, tritt die Ver- ànderung langsamer ein, und ist nicht 8o bedeutend wie bei der andern.
Die von Guillaume bezeichnete Stillstandsperiode kann eigentlich nicht eintreten, denn das Verschwinden des Lichteindrucks, welches er als dritte phase bezeichnet, ist nur die Fortsetzung des angebahnten Ausgleichungs- processes. ſ.
Es ist eine bekannte Thatsache, dass, wenn man eine belichtete Platte mit einer hipreichend starken Bromkaliumlösung behandelt, jeder Lichteindruck vernichtet wird. Dies beruht einfach darauf, dass alles Subbromid in das Normalbromid zurückgeführt wird, die ganze Schicht also wieder gleieh- artig wird.
Dies kann aber auch dadurch geschehen, dass der angedeutete Ausgleich sich zwischen dem belichteten und dem weniger bezw. gar nicht belichteten Bromsilber vollzieht. Hierbei wird schliesslich auch jeder Lichteindruck ver- wischt, indem durch den Bromaustausch die Emulsionsschicht in allen Theilen wieder gleichartig wird. Das Bromsilber erhält aber im letztern Falle noth- wendigerweise eine grössere Gesammtempfindlichkeit, da es àrmer an Brom wird, während im ersteren Falle die Gesammtempfindlichkeit bedeutend herunter- gedrückt wird. Es ist darum nicht auffallend, dass eine belichtete Platte nach lüngerm Liegen nicht nur flau ist, sondern auch mehr oder minder starken Schleier zeigt.
Eine entsprechend schwache Bromkaliumlösung schwächt nur den Licht- eindruck ziemlich proportionell, verwischt ihn aber nicht, falls die Lösung nieht Brom genug zur Bildung des Normalbromids oder mindestens eines Subbromids, wie es dem der unbelichteten Platte entspricht, entbält.
Weil nun aber eine bromreichere Emulsion eber Brom an ein gebildetes Subbromid abgiebt, verliert eine weniger empfindliche Platte leichter den Licht- eindruck gänzlich, als eine hochempfindliche. Dies lässt sich nachweisen an den Kollodiontrockenplatten nach alter Methode und an Chlorsilbergelatine- Emulsionsplatten mit Entwicklung. Die ersteren erfordern eine möglichst rasche Entwicklung, wenn einigermaassen gute Resultate erzielt werden sollen, während bei letzteren auch der Lichteindruck, wenn auch nach längerer Leit, nicht unerheblich zurückgeht. Bei den modernen Trockenplatten aber wird der Lichteindruck jedenfalls erst nach langer Zeit verschwinden, und wenn. dies eingetreten ist, wird die Platte eine grössere Empfndlichkeit haben müssen, als vorher.
Guillaume ist seinerseits der Ansicht, dass dünne, glasartige Schichten nicht so leicht ein Zurückgehen des Lichteindrucks gestatten würden, als die schwammige Gelatine. Das ist indessen meiner Ansicht nach nur eine unbe- weisbare Annahme. Es müsste dann die von mir angenommene Ausgleichung durch einen weniger schwammigen Körper, unter welchem Guillaume hier wahrscheinlich Kollodion versteht, sehr erschwert, bezw. aufgehoben werden. Das ist aber ein Ding der Unmöglichkeit, weil in diesem Falle ja auch eine Ausscheidung des Broms durch die Lichtwirkung verzögert resp. unmöglich gemacht werden müsste. Das ist aber nach den Erfahrungen mit den neuen Gaedickeschen Kollodiontrockenplatten durchaus nicht der Fall, es bietet der alte Kollodiontrockenprocess vielmehr einen entgegengesetzten Beweis.
Inwieweit eine Analogie zwischen den Nachwirkungen des Lichtes in einer Bromsilberschicht und in einer chromirten Gelatineschicht herrscht, soll hier nicht untersucht und besprochen werden, weil es nicht zur Sache gehört. Es muss aber hier der Thatsache erwähnt werden, dass nicht nur eine Haloid- silberschicht den Lichteindruck verlieren kann, sondern dass dies auch bei den leichtempfindlichen Eisenoxydsalzschichten der Fall ist. Wird nämlich ein mit dem entsprechenden Eisensalz präparirtes Copirpapier nach der Belichtung längere Zeit aufbewahrt, so verschwindet der Lichteindruck vollständig; es findet hier also offenbar eine ganz ähnliche Umwandlung statt, wie beim Brom- silber, d. hb. das Oxydulsalz verwandelt sich wieder in das Oxydsalz.
(Ans


