Jahrgang 
1894
Seite
230
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230 Deutsche Photographen-Zeitung 1894. Nr. 24

Licht wie Schatten, lässt sich in grossartiger Weise bearbeiten wie kein an. deres Papier, seine Bilder sind haltbar und von kunstverständiger Hand ge. fertigt, von packendster Wirkung. Das. Celloidinpapier aber mit dem Platin- papier auch nur im entferntesten identificiren zu wollen, ist wohl der Gipfel

sinnloser Anpreisungen. 1. Sind solche Anpreisungen aber absichtlich corrumpirend gemeint, dann

einpereat Jedem, der solcherart dem Fortschritt der höberen Kunst Hinder-

nisse zu bereiten sucht. Unser Fach ist ja überfüllt, die Existenz erfordert immer mehr Kostenaufwand, Mühsal, Können und Geschäftsgeist.

Wer aber glaubt, dass unfertige, das heisst, nicht genügend erprobte Neu.

heiten zu einem Geschaäftsaufschwunge taugliche Mittel sind, irrt. Gerade das

Celloidinpapier hat manchem guten Mittelgeschäft den Ruf der Reellität ge

nommen und so beträchtlichen Schaden gebracht. Ferner verliert das gebildetere publikum den Gefallen an den meist süsslichen Celloidincopieen zusehends, So dass es sich, wie eingangs erwähnt, wirklich ausdrucksvoll nur bei besonderen Galanteriebildchen und sehr zarten Studien, die sozusagen ohne Retouche sind, zeigt. Allerdings muss dann Papier reiner Qualität ersten Ranges, welches keinerlei Künsteleien zeigt oder deren nicht bedarf, verwendet werden. Irren ist ja menschlich: Kann der Fachmann irren, dann darf es auch der Fabrikant, der, wie sich in unserem Fach seit Alters her zeigte, leider selten Fachmaon war oder ist, dadurch die meisten Verwirrungen verschuldete, den nutzlosen Aufwand enormer Summen auf dem Gewissen hat, seine Haupteinnahmequellen bei Denen fand, die nicht alle werden, aber keiner konnte dafür. Aesthetisches und praktisches Wissen sammeln, war meist verhasst, und verlacht wurde Der, der es that. Geld verdienen war und ist heute noch mehr die alleinige Losung. Ich halte es für das Beste, möglichst Beides zu thun- das gereicht wohl Allen zum Heil. s.

Sprechsaal.

Unter dieser Rubrik stellen wir unsere Spalten Jedermann soweit möglich zur Meinungsäusserung frei, dem nicht anonymen Einsender die Vertretung selbst überlassend.

Eine Preisaufgabe für den photographischen Congress.

Wenn man sicb auf die Nittbeilungen der dafür begeisterten Fachpresse verlassen darf, so ist der Congress durch die Zusage fast aller Vereine Deutseh- lands gesichert. Es kommt dabei gar nieht in Betracht, ob der Deutsche Photographen-Verein sich noch dafür entschliessen wird, doch wäre es im Interesse der gesammten Photographenwelt besser, wenn die Streitigkeiten auf-

hörten oder objectiver geführt würden. Der eigenthümliche Ton einer in Berlin

herausgegebenen Fachschrift erinnert, ohne ihre Redaction hier verdächtigen zu wollen, doch unwillkürlich trotz aller Bebauptungen des Gegentheils an die Schlussworte der Reden Catos im römischen Senate:Ceterum censeo Cartha- ginem esse delendam!(Uebrigens meine ich, Carthago muss zerstört werden!) Der Grund der ablehnenden Haltung des Vorstandes unseres Vereins war doch die ursprüngliche Ansicht, dass es den eignen Interessen des Vereins zuwider- liefe, wenn er sich an dem Congresse betheiligte. Ich möchte nur ganz be- scheiden fragen, welcher Verein resp. welcher Vorstand die Existenz seines Vereins gern gefährdet sieht? Die Meinungen, ob dies hier der Fall ist, mögen ja stark differiren, aber darin liegt doch wahrlich kein Grund, den Deutschen Photographen-Verein gleich in Acht und Bann zu thun! Wie diese Angelegen- beit sich nun weiter entwickeln wird, wolle man getrost der Zukunft über- lassen. Da der Wanderversammlung des Deutschen Photographen-Yereins in Frankfurt am Main die Entscheidung obliegt, so können ja die Mitglieder und Vorstände der interessirten beiden Vereine(des Frankfurter Vereins und der Deutschen Photographen-Vereins) sich noch persönlich darüber in Verbindung zu setzen. Bis zur Entscheidung mögen aber die anderen Vereine neutra bleiben! Sollte aber die ausgesprochene Drohung sich bewabrheiten, so gelten für den Dentschen Photographen-Verein die Worte aus dem Rütlischwur:WIr wollen trauen auf den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht

der Menschen! Jedenfalls wird die allgemeine missliche Geschäftslage,