Jahrgang 
1894
Seite
229
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Deutsche Photographen-Zeitung 1894. 229

Zukunftspapier.

Ueber das Celloidinpapier habe ich schon manche stille Betrachtung ge- pflogen, mehr noch aber über Die, welche es beurtheilen, ev. als absoluten Ersatz für das Albuminpapier dringendst empfehlen wollen.

Haben denn, so fragte ich mich oft schon, Diejenigen, welche so warm für das Celloidinpapier eintreten, auch wirklich Auge und Fähigkeiten für ein Urtheil, das der Kunstrichtung upseres Berufes nützen kann?! Sollte ich mich täuschen, wenn ich vielleicht alleinstehend() behaupte, man solle ein Papier erst nach seinem Aàusseren Charakter, in zweiter Linie die für dasselbe eigeuthümliche Techuik prüfen? Die Fähigkeit, über diese beiden wesent- lichsten Punkte gleichzeitig sprechen zu können, ist erfabrungsgemäss sehr

selten Jemandem verliehen, weshalb umsomebhr jeder Lobesüberhebung des einen

oder andern Papieres werden muss.

Wie viele grossartige Poseure giebt es, die, fehlt ihnen ihre rechte Hand in Gestalt eines umsichtigen, kenntnissreichen und peinlich arbeitenden Labo- ranpten, geradezu bilflos dastehen! Wie Wenige giebt es, die die Objective weder näher kennen, noch im Specialfall richtig zu wählen vermögen, von Aus- nätzung derselben in irgend einem Falle garnicht zu reden etc. Diese können natürlich auch niemals selbstständig feine Negative, schöne transparente Copieen dann erst recht nicht fertigen. Und auf Urtheile gerade dieser Kategorie von Fachleuten(2) stützen sich im Wesentlichsten die Anpreisungeu der neuen Papiere.

Kurz, wird des übertriebenen Lobes kein Einhalt gethan, so geht unser Fach(glücklicher Weise nur im grösseren Fach-Publikum) nicht nur einem jldeellen Verfall entgegen, sondern man kann bebaupten, er ist schon da. Mit Neid sieht man schon jetzt auf die glänzenden Leistungen der sehr wenigen Photograpben und auf deren Erfolg, welche mit fein fühlendem Verständniss sich von allgemeiner Verirrung fernzuhalten wissen.

Welches aber sind denn die vermeintlichen Vortheile des Celloidinpapiers? Der wesentlichste ist das stete Bereitsein höberer Empfindlicbkeit und die re- lative Halibarkeit, wie bei der Trockenplatte, sonst mag ein besseres Fabrikat bei sehr zarten Galauteriebildchen ganz prächtig wirken, aber nur dann, wenn die benutzten Negative von höchster Vollendung sind. Sind diese es nicht, so ist das Albuminpapier entschieden überlegen und auch immer noch billiger; er ist für helle wie dunkle Motive gleich vorzüglich, wenn man nur Silber und Gold nicht spart.

Auch über die Haltbarkeit liesse sich sprechen: Der Albuminprocess wird meist ganz unverantwortlich vernachlässigt. Celloidin zwingt infolge mancher tückischer Eigenschaften zur Aufmerksamkeit. Wird bei beiden Papieren peinlich gearbeitet, notabene mit Sachkenntniss, so sind beide wohl von gleicher Haltbarkeit, und Albumin zeichnet bei sehr feinen Negativen reicheren Schatten als Celloidin, vermittelt auch sehr hell und sehr dunkel barmonischer. Dass der Werth oder Unwerth nicht allgemein richtig erkannt wird, kann man wobl einer Art Blindheit für künstlerische Auffassung zuschreiben, und warum sollte davon nicht auch der Fabrikant befallen sein, der schliesslich doch nur seinen materiellen Nutzen in höchster Potenz sucht. 1

Mit einem Wort: Die dem Celloidinpapier zugeschriebenen günstigen Eigen- schaften beruhen theils auf befangenem Urtheil oder sind aus Gewinnsucht reclamemässig angedichtete. Hier will ich auch dem Cousumenten eine ernst- liche Verwarnung zukommen lassen, indem ich ihm rathe, sich durch andere Namen von Papier, Tonung(Gold-, Platin-) nicht bestechen zu lassen und sein Publikum zu corrumpiren, es dürften leicht höchst verhängnissvolle Strafpro- cesse in unserer concurrenzneidischen Zeit die Folge sein. 1

Das Chlorsilbergelatinepapier mõge nicht unerwähnt bleiben, da es einen sehr ansprechenden Charakter zeigt, doch geben auch hier wie bei jedem an- deren Copir-Processe gerade best durchgezeichneten Negative die schöusten Resultate. Allem entgegen zeigt das Platinpapier die groͤsste Vielseitigkeit: Es zeichnet bei(natürlich guter) Qualitàt fein abgestuft die grösste Zartheit in

mit dem ausgesprochensten Pessimismus begegnet